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Neue Freunde

Die Sorge um eine sichere Energieversorgung wird das politische Bild in den nächsten Jahren tiefgreifender verändern, als wir heute ahnen. Gas und Öl sind das Kapital der Zukunft, das gewaltige Verschiebungen mit sich bringen wird.

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Von Detlef Drewesüber die Abhängigkeit der EU von Energie

Die Sorge um eine sichere Energieversorgung wird das politische Bild in den nächsten Jahren tiefgreifender verändern, als wir heute ahnen. Gas und Öl sind das Kapital der Zukunft, das gewaltige Verschiebungen mit sich bringen wird. Europa wird Allianzen schmieden und Partnerschaften eingehen müssen, die heute noch unvorstellbar sind. Ohne belastbare Zukunftskonzepte sind wir von unsicheren Staaten wie Venezuela oder Iran abhängig. Zumindest die Möglichkeit politischer Erpressbarkeit kann niemand ernsthaft verleugnen.

Wie groß die Abhängigkeit aber von denen ist, die unsere Energiezukunft bedeuten, zeigt die Begegnung mit dem russischen Präsidenten Putin beim Gipfel in Finnland. Natürlich kann Europa mit harten Euros winken, aber das dringend benötigte Geld bekäme Moskau auch von anderen – politisch willfährigeren? – Kunden.

Die EU hat keine Wahl. Sie muss Russland ebenso wie Afrika oder den Iran, Libyen genauso wie Saudi-Arabien in Allianzen einbinden, bei denen die Energie eine von vielen Seiten ist. Der „alte Kontinent“ braucht neue Freunde, von denen er nicht nur abhängig ist, sondern denen er auch etwas anbieten kann. Vor diesem Hintergrund sollte die EU-kritische Öffentlichkeit manche Erweiterung und die ein oder andere freundschaftliche Umarmung im Rahmen der erweiterten Nachbarschaftspolitik in einem neuen Licht betrachten.