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Neue Ermittlungen gegen Steinbruch

Die Staatsanwaltschaft rollt den Fall um unerlaubt abgeleitetes saures Wasser wieder auf. Doch wie sieht es mit Beweisen aus?

© Archiv/Klaus-Dieter Brühl

Von Jörg Richter

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Brößnitz. Mehrere Mitglieder des ehemaligen Gemeinderates Weißig am Raschütz sind jetzt ins Polizeirevier nach Meißen eingeladen worden. Dort sollen sie von der Staatsanwaltschaft zum Thema Steinbruch Brößnitz befragt worden sein. Das bestätigen mehrere Einwohner aus dem heutigen Gemeindegebiet Lampertswalde.

Mehrere Zeugen aus Brößnitz und Umgebung wurden jetzt ins Polizeirevier Meißen eingeladen. © Archiv/Claudia Hübschmann

Es geht erneut um den Vorwurf, dass die Steinbruch-Firma viele Jahre lang unbemerkt Grubenwasser in die benachbarten Teiche, die Kasseln, abgeleitet haben soll. Dabei soll es sich um sogenanntes saures Wasser handeln, das zudem Schwermetalle enthalte, sagt der in Brößnitz ansässige Umweltverein Sächsisch-Brandenburger Höhenzug.

Dieser Verein, der auch zum deutschlandweit agierenden Umweltverband BUND gehört, hatte vor drei Jahren ein erstes gerichtliches Verfahren gegen den Steinbruch angeschoben. Das ließ die Staatsanwaltschaft Dresden allerdings im März 2017 fallen. Denn ein vom Oberbergamt Sachsen beauftragtes hydrologisches Gutachten ergab, „dass die Wässer diffus aus dem Betriebsgelände ausgetreten sind“, heißt es in einer Stellungnahme des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Und weiter: „Somit kann nicht von einer vorsätzlichen Ableitung des Grubenwassers in die Tagebauumgebung ausgegangen werden.“ Außerdem habe das Gutachten keinen Aufschluss darüber gegeben, ob das Flächennaturdenkmal (FND) Kasseln überhaupt geschädigt wurde.

Dagegen regt sich Widerstand beim Umweltverein Sächsisch-Brandenburger Höhenzug. Er bemängelt auch die Art und Weise, wie das erste Verfahren gegen den Steinbruch Brößnitz geführt wurde. „Es sind nicht wirklich Zeugen befragt worden“, kritisiert der Vereinsvorsitzende Matthias Pötig. Deshalb haben die Umweltaktivisten Beschwerde beim Oberstaatsanwalt in Dresden eingelegt. Mit Erfolg, wie nun die Zeugenbefragungen bei der Kripo in Meißen belegen. Doch ob sie tatsächlich neue Erkenntnisse liefern, bleibt abzuwarten. Wie einer der vermeintlichen Zeugen der SZ bestätigte, seien die Fragen ziemlich unkonkret gewesen. Die Staatsanwaltschaft habe lediglich gefragt, ob die Befragten etwas Sachdienliches zum Thema aussagen könnten. Das musste dieser Zeuge allerdings verneinen.

Ganz im Gegenteil zu Sven Wiedemann-Schulze, dem Pressesprecher des Brößnitzer Umweltvereins. Er gehörte zum ehemaligen Weißiger Gemeinderat und berichtet von einer Betriebsführung im Steinbruch mit Kaffee und Kuchen. Dabei habe er die drei Absatzbecken gesehen, wo sich das saure Wasser ansammelte. Was für die Staatsanwaltschaft interessanter sein dürfte, sei allerdings ein Überlauf am Damm, den er gesehen haben will. Allerdings kann er diesen Überlauf nicht mit Fotos nachweisen. „Da haben wir ja noch nicht geahnt, wofür der vorgesehen war“, so Wiedemann-Schulze. Heute ärgert er sich, diesen Überlauf nicht fotografiert zu haben. Das wäre wohl der entscheidende Beweis auf eine bewusste Entsorgung des sauren Wassers durch den damaligen Grauwackesteinbruch Flechtingen. Die Firma heißt mittlerweile Matthäi Rohstoff GmbH & Co. KG. Dessen Betriebsleiterin Kathrin Klandt sagt: „Wir kennen derzeit keinen neuen Verfahrensstand.“ Das überlasse das Unternehmen seinen Anwälten. „Mit Blick auf das laufende Verfahren können wir dazu gegenwärtig keinen weiteren Kommentar abgeben“, so Kathrin Klandt.

Das saure Wasser, das sich nach wie vor im Steinbruch ansammelt, lässt die Firma mittlerweile abtransportieren. Zwei Tanker fahren täglich jeweils viermal zur Kläranlage Meißen, unterhalb von Zadel, haben die Umweltschützer beobachtet. Doch auch dagegen haben sie etwas. Es könne schließlich nicht sein, dass ein Problem durch ein neues Problem gelöst würde. Das schwermetallbelastete Grubenwasser aufbereitet in die Elbe zu leiten, sei keine Lösung.