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Neue Herren fürs Herrenhaus

Die Stadt Pulsnitz verkauft den Bau an der Robert-Koch-Straße. Geplant sind Wohnungen. Ebenso wie gegenüber in der alten Schule.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

Pulsnitz. Graue Fassaden gibt es an der Robert-Koch-Straße im Pulsnitzer Stadtzentrum noch einige. In den Bereich mit dem Herrenhausplatz und der alten Schule gegenüber kommt jetzt Bewegung. Und damit zugleich in Gebäude, die für das Stadtbild wichtig sind. An der alten Schule haben die Bauleute begonnen, das Gerüst zur Straße zu montieren. Auf der Rückseite zum Kirchplatz ist schon mehr vom Baugeschehen zu sehen. Eigentümer ist der Dresdner Handwerker und Dachdeckermeister Falk Schelzel. Er hatte bereits im Vorjahr angekündigt, bald loslegen zu wollen. Das wird jetzt sichtbar.

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An der alten Schule haben die Arbeiten bereits begonnen.
An der alten Schule haben die Arbeiten bereits begonnen. © Matthias Schumann

Eigentümer ist der Handwerker schon länger. Die günstigen Zinsen machen das Bauen jetzt attraktiv. Zumal die Sanierung des fast 200 Jahre alten Gebäudes auch noch mit 74 000 Euro an Fördermitteln vom Staat unterstützt wird. Darin ist auch ein Anteil der Stadt, die ein Interesse daran hat, dass die grauen Fassaden sukzessive verschwinden. Für die Förderung gibt es Gründe. Das Gebäude gehört zu den Kulturdenkmalen der Stadt. Entstehen sollen zehn moderne Wohnungen.

Jahrelanger Dämmerzustand

Zu den grauen Fassaden gehört auch das Herrenhaus gegenüber. Das Gebäude dämmert schon seit Jahren vor sich hin. Zuletzt gehörte das Areal, das sich Richtung Schlossteich zieht, Mario Freiherr von Maltzahn. Der ist bekannt vom Bau seines Schlosses in Leppersdorf. Das Herrenhaus brachte er allerdings nicht voran und verkaufte es wieder: Das viergeschossige Wohnhaus im Ortskern von Pulsnitz, so war in der Anzeige nachzulesen, verfüge über 549 Quadratmeter Wohnfläche und neun Wohnungen. Das Objekt sei unsaniert, stehe leer und noch dazu unter Denkmalschutz. Fachleute schätzen das Gebäude auf ein Alter von etwa 120 Jahre und mit einigem Investitionsbedarf. Mit dem Verkauf rückt jetzt auch hier die Sanierung in greifbare Nähe. Im Vorjahr hatte sich die Stadt das Gebäude per Vorkaufsrecht vom Freiherren gesichert, um mögliche Nachteile für die Stadt zu verhindern. So wollte die Stadt den Verkauf gern selbst in die Hand nehmen und verhindern, dass so ein wichtiges Gebäude verfalle. Auflagen sollen sichern, dass in einem bestimmten Zeitrahmen saniert wird.

Außerdem geht es der Stadt um den Herrenhausplatz mit einigen Parkflächen und um das öffentliche WC an der Wittgensteiner Straße im hinteren Teil des Geländes. Diese Fläche will die Stadt für sich beanspruchen.

Kleiner Gewinn für die Stadtkasse

Einen zuverlässigen Käufer habe die Stadt jetzt gefunden. Der habe schon mit anderen Projekten in der Stadt bewiesen, dass er kompetent sei, wie mit der alten Schule auf der Schulstraße. Der Name sei noch Verschlusssache. Drei Angebote habe es insgesamt gegeben. Das Beste mit 106 000 Euro nahm die Stadt an. Der Pulsnitzer Stadtrat gab jetzt grünes Licht für den Verkauf an den Bieter. Das ist eine Investorengemeinschaft aus Pulsnitz und Umgebung. Wenn der Notarvertrag unterschrieben ist, wollen sich die Investoren gern vorstellen, bis dahin aber noch im Hintergrund bleiben. Wohnungen planen sie in den oberen Etagen. Im Erdgeschoss könnten sie sich auch gut Gewerbe oder eine Arztpraxis vorstellen.

Die Stadt kann ihrerseits zufrieden sein. Den Kaufpreis von knapp 100 000 Euro gegengerechnet, bleibe sogar noch ein kleiner Gewinn für die Stadtkasse. Die genaue Vermessung stehe noch aus, heißt es. Stadträte hatten noch die eine oder andere Ecke entdeckt, die für die Stadt interessant sein könnte. Auch müsse der Zugang zum Schlossteich gesichert sein. Das sei er, so Bürgermeisterin Barbara Lüke. Sie stellte zugleich klar, dass das Grundstück auch attraktiv für den Käufer bleiben müsse. Er brauche zudem Platz, um seinen künftigen Mietern etwas zu bieten, eine Sitzecke vielleicht und Pkw-Stellplätze.

Es sei eine gute Entscheidung gewesen, das Grundstück als Stadt zu erwerben, so Barbara Lüke. Das eröffne die gute Chance, dass es nicht ewig eine Ruine bleibt.

Im Besitz der Kommune war es im Übrigen schon einmal – bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft. Die musste es aber Mitte des vorigen Jahrzehnts verkaufen, als die Pulsnitzer SWG in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Nun verkauft die Stadt das Herrenhaus quasi schon zum zweiten Mal innerhalb von ein paar Jahren.