merken

Neue Chance für die Hofewiese

Die Stadt will den Gasthof in der Dresdner Heide verkaufen. Mehr als 20 Interessenten sind im Rennen um die Immobilie.

Thomas Drendel und Ulrike Kirsten

Türen sind demoliert, Fenster zerschlagen, das Inventar fehlt völlig. Der Traditionsgasthof Hofewiese in der Heide ist in einem erbärmlichen Zustand. Dennoch ist die Immobilie begehrt. Mehr als 20 Interessenten wollen sie von der Stadt kaufen und legten bereits Konzepte vor, wie sie die Hofewiese künftig nutzen möchten, sagt Stadtsprecherin Anke Hoffmann. Nun ist die Ausschreibung beendet. Was die Bieter aus der Hofewiese genau machen wollen, dazu schweigt die Stadt. „Die Unterlagen werden jetzt durchgesehen. Dann entscheidet die Verwaltung, mit wem Verhandlungen aufgenommen werden.“

Anzeige
Ihre Berufserfahrungen sichtbar machen
Ihre Berufserfahrungen sichtbar machen

Der neue „ValiKom Transfer“ - Alle Verfahren der IHK Dresden und Handwerkskammer Dresden wurden bisher erfolgreich beendet!

Denn die Anforderungen an die möglichen Käufer sind hoch. Sie mussten unter anderem zusichern, den Gebäudekomplex innerhalb von drei Jahren zu sanieren, und nachweisen, dass sie den Umbau auch finanzieren können. In der Ausschreibung wies die Stadt auch auf den schlechten Zustand hin. In den Kellern steht beispielsweise das Grundwasser. Mit den Vorgaben will die Stadt dafür sorgen, dass die Sanierung dieses Mal wirklich gesichert ist. Denn der Verkauf war bereits einmal gescheitert. 2006 ging das Objekt an einen bayerischen Unternehmer. Der sanierte es aber nicht wie vereinbart. Nach einem Gerichtsurteil wurde es im März 2013 geräumt. Der damalige Mieter, der Verein Erster Sachsenbund zu Dresden, musste raus. Seitdem steht die Hofewiese leer.

Doch nicht nur die Verwaltung hat große Erwartungen an die künftigen Investoren. Auch die Dresdner. Viele wünschen sich wieder eine Ausflugsgaststätte in dem Gebäude, das eine lange Tradition als solche hat. Seit 1877 wurde die Hofewiese als Landgasthof genutzt, bevor sie 2000 dichtmachte. Der Grund war der schlechte Zustand des Hauses. Genutzt werden könnte die Hofewiese auch als Wohngebäude. Das Haupthaus hat eine Wohnfläche von rund 650 Quadratmetern, das Nebengebäude von rund 220 Quadratmetern. Zudem gibt es eine asphaltierte Zufahrt zur Hofewiese von Langebrück aus.

Egal, was der künftige Eigentümer mit der Immobilie plant, auf ihn kommt einiges zu. Enorme Investitionen sind notwendig, unter anderem für die Abwasseranlage sowie Strom- und Gasleitungen, die neu verlegt werden müssen. Zudem müssen Auflagen des Denkmalschutzes bei der Sanierung berücksichtigt werden. Denn mit dem ehemaligen Landgasthof erwirbt der neue Eigentümer auch ein Stück Stadtgeschichte. Die Historie der Hofewiese reicht mehr als 400 Jahre zurück. 1804 kaufte der sächsische Kabinettsminister Graf Camillo Marcolini das Areal und ließ ein Haus darauf errichten. 1828 übernahm König Anton von Sachsen das Anwesen. Es wurde zeitweise zur Fohlenzucht sowie als Futterstelle der königlichen Marstallpferde genutzt. Das Gasthaus ist ein Kulturdenkmal und darf deshalb nicht verändert werden. Beispielsweise sollen vorwiegend alte Baumaterialien genutzt werden, wie sie auch früher verwendet wurden. Eine weitere Bebauung des 10 000 Quadratmeter großen Grundstückes ist ausgeschlossen.

Auch für den Langebrücker Ortschaftsrat steht der Erhalt des bedeutenden Gebäudeensembles an erster Stelle. „Wenn künftig wieder eine Gaststätte in der Hofewiese öffnen sollte, würde uns das freuen. Wir können den Investoren das aber nicht vorschreiben“, sagt Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU). Wichtig sei, dass die Investoren das Gebäude überhaupt sanieren. Denn zum Spekulationsobjekt soll die Hofewiese nicht verkommen.