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Netze an der Fährmannstraße

Die Stadtverwaltung lässt zwei Häuser überspannen – manche meinen, damit sie in Ruhe weiter verfallen können.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Meißen. Es gibt die Redensart: Ohne Netz und doppelten Boden. Sie wird verwendet, wenn es darum geht, ein geradliniges, ehrliches Handeln zu charakterisieren. An der Fährmannstraße 1 und 2 wird seit dem 21. Dezember mit Netz gearbeitet. Denn ein solches wurde über die straßenseitigen Dächer gezogen.

„Mit Gott“ – hat der Erbauer 1881 in die Tafel Fährmannstraße 1 meißeln lassen. Nun scheint er das Haus verlassen zu haben. © Udo Lemke

Was das für einen Sinn hat, lautete die Frage an die Verwaltung, gehören die Gebäude doch der Stadt. Die Fragen, die sich automatisch anschließen lauten: Wenn die Dächer der beiden Häuser kaputt sind, so dass Netze gegen herabfallende Dachziegel gespannt werden müssen, um Passanten zu schützen, dann müssten die denkmalgeschützten Gebäude eigentlich unverzüglich repariert werden. Denn im sächsischen Denkmalschutzgesetz heißt es unter Paragraf 8: „Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmalen haben diese pfleglich zu behandeln, im Rahmen des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten und vor Gefährdung zu schützen.“ Im Gesetz steht allerdings unter dem Paragrafen 16 auch noch etwas anderes. Nämlich, dass „Eigentümer und Besitzer Schäden und Mängel, die an Kulturdenkmalen auftreten und die ihre Erhaltung gefährden können, unverzüglich einer Denkmalschutzbehörde anzuzeigen haben“.

Auf Anfrage bei der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises wurde von dort mitgeteilt, dass man zu den Vorgängen an der Fährmannstraße keine Kenntnis habe. Allerdings ist nicht nur das Verhalten der Stadtverwaltung in Bezug auf die Fährmannstraße seltsam, sondern auch das des Stadtrates. Im Bauausschuss im Dezember stellte die Stadtverwaltung einen neuen Architektenentwurf zur Umgestaltung der unmittelbar an der Triebisch gelegenen Häuser der Fährmannstraße vor. Darin wird der Abriss des imposanten Kopfbaus, der Nummer 1, vorgestellt, der durch einen kleineren Neubau ersetzt werden soll. Die Denkmalbehörde hatte jedoch klar und eindeutig festgestellt, dass ein Abriss des geschützten Hauses weder aus baulichen Gründen notwendig noch aus rechtlichen Gründen machbar sei.

Inzwischen werden Stimmen laut, die das Anbringen der Netze an diesem Bau und der benachbarten Nummer 2 weniger als Schutzmaßnahme für vorbeikommende Meißner als als solche für ihren weiteren ungehinderten Verfall sehen. Immerhin hat die Stadt bzw. die Seeg, denen zusammen die Fährmannstraße 1, 2, 3, 4, 5 und 10 gehören, an den Häusern seit April 2013 nichts mehr gemacht. Damals war die erste von mehreren Veränderungssperren über das Gebiet verhängt worden.

Was den Kopfbau, also die Nummer 1, betrifft, so schreibt SZ-Leser Wolf-Rainer Krüger: „Wenn ich davor stehe und Detail um Detail mit meinen Augen erfasse, kann ich das Todesurteil nicht verstehen! Wie kompetent sind eigentlich die Richter für dieses, alles vernichtende Urteil? Wer verhandelt hier schon mit wem? Wollen das die Bürger von Meißen wirklich?“

Und die Stadtverwaltung, was sagt sie nun zur aktuellen Situation? Auf eine entsprechende Anfrage antwortete Stadtsprecherin Katharina Reso: „Leider habe ich bislang noch keinen Kollegen erreichen können, der mir eine entsprechende Auskunft hätte geben können, ob und weshalb hier Sicherungsarbeiten veranlasst wurden.“