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Neue Bäume nach dem Sturm

Das Aufarbeiten der Schäden dauert im Moritzburger Staatswald noch Monate. Parallel dazu wird jetzt gepflanzt.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

Moritzburg. Die Sonne scheint sommerlich heiß über der Lichtung im Friedewald. Auf einem Teil der Fläche, die von einem Wildzaun umgeben ist, bewegen sich drei Männer. Am Rand der Lichtung türmen sich Stapel mit gleichmäßig auf Länge geschnittenen Baumstämmen. Bis Mitte Januar standen hier auf einer durchforsteten Fläche, die Forstleute nennen das Schirmhieb, noch viele 100 bis 120 Jahre alte Bäume. Vor allem Kiefern, auch einige Fichten. Eigentlich, so der Plan von Marko Groß, dem Revierförster für den Staatswald in Moritzburg, sollten sie noch ein paar Jahre wachsen und dabei mit ihren Kronen neuen Bäumchen Schutz vor Frost und Sonne bieten.

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Doch dann kam Friederike – und hatte leichtes Spiel. Denn weil die großen Bäume nach dem teilweisen Holzeinschlag relativ frei standen, boten sie den Sturmböen eine große Angriffsfläche. Am Ende kamen nur wenige ohne Schaden davon.

Seit Ende Januar wurde in dem etwa drei Fußballfelder großen Waldstück nicht nur das Sturmholz aufbereitet, sondern auch das Reisig beräumt. Und 1,3 Hektar mit einem Wildzaun versehen. Seit dem vergangenen Dienstag wird dort nun auch aufgeforstet. „Pflanzen wollten wir hier in diesem Jahr ohnehin“, sagt der Revierleiter. „Aber eigentlich unter den alten Bäumen.“ Durch Friederike kommt der geplante Waldumbau nun etwas schneller voran.

„Mit dem Aufforsten wollen wir wieder zu dem Wald zurückkommen, den es hier ursprünglich einmal gab und der auch zu dem vorhandenen Boden passt“, erklärt der Forstmann. Kiefern und Fichten dienten wegen ihres relativ schnellen Wachstums über Jahrzehnte als sogenannter Brotbaum. „Für die Böden um Moritzburg, wo es viel Staunässe gibt, sind sie aber eigentlich ungeeignet.“

Auf der eingezäunten Fläche pflanzen die drei Männer daher jetzt vor allem Stieleichen und dazwischen auch Winterlinden und Hainbuchen. Insgesamt rund 6 000 ein- und zweijährige Bäumchen. „Die Winterlinden und die Hainbuchen werden den Eichen beim Wachsen helfen“, ergänzt Marko Groß. Indem sie mit ihrem Laub Schatten werfen, sollen sie dafür sorgen, dass die kleinen Eichen in die Höhe wachsen und sich nicht am untern Teil des Stammes verzweigen.

Auf der etwas trockeneren etwa 0,8 Hektar großen Fläche sollen dagegen künftig vor allem Rotbuchen wachsen. „Die sind nicht so extrem Verbiss gefährdet“, sagt der Förster. Einen schützenden Wildzaun bekommen sie daher nicht. Perspektivisch will Marko Groß überall in seinem Revier auf diese verzichten.

20 Hektar Kahlflächen

Denn, der Bau und die Unterhaltung sind teuer. „Der Rehwildbestand hat inzwischen solch einen Umfang, dass das möglich sein sollte.“ Mehr geschossen werde nicht. Einfluss auf die Population haben aber auch das Wetter – und der Wolf. Zwar gibt es im Friedewald kein Rudel, „aber Fotos von Wildkameras zeigen, dass er trotzdem da ist“.

Insgesamt rechnet der Forstmann damit, dass durch den Sturm in seinem Revier insgesamt rund 20 Hektar Kahlflächen entstanden sind. Die Größen liegen dabei im Bereich von 0,2 bis drei Hektar. „Für das Aufforsten brauchen wir zwei bis drei Jahre.“ Denn das Zeitfenster fürs Pflanzen ist klein. „Damit die Bäumchen aus dem Boden geholt werden können, muss dieser frostfrei sein. Wenn es so weit ist, liefert die Baumschule an einem Tag dann auch schon mal 15 000 Pflanzen“, sagt Marko Groß. Diese müssen bis zum Pflanzen im Waldboden eingeschlagen, also zwischengelagert werden.

In diesem Jahr will der Moritzburger Revierleiter rund 37 000 Minibäume pflanzen lassen und damit über sieben Hektar im Friedewald aufforsten.

Etwa die Hälfte davon bis zum Monatsende, die andere dann im Herbst. Neben den genannten Arten auch Vogelkirschen und Lärchen. „Die Lärche könnte die Brotbaumart der Zukunft für Moritzburg werden. Sie brauchen nur drei Jahre Pflege und keinen Zaun, das Holz ist sehr gefragt und bringt daher einen guten Preis.“

Und noch etwas spricht für den im Winter nadellosen Baum. „Während der Stürme sind fast alle stehengeblieben. Selbst auf den Kuppen.“