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Neue Hoffnung für Brache am Großen Garten

Mehrere Architekten haben Entwürfe für die triste Freifläche vorgelegt. Die Stadt hat auch schon einen Favoriten.

© André Wirsig

Von Tobias Hoeflich

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Wucherndes Gestrüpp, herumliegende Mülltüten, marode Garagen: Die Fläche südlich des Lennéplatzes bietet einen trostlosen Anblick. Zwischen Wiener, Gellert- und Gerhart-Hauptmann-Straße tut sich seit Jahren nichts – trotz bester Lage am Großen Garten. Das Rathaus will den Zustand nicht länger hinnehmen und sucht mit den Grundstücksinhabern nach Wegen aus der Tristesse. Ein Quartier Lennépark soll auf den gut 53.000 Quadratmetern entstehen. Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu nehmen.

Der Gewinnerentwurf: Ein hohes Haus (Bildmitte) an der Ecke Gellertstraße/Lennéplatz könnte das künftige Quartier auch stadtweit sichtbar machen. Visualisierung: Team 51,5° Architekten
Der Gewinnerentwurf: Ein hohes Haus (Bildmitte) an der Ecke Gellertstraße/Lennéplatz könnte das künftige Quartier auch stadtweit sichtbar machen. Visualisierung: Team 51,5° Architekten

Wem gehören die Grundstücke auf dem Gelände?

Das Areal ist in zwölf Grundstücke gegliedert und unter drei Eigentümergemeinschaften aufgeteilt. Sie sind überwiegend Nachkommen der einstigen Eigner. Die Einteilung geht auf die gründerzeitliche Grundstücksbildung zurück, erklärt Dresdens Baubürgermeister Jörn Marx (CDU).

Was für Häuser hat es früher auf dem Gelände gegeben?

Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine. „Auf einem Stadtplan von 1855 ist nur landwirtschaftliche Fläche zu sehen“, so Marx. Mit Beginn der Gründerzeit breitete sich Dresden immer weiter aus. Ende der 1870er-Jahre erhoben sich auf dem Areal die ersten Villen. Ein gutes Dutzend Gründerzeithäuser schmückte fortan die Straßen. Zu den markantesten zählte die Villa Parkstraße 9 (heute Lennéplatz) mit ihrer Sandsteinfassade und Aussichtsplattform auf dem Dach. Geplant hatte sie der Architekt Alfred Hauschild, der auch das einstige Carola-Krankenhaus an der Gerokstraße und den Ausstellungspalast an der Stübelallee entwarf. Heute hat dort die Gläserne Manufaktur ihren Sitz. Die Bombenangriffe der Alliierten 1945 zerstörten die Villen. Kärgliche Mauerreste zeugen noch davon.

Wie will die Stadt jetzt die Bebauung vorantreiben?

Das Rathaus steht seit Jahren mit den Grundstückseignern in Kontakt. „Beide Seiten haben Interesse an der Entwicklung dieser prägnanten innerstädtischen Fläche“, so Marx. Aus dem Jahr 2000 hat es sogar einen Bebauungsplan für das Gelände gegeben. Bis heute ist der jedoch nicht umgesetzt worden – und die Beteiligten sehen auch keine Chancen mehr für das damals beschlossene Konzept. Im Herbst 2013 hat die Stadt sieben Architekturbüros damit beauftragt, ein neues Konzept für die künftige Nutzung des Geländes auszuarbeiten.

Warum sind die ursprünglichen Pläne für das Areal gescheitert?

Vor allem die Höhe der geplanten Gebäude und deren Architektur hatten jahrelang für Streit gesorgt. Seit Anfang der 1990er-Jahre stand ein mögliches Lennéparkzentrum zur Debatte, das den Grundstücksbesitzern vorschwebte. Für 400 Millionen Mark sollten auf der Brachfläche Hotel, Büros, Wohnungen, Läden und Arbeitsplätze für bis zu 2.500 Leute entstehen, einen Großteil der Kosten hätte VW übernommen. Doch besonders ein geplanter Büroturm von 90 Meter Höhe stieß auf Protest. Nach mehrfachen Debatten und über 30 Änderungswünschen hatte die Stadt zwar einen Bebauungsplan beschlossen. Inzwischen waren viele der möglichen Nutzer aber abgesprungen.

Wie sehen die neuen Pläne für die Freifläche aus?

Der Entwurf der Wuppertaler Architekten „51,5 Grad“ hat sich nun nach mehrwöchiger Beratung bei Stadt und Grundstückseigentümern durchgesetzt. Die Gebäude sollen sich an der Architektur im Umfeld orientieren. „Solche großen Einfamilienhäuser wie vor 1945 werden auf so einem Grundstück natürlich nicht wieder entstehen“, erläutert Diplom-Architekt Swen Geiss seinen Entwurf. Er plädiert für fünf moderne Häuser mit bis zu sechs Etagen und einem großen Innenhof. Ein Mix aus Wohnen, Kultur und Handel schwebt dem Gewinnerteam vor.

Müssten Tankstelle und Garagen den Plänen weichen?

Die Tankstelle und die Waschanlage auf dem Gelände sollen mittelfristig erhalten werden, sagt der Baubürgermeister. Langfristig könnten sie aber auch weichen: In den Entwürfen der Architekturbüros finden sich auch Varianten, die nicht vom Fortbestand ausgehen. Die Garagen sowie Mauerreste der einstigen Häuser sollen abgerissen werden.

Wann könnte der Bau auf dem Gelände starten?

Das lässt sich noch nicht abschätzen. Die Finanzierung muss geklärt, Gutachten und Anwohnermeinungen eingeholt werden. An dem Gewinnerentwurf von „51,5 Grad“ soll zunächst gefeilt werden. Ist dieser ausgereift und weiterentwickelt, soll es einen neuen Bebauungsplan geben.