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Neue Blitzsaison beginnt

Im Sommerhalbjahr gilt auf der Dresdner Waldschlößchenbrücke nachts wieder das Tempo-30-Limit. Wer schneller fährt, zahlt.

© Sven Ellger

Von Peter Hilbert

Dresden. Die Flugsaison der Fledermäuse hat begonnen. Denn die Nächte werden wieder wärmer. Deshalb darf seit 1. April auf der Waldschlößchenbrücke bei Dunkelheit nur noch 30 Stundenkilometer gefahren werden. Die Beschränkung wird von Hightech-Blitzern überwacht. In diesem Monat gilt sie von 19 bis 7 Uhr, zwischen Mai und Juni von 20 bis 6 Uhr, im August und September von 19 bis 6 Uhr und im Oktober in der Zeit von 18 bis 7 Uhr.

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Mit diesem Tempolimit soll vor allem die seltene Fledermausart Kleine Hufeisennase, genannt Hufi, geschützt werden. Denn Fachleute gehen davon aus, dass die Fledermäuse das Dresdner Elbtal als Transferroute zwischen den Kolonien in Meißen und Pillnitz nutzen. Eine Idee der Stadt war das nicht. Vor dem Baubeginn der Brücke war dies vom Oberverwaltungsgericht Bautzen festgelegt worden. Zwar hatte es mit dem Urteil vom November 2007 den Baustopp aufgehoben und damit den Weg für den Bau freigemacht. In der Brücke sahen die Richter auch keine Gefahr für die Kleine Hufeisennase. Denn in der Regel fliegen die Fledermäuse bei ihren nächtlichen Touren unter Brücken hinweg. Sollte sich im Fall der Fälle jedoch einmal ein Tier verirren, könnte es bei 30 km/h aufgrund seiner extrem kurzen Reaktionszeit noch ausweichen. Eine verletzte oder getötete Hufeisennase wurde der Stadt zufolge bisher aber nicht gesehen.

Auch deshalb gab es immer wieder Kritik an dem Tempolimit. So hatte die FDP gefordert, es aufzuheben. Stadtratsfraktionschef Holger Zastrow hatte die Begrenzung als verkehrs- und umweltpolitischen Unfug und Schikane für Autofahrer bezeichnet. Das Limit hätte vermutlich noch keine einzige Fledermaus gerettet, sondern nur den städtischen Haushalt.

Auf dem Prüfstand ist das Tempolimit, da das Bundesverwaltungsgericht im Juli 2016 die Baugenehmigung für die Waldschlößchenbrücke gekippt hatte. Deshalb muss die Umweltverträglichkeit nach der strengen EU-Richtlinie für Flora-Fauna-Habitate geprüft werden. Das ist die Chance für eine Änderung der Beschränkung.

Seit der Eröffnung im August 2013 wurden 87 833 Kraftfahrer geblitzt, teilt das Ordnungsamt mit. Der größte Teil davon (67 781) fuhr zu schnell in Richtung Altstadt. Der schnellste Kraftfahrer war mit 116 km/h unterwegs. Die Blitzer hatten rund 160 000 Euro gekostet. Bisher nahm die Stadt knapp drei Millionen Euro Verwarnungs- und Bußgelder ein.