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Neue Hebammenpraxis in Neustadt

Trotz aller Widrigkeiten eröffnet Alice Fischer eine Praxis in der Bahnhofstraße. Sie wird gebraucht, sagt die 24-Jährige.

© Dirk Zschiedrich

Von Nancy Riegel

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Zu Hause ist es doch am schönsten 

Kein Interesse mehr am Pendeln und stattdessen Lust, wieder in die alte Heimat zu ziehen? Dann könnte die Heimkehrerbörse der Weg zurück sein!

Neustadt. Das Wort „geschlossen“ kennt Alice Fischer nur zu gut. Sie hat es in ihrer kurzen Laufbahn als Hebamme schon zweimal gehört. Die 24-Jährige aus Neustadt lernte auf der Geburtenstation im Sebnitzer Krankenhaus, als diese geschlossen wurde. Zuletzt war ihr Arbeitgeber die Klinik in Bischofswerda. Doch auch hier werden seit einigen Wochen keine Babys mehr zur Welt gebracht. Dann eben etwas Eigenes, denkt sich die junge Frau und eröffnet eine Hebammenpraxis in Neustadt.

Die befindet sich im ehemaligen Frisörladen auf der Bahnhofstraße. Wer sich einen Blick durchs Schaufenster erhofft, der sieht zurzeit nur eine milchige Folie. Doch dahinter herrscht geschäftiges Treiben. Die ganze Familie packt an, damit sich Alice Fischer bald um werdende und frischgebackene Mütter kümmern kann. „Ich streich nur noch fix das Regal fertig“, sagt ihr 15-jähriger Bruder Jonas, bevor er seiner Schwester für das Foto die Malerrolle übergibt. Auch die Mutter der jungen Hebamme, ihr Vater und ihr Lebensgefährte räumen, putzen und bauen mit. Und dann sind da noch die beiden Töchter von Alice, die neugierig auf der Fensterbank sitzen und sich über die Tüte Gummibärchen auf dem Malertisch freuen. Jamie ist zwölf Jahre alt und stammt aus der früheren Beziehung von Alices Lebensgefährten. Gemeinsam haben sie die kleine Rosalie.

Jede helfende Hand wird gebraucht, damit die Praxis am 3. März ihre Türen öffnen kann. Entstehen soll bis dahin ein großer Gymnastikraum, in dem die Vorbereitungskurse für werdende Mütter stattfinden sollen sowie die Sportkurse zur Rückbildungsgymnastik und die Babymassage. Daneben befindet sich ein kleineres Praxiszimmer mit einer Untersuchungsliege und es entsteht ein gemütlicher Eingangsbereich mit Sitzecke. „Dort könnte beispielsweise das Stillcafé stattfinden“, sagt Alice. Sie überlegt auch, eine Krabbelgruppe anzubieten sowie Kurse zum Kochen von Babybrei – je nach Nachfrage. Die 24-Jährige richtet sich in den Räumen noch ein kleines Büro ein, die Teeküche ist vom Vormieter übernommen. „Kleines Wunder“ nennt Alice Fischer ihre Hebammenpraxis.

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist immer ein großer, noch unwegsamer ist er für den Berufsstand der Hebammen. In den letzten Jahren haben sich laut Berufsverband die die Haftpflichtversicherungsprämien für Hebammen, die freiberuflich Geburtshilfe anbieten, mehr als verzehnfacht und liegen bei über 7 000 Euro im Jahr. „Ich werde deshalb nur die Vor- und Nachsorge anbieten“, sagt die Neustädterin. Aber auch dafür sei die Nachfrage in der Region enorm, das habe sie mitbekommen, als sie Praktikum in einer Praxis in Bischofswerda gemacht habe. „Und schon jetzt habe ich erste Anfragen bekommen, von Frauen, die meinen Flyer gesehen haben.“

Darüber freut sich die junge Frau, die im August 2017 ihre Ausbildung am Universitätsklinikum in Dresden erfolgreich beendete und danach im Krankenhaus Bischofswerda arbeitete. Nach der Schließung der dortigen Geburtenstation ist sie nun wieder im Krankenhaus in Dresden angestellt. Und dort wird sie vorläufig auch erst einmal weiter bleiben und die Praxis in Neustadt nebenbei betreiben. „Ich hoffe natürlich, dass ich irgendwann hauptberuflich in Neustadt arbeiten kann“, sagt die zierliche Blondine. „Als Hebamme im Krankenhaus hat man leider nur wenig Kontakt zu den Müttern.“ Die Frauen bleiben meist nur wenige Tage auf Station und die Hebammen betreuen sie im Schichtdienst. Dabei ist die intensive Versorgung von Müttern das, was Alice Fischer am wichtigsten ist. „So war es auch bei mir selbst“, sagt die 24-Jährige und nimmt die kleine Rosalie auf den Arm.

Bahnhofstraße 10, Neustadt; Tel. 0152 22546616; [email protected]