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Neue Chance für Flugplatz Rothenburg

Elbe Flugzeugwerke planen mit dem Landkreis die Zukunft. Ziel sind Wartung, Umbau und Parken von großen Fliegern.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

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Rothenburg. Gerade noch waren die Chinesen im Anflug auf Rothenburg, nun ist es eine Firma aus der sächsischen Landeshauptstadt, die zum entscheidenden Faktor für die Zukunft des Flugplatzes werden könnte, auf dem nun doch keine Elektroautos gebaut werden. Vielmehr scheint das Areal von der Vergangenheit eingeholt zu werden – jedoch mit vielen neuen, interessanten Facetten. Andreas Sperl, Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke GmbH, bestätigte jetzt gegenüber der Sächsischen Zeitung, dass man zusammen mit dem Landkreis Görlitz an einer Machbarkeitsstudie arbeite, deren Inhalt sich mit der Wartung, dem Umbau und temporären Parken von Flugzeugen, aber auch mit dem Ausbau und der Aufarbeitung von Komponenten befasse. „Der Bedarf ist vorhanden. Und er wird noch größer. Je mehr neue Flugzeuge verkauft werden, je mehr muss man sich auch überlegen, was mit den alten Modellen passiert. Sie besitzen Bauteile, die man noch verwerten kann und wegen der kostbaren Rohstoffe auch unbedingt sollte“, erklärt der Unternehmer, der für die Ausarbeitung der Studie zwei seiner Mitarbeiter abgestellt hat. „Wir haben großes Interesse daran, dass sich die sächsische Luftfahrtindustrie positiv entwickelt und werden uns deshalb auch in Rothenburg engagieren“, bekräftigt Sperl.

Andreas Sperl ist Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke GmbH.
Andreas Sperl ist Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke GmbH. © André Schulze

Selbst investieren will die Dresdener Firma aber nicht. Man trete bei diesem Projekt als Berater und Vermittler auf. „Wir sind in der Flugzeugbranche gut vernetzt und kennen einige Interessenten aus dem In- und Ausland“, so Sperl. Diese wolle man zu einem Engagement in Rothenburg bewegen.

In Sachsen ist das genannte Geschäftsmodell noch Neuland, in den USA gibt es laut dem Dresdener Firmenchef bereits verschiedene Standorte, an denen in die Jahre gekommene Flugzeuge aufgepeppt, umgerüstet oder ihre Bestandteile verwertet werden. „Das ist eine hochtechnologische Angelegenheit, hier könnten interessante Arbeitsplätze entstehen.“ So viele wie die von den Chinesen angekündigten 1 000 aber wahrscheinlich nicht. „Die Größenordnung ist noch nicht absehbar. Die ganze Sache soll allmählich wachsen.“ Dabei wolle man sich an den realen Bedürfnissen orientieren und keine Zahl nennen, die dann in Stein gemeißelt sei.

Andreas Sperl schätzt die Voraussetzungen am Flugplatz Rothenburg für das beabsichtigte Engagement als sehr gut ein. „Die Start- und Landebahn ist in einem guten Zustand, verfügt über eine ausreichende Länge und Breite, um auch größere Flugzeuge aufzunehmen.“ Investieren müsse man in das Umfeld, vor allem in weitere Hangars, in denen die Flieger abgestellt und bearbeitet werden können. „Das ist mit einem relativ überschaubaren Aufwand machbar“, ist der Fachmann überzeugt. Vereine, die auf und am Rande des Flugplatzes tätig seien, könnten durchaus auch in Zukunft hier bleiben und die Start- und Landebahn weiterhin nutzen. „Es wird ja nicht so sein, dass hier alle fünf Minuten ein Großraumflugzeug niedergeht.“

Die Infrastruktur, die bei der Rieseninvestition der Chinesen an ihre Grenzen gestoßen wäre, hält Sperl in der Anfangsphase für vertretbar. Die vorhandenen Straßen seien solide, das werde erst einmal reichen. Die Machbarkeitsstudie soll seinen Angaben nach spätestens Mitte 2018 fertig sein. Danach will man entscheiden, wie es weitergeht. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in Rothenburg etwas Brauchbares schaffen werden.“

Die Elbe Flugzeugwerke GmbH haben in der Region bereits in zwei Fabriken im Gewerbegebiet Kodersdorf investiert. Bei CCI Assembly werden verschiedene Elemente für den Innenausbau von Airbus-Maschinen hergestellt. Bei Acosa, wo man Ende März mit der Fertigung beginnen will, entstehen künftig Verkleidungen für Frachträume, Kabinen und den Cargo-Bereich. In Dresden beschäftigen die Flugzeugwerke über 1 500 Mitarbeiter, bei CCI Assembly sind es rund 100 und bei Acosa werden es bis zur Jahresmitte 2018 etwa 130 sein.