Von Alexander Schneider
Er sagte es beiläufig und doch lässt die Bemerkung tief blicken: „Es gibt einen bescheidenen Tourismus, die neue Technik löst Neid aus“, so Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll gestern bei der Vorstellung des neuen Führungs- und Lagezentrums der Polizeidirektion (PD) in der Schießgasse. Er untertreibt. Die Kollegen, bei Weitem nicht allein Dresdner Polizisten, bekommen lange Hälse und große Augen, wenn sie zum ersten Mal das Herz der Direktion betreten.
Von dem Großraumbüro im zweiten Stock werden seit einer Woche wieder alle Notrufe im Bereich der PD Dresden disponiert – dazu zählen neben der Stadt die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen. Mehr als eine Million Menschen leben in dem Gebiet zwischen der brandenburgischen Landes- und der tschechischen Staatsgrenze.
Für ihre Sicherheit sorgen in Notlagen als erste Ansprechpartner zehn Beamte im neuen Führungs- und Lagezentrum (FLZ). „Der Schlüssel ist ein Mitarbeiter für 100 000 Einwohner. Das hat sich bewährt“, sagte Wolfgang Eichler, der Chef des FLZ. Verkehrsunfälle, nächtlicher Lärm, Raubüberfälle, Schlägereien und alles andere, was die Hilfe der Polizei erfordert – der Alarm landet zunächst bei Eichlers Leuten.
Zehn Disponenten und ein Polizeiführer vom Dienst sind hier rund um die Uhr im Dienst. Täglich kommen etwa 376 Notrufe an, 137 000 im Jahr. Hinzu kommen etwa 28 000 Verkehrsunfälle – etwa zwei Drittel davon entfallen auf die Großstadt, ein Drittel auf die Landkreise. Auf vier Monitoren kann jeder Beamte die Lage verfolgen. Er hat den Überblick über die Funkstreifen, weiß, welche Kräfte verfügbar sind, und hat einen kurzen Draht zu den Kollegen. Bei besonderen Lagen, etwa der Fahndung nach einem flüchtenden Täter, können die Beamten sich auf einem großen Monitor die Umgebung anzeigen lassen und so die Kollegen draußen besser führen.
So viel zum Äußeren. Das wirklich Neue ist unsichtbar. „Die gesamte sächsische Polizei ist nun an den Digitalfunk angeschlossen“, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) bei der gestrigen Vorstellung der Großleitstelle. Streifenwagenbesatzungen erhalten ihren nächsten Auftrag per Textmitteilung auf ihren Monitor und ans Navigationssystem in ihrem Fahrzeug – auch das verkürzt Einsatzzeiten. Die Streifenwagen werden per Satellit geortet und auf Landkarten dargestellt. Die Beamten sehen sofort, von wo ein Notruf eingeht. Die Technik erkennt, wenn mehrere Alarmierungen zum selben Ereignis eingehen. „Alt“ ist eigentlich nur ein analoges Faxgerät, auf dem die Beamten etwa für gehörlose Menschen erreichbar bleiben.
In nur neun Monaten wurde die neue Technik unter der Federführung des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements in der Schießgasse eingerichtet – Mauern wurden abgerissen, kilometerlange Kabel gezogen und manchmal gleichzeitig die neue Technik installiert. Knapp zwei Millionen Euro hat sich der Freistaat das kosten lassen. Das G7-Finanzministertreffen habe den Druck erhöht und die Bauarbeiten beschleunigt, so Ulbig. Er lobte das SIB und sagte, es sei nicht gewöhnlich, eine solche Maßnahme in so kurzer Zeit umzusetzen.
Während das erst zehn Jahre alte frühere FLZ im ersten Stock der Schießgasse nun verschwindet, gibt es noch ein weiteres, deutlich jüngeres, in der Stauffenbergallee. Dort saß die Landkreis-PD vor der Fusion mit der Dresdner Direktion 2012. Diese Technik dient nun als „Rückfallebene“ und steht für besondere Einsätze weiterhin zur Verfügung, sagte Minister Ulbig.