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Neue Details zum Messervorfall

Nun äußert sich auch die Polizei zum Vorfall. Der Schulleiter verteidigt sich – und fühlt sich missverstanden.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Meißen. Was ist genau passiert zwischen mehreren Siebtklässlern auf dem Rückweg vom Sportunterricht im Heiligen Grund? Zwei Wochen nach dem Vorfall an der Pestalozzi-Oberschule, bei dem ein Cuttermesser zum Einsatz gekommen sein soll, unterscheiden sich die Aussagen der Akteure. Die SZ hat bei Polizei und Schulleitung nachgefragt, welche Erkenntnisse es bisher gibt.

Nach Aussage von Polizeisprecher Thomas Geithner gab es nach derzeitigem Stand am 28. Oktober eine Auseinandersetzung zwischen insgesamt vier Schülern, darunter zwei Syrer im Alter von 12 und 13 Jahren. „Es begann mit Schubsereien und endete in einer umgangssprachlichen ’Schulhofkeilerei’“, sagt Geithner. Der konkrete Auslöser und wer angefangen habe, sei unklar. „Nachdem Mitschüler geschlichtet hatten, soll einer der beiden Syrer ein Cuttermesser vorgezeigt haben“, so Geithner weiter. Bezüglich des Messers gebe es allerdings widersprüchliche Aussagen der bislang Befragten. Die Schüler hätten daraufhin den Lehrer informiert. Ein Messer konnte von der Polizei später nicht gefunden werden. „Die einzige (leichte) Verletzung, die uns bekannt ist, sind Schürfwunden bei einem der deutschen Schüler“, so Geithner.

Im Polizeirevier Meißen habe ein deutscher Schüler am Nachmittag des 28. Oktobers zusammen mit seiner Mutter Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Die Ermittlungen dauerten an. Eine Anzeige gegen die Schulleitung sei der Polizei nicht bekannt, so Geithner.

Diese war durch späte Information über den Vorfall in Kritik geraten. Im Gespräch mit der SZ verteidigt Schulleiter Lutz Jacob sein Handeln. Eine Informationsveranstaltung für die Eltern habe es erst 11 Tage später gegeben, weil der Sachverhalt zunächst mit Schülern, Lehrern und anderen Beteiligten geklärt werden musste. „Die Zeit muss man uns schon lassen.“

Jacob weist auch den Vorwurf von sich, die Eltern hätten zuvor nichts von der Auseinandersetzung gewusst. “Sie waren informiert, es ist eine Lüge, dass sie nichts gewusst hätten und auch nicht wussten, dass wir uns darum kümmern“, sagt er. Einen offiziellen Elternbrief habe es jedoch nicht gegeben, stattdessen hätten sich die Eltern untereinander informiert und zusammen mit Lehrern verschiedene Medien genutzt.

Seine Schule tue vieles, um die Schüler nun zu schützen, beispielsweise würden sie bis auf Weiteres von einem Mitarbeiter der Schule auf dem Weg zum Sportunterricht und zurück begleitet. „Wir haben auch mit Bürgerpolizisten Kontakt aufgenommen“, so Jacob. „Die waren schon in der Schule und werden uns durch verschiedene Maßnahmen unterstützen.“ An der Oberschule gebe es interne Gewaltprävention bereits seit Jahren, in dieser Woche sei beispielsweise das Thema Drogenprävention in den siebten Klassen dran.

Schulleiter Jacob hält das ganze Thema – das unter anderem auch von der rechten Initiative Meißner Wellenlänge für Stimmungsmache gegen Flüchtlinge missbraucht wird – für übertrieben. „Das ist hochgebauscht nach meiner Sicht.“ Er verteidigt eine Aussage von sich, die in sozialen Netzwerken die Runde macht und gerne als Indiz dafür genommen wird, dass der Schulleiter den Vorfall verharmlose: Ein Messer ist keine Waffe. „Ein Messer ist auch keine Waffe“, bekräftigt Jacob, „und ein Cuttermesser ist sowieso ein Werkzeug. Dass es aber als Waffe missbraucht werden kann, wissen Sie so gut wie ich.“ Insofern sei er schlicht missverstanden worden. „Wir haben alles getan, was schulischerseits möglich war.“ Der Schüler, der das Messer gezogen haben soll, nehme nach einem klärenden Gespräch mittlerweile wieder am Unterricht teil, wie es das Schulgesetz vorsehe.

Auch Polizeisprecher Thomas Geithner verteidigt seine Arbeit: „Um die Frage gleich vorwegzunehmen, warum die Polizei den Sachverhalt nicht vermeldet hat: Alle beteiligten Personen sind Kinder und damit strafunmündig. Sie stehen unter besonderem Schutz. Zeugen werden nicht benötigt, da mehrere Schüler die Auseinandersetzung verfolgten.“ Die erlittenen Schürfwunden als Folge des Streits seien gering. „Es ist der erste Sachverhalt, der uns an der Schule bekannt wurde. In der Summe kommt es für unsere tägliche Meldung damit nicht infrage.“ Anfragen zum Vorfall beantworte die Polizei jederzeit.

„Wir haben eher die Sorge“, fügt Geithner an, „dass dieser Sachverhalt derzeit instrumentalisiert wird, um die Menschen/Eltern zu verunsichern, um bislang uns unbekannte Spannungen zwischen deutschen und ausländischen Schülern an dieser Schule zu provozieren.“