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Neue Heimat Dresden

Khaled Al-Abbas kommt aus Syrien. Er will nicht nur für sich selbst sorgen. Dafür hat er nun einen zweiten Job angenommen.

© Christian Juppe

Von Annechristin Bonß

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Frisches Lamm mariniert mit orientalischen Gewürzen, gefüllte Weinblätter, Kichererbsenpüree oder Reis mit getrocknetem Gemüse – was sich nach der Speisekarte in einem Restaurant für 1 001 Nacht anhört, ist der Inhalt in den Regalen und den Kühltheken im neuen Lebensmittelgeschäft direkt am Pirnaischen Platz. Vor wenigen Tagen hat Khaled Al-Abbas sein Geschäft „Jasmina“ eröffnet. In dem Laden gegenüber dem Gewandhaus-Hotel hat es bisher auf zwei Etagen ein Reisebüro gegeben. Nun sollen Passanten hier den etwas anderen Supermarkt finden. Einen, der kulinarisch in den Nahen Osten führt.

Für den Besitzer sind die Lebensmittel nicht nur Teil seiner alten Heimat. Sie sind Teil seines Plans in seiner neuen Heimat. Im Juni 2012 kam der 27-Jährige nach Deutschland. Seine alte Heimat in Ost-Syrien, Deirezzor, hatte er verlassen müssen. Er hatte Pharmazie studiert. Doch der syrische Geheimdienst fahndete nach ihm. Khaled Al-Abbas hatte über den Krieg und die Gräueltaten gegen die Menschen berichtet. Das gefiel wohl nicht jedem. Angekommen in Deutschland wollte der junge Mann sein Studium fortsetzen. Das jedoch war nicht einfach. Zwei Jahre lang lernte er zunächst die deutsche Sprache. Dann startete er eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei der Telekom. Dort arbeitet er seit Januar fest angestellt in der Systemintegration. Stolz erzählt er von seinem Erfolg auf seiner Internetseite.

Warum dann nun ein eigener Laden? „Ich möchte nicht nur für meinen Lebensunterhalt sorgen“, sagt er. Seine Eltern leben im fernen Dubai. Mutter und Vater sind 65 Jahre alt. Der junge Syrer möchte sie gern bei sich haben, möchte sich um sie kümmern. Seine Geschwister leben in Ungarn und Deutschland. Nur die Schwester ist ebenfalls in Dresden. „Ich möchte so viel verdienen, dass meine Eltern auch hier leben können“, sagt er.

Schon während der Ausbildung hat er deshalb Nebenjobs gehabt und viel gespart. Ein Arbeitstag mit mehr als zwölf Stunden und die Schicht im Laden nach dem ersten Feierabend sind kein Problem für ihn. Zudem hat er Aushilfen eingestellt, die sich vormittags um das Geschäft kümmern. Die Waren kommen aus der Türkei und von Großhändlern in Berlin und den Niederlanden. Die wiederum beziehen die Lebensmittel aus Syrien und Jordanien.

Vieles in dem Geschäft ist in Dosen oder Gläsern verpackt. Es gibt eingelegtes Gemüse, Aufschnitt in der Dose, Oliven und scharfe Paprikapaste. Dazu säckeweise Reis. Auch getrocknetes Gemüse und Falafelmasse gibt es hier. Bald will der Geschäftsmann auch frisches Gemüse anbieten. Fleischwaren werden halal verkauft. Das Wort bezeichnet im Islam erlaubte Lebensmittel. Muslimen ist es untersagt, Schweinefleisch oder Produkte, die aus Schweinefleisch hergestellt sind, zu essen. Das wissen auch die Produzenten der Lebensmittel. Wenn halal auf der Verpackung steht, ist die Nachfrage größer: „Das ist, wie wenn in Deutschland bio auf der Packung steht“, sagt Khaled Al-Abbas. Angst, dass ihm die Kundschaft ausbleibt, hat er nicht. Auch, wenn sein Laden nicht in erster Reihe am Pirnaischen Platz ist. Die Gemeinschaft der Muslime halte zusammen, sagt er. Tatsächlich haben bereits über 10 000 Menschen die Facebook-Seite für das Geschäft abonniert. Dort verfolgen sie aktuelle Angebote. Und geben viel Lob ab.

Auf der Suche nach dem Glück

Das allein reicht dem Besitzer aber nicht. Er hat Hunderte Flyer verteilt und eine Anzeige im Fahrgast-Fernsehen in den Straßenbahnen geschaltet. Auch von der nahen Haltestelle am Pirnaischen Platz erhofft er sich viel. Die Laufkundschaft von dort soll zu ihm finden, auch abends. Das Jasmina ist deshalb Montag bis Sonnabend bis 22 Uhr geöffnet.

Khaled Al-Abbas ist angekommen in seiner neuen Heimat. Er weiß, worauf es ankommt, wenn er als Geschäftsmann erfolgreich sein will. „Sauberkeit und Freundlichkeit sind mir sehr wichtig“, sagt er. So informieren er und die Mitarbeiter gern über einzelne Produkte. Rezeptideen hängen an Postern im Geschäft. Für die Fleischtheke hat er ein extra Gerät angeschafft, in dem die Messer speziell desinfiziert werden, bevor die Verkäufer damit Fleisch zuschneiden. „In Syrien wird sehr viel Fleisch gegessen, jeden Tag“, sagt er. Deshalb hat er ein solch großes Angebot. Gern würde er auch am Sonntag Fleisch verkaufen. So, wie es in seiner alten Heimat üblich ist. Doch dafür gibt es klare Regeln. „An die halte ich mich“, sagt er. „Deutschland ist ein Land mit sehr vielen Gesetzen und Regeln und auch wenn das manchmal vieles kompliziert macht, so öffnet es die Möglichkeit, in Frieden und Glück miteinander zu leben.“

Orientalische Lebensmittel „Jasmina“, Ringstraße 5, geöffnet Montag bis Sonnabend jeweils 10 bis 22 Uhr.