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Neue Chance für das Sachsenbad

Neun Millionen Euro will die Stadt investieren. Sie hofft auf EU-Fördergelder.

© André Wirsig

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Die Bewohner Pieschens wünschen sich schon lange, dass das Sachsenbad saniert und wiedereröffnet wird. Seit 20 Jahren ist das einst beliebte Stadtbad geschlossen und verfällt. Es wurde Ende der 1920er-Jahre als Teil eines Ensembles mit Wohnblock, Spielplatz und Bibliothek an der Ecke Wurzener/Rehefelder Straße errichtet. Bisher waren weder die Stadtverwaltung noch die Stadträte bereit, die für die Sanierung erforderlichen rund 20 Millionen Euro bereitzustellen. Zumal auch ein entsprechendes Nutzungskonzept fehlte. Nun zeichnet sich ein erstes Umdenken ab.

Das Konzept: Zwischen Marienbrücke und Trachau wird investiert

Das unter Denkmalschutz stehende Sachsenbad wird in einem neuen Förderprogramm der Stadt berücksichtigt. Mit rund neun Millionen Euro soll ein rund 267 Hektar großes Gebiet im Dresdner Nordwesten zu einem attraktiveren Stadtgebiet entwickelt werden. Das geht aus der aktuellen Bewerbung der Landeshauptstadt um Fördermittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (Efre) hervor. Denn um die Vorhaben rund um die Verbesserung des Stadtklimas, des Radwegnetzes und des Wohnumfeldes umsetzen zu können, braucht die Stadt Fördergeld. Etwa 80 Prozent der geplanten neun Millionen Euro könnte sie über das Efre-Programm finanzieren. Der entsprechende Antrag wurde in der vergangenen Woche im Bauausschuss vorgestellt. Die Entscheidung fällt jedoch der Stadtrat. Das Fördergeld soll schon ab diesem Jahr fließen und die Projekte bis spätestens 2020 umgesetzt werden. Für den Antrag wurde zunächst ein Grobkonzept erstellt, das für die Umsetzung noch konkreter werden muss.

Das Klima: Erhalt der Hufewiesen und Bau einer neuen Fernwärmetrasse

Das Stadtklima im Dresdner Nordwesten ist schlecht. Durch die dichte Bebauung und fehlende Grünflächen heizt sich das Gebiet besonders in den Sommermonaten stark auf und wird kaum durchlüftet. Das möchte die Stadt mit deutlich mehr Grün im Viertel verbessern. Deshalb sollen nicht nur die Hufewiesen in Trachau als rund 13 Hektar großes Grünland erhalten bleiben, sondern noch weitere Flächen dazukommen. So ist parallel zu dem neuen Schulcampus an der Gehestraße der sogenannte Gehepark geplant. Außerdem werden weiter Bürgergärten entstehen sowie Grünanlagen in den Wohnquartieren und entlang der Eisenbahnlinien.

Um die Luft ein Stück weit sauberer zu halten, sollen mehr Wohnungen Pieschens und der Leipziger Vorstadt mit umweltfreundlicher Fernwärme beheizt werden. Dazu müssen die Stadtgebiete an das bestehende Leitungsnetz angeschlossen werden. Die Fernwärmetrasse in den Dresdner Nordwesten endet momentan noch am Arzneimittelwerk Menarini-von Heyden an der Leipziger Straße und muss entsprechend ausgebaut werden.

Der Verkehr: Radwege zur Elbe und ein Fernbusstopp am Neustädter Bahnhof

Auch am Verkehr im Dresdner Nordwesten soll sich einiges ändern. Da in dem Stadtgebiet viele junge Leute und Familien wohnen, hat die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs stark zugenommen. Zudem setzen viele Bewohner aufgrund der Nähe zur Innenstadt auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Deshalb plant die Stadt nun, das Radwegenetz auszubauen.

So soll eine Verbindung vom Alexander-Puschkin-Platz zur Elbe geschaffen werden. Zudem ist vorgesehen, dass Radfahrer künftig durch die Gartensparten am Anton-Günther-Park, zwischen Rehefelder- und Tichatschekstraße, fahren können. Am Neustädter Bahnhof sollen außerdem eine Fahrradparkstation und weitere Bus-stellplätze entstehen. Um die angespannte Parksituation besonders in der Leipziger Vorstadt zu entschärfen, ist beabsichtigt, ein Grundstück in der Hansastraße als öffentliche Parkfläche zu entwickeln.

Das Wohnen: Spielplatz am Haltepunkt Pieschen und städtische Wohnungen

In keinem anderen Stadtgebiet leben so viele junge Familien wie in Pieschen und in der Leipziger Vorstadt. Umso wichtiger ist es für die Lebensqualität in den Wohnvierteln, dass sie genügend Freiraum für Kinder und Jugendliche bieten. Deshalb sollen Straßen, Plätze und Freiflächen, beispielsweise in der Oschatzer Straße 22/24, am Großenhainer und am Moritzburger Platz, umgestaltet werden. Außerdem ist geplant, dass am Haltepunkt Pieschen ein Spielplatz entsteht. Um das soziale Gleichgewicht zu halten, will die Stadt ihre rund 300 Wohnungen in Pieschen behalten. Zudem sollen die 8. Grundschule in der Konkordienstraße und das Jugendhaus „Roter Baum“ saniert werden.

Die Freizeit: Konzept fürs Sachsenbad und mehr Platz für Kreativwirtschaft

Zu einem angenehmen Wohnumfeld gehören auch entsprechende Freizeitangebote. Zwar profitieren die Bewohner in Pieschen und der Leipziger Vorstadt enorm von der Lage an der Elbe, dennoch muss auch in den Freizeitbereich investiert werden. Deshalb plant die Stadt, die Hufewiesen öffentlich nutzbar zu machen und bestehende Bürgergärten weiter zu unterstützen. Auch das Sachsenbad soll wieder genutzt werden können. Allerdings ist das abhängig von einem Finanzierungs- und Nutzungskonzept, das noch erarbeitet werden muss. Die Kreativwirtschaft soll stärker in Sachen Kultur eingebunden werden. Deshalb plant die Stadt, den Kunstraum Geh8 zu sanieren und das Areal am „Alten Schlachthof“ aufzuwerten.