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Neue Hoffnung für den Fernsehturm

In einer Internet-Petition fordern fast 12.000 Unterzeichner die Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturms. Doch eine unterzeichnungsfreudige Netzgemeinde bringt noch lange keinen zahlungswilligen Investor nach Wachwitz.

© dpa

Von Tobias Hoeflich

Die Dresdner wollen den Leerstand des Fernsehturms nicht länger hinnehmen. Mit einer Petition soll Druck auf die Stadt ausgeübt werden, sich aktiver für eine Wiedereröffnung des 252 Meter hohen Wachwitzer Wahrzeichens einzusetzen. Gestartet hat sie die Pirnaerin Janett Burckhardt im vergangenen August. 11.642 Bürger haben die kürzlich beendete Petition unterzeichnet. Was fehlt, ist ein Investor für den 1991 geschlossenen Besucherbereich samt Aussichtsplattform und Turmcafé. Wo einst auf einer Höhe von etwa 150 Metern mehr als 130 Besucher Platz fanden, herrscht inzwischen triste Leere.

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132 Gäste konnten einst im Turmrestaurant speisen. Hinauf führten 752 Treppenstufen und zwei Aufzüge.
132 Gäste konnten einst im Turmrestaurant speisen. Hinauf führten 752 Treppenstufen und zwei Aufzüge. © Ullrich Hässler
132 Gäste konnten einst im Turmrestaurant speisen. Hinauf führten 752 Treppenstufen und zwei Aufzüge.
132 Gäste konnten einst im Turmrestaurant speisen. Hinauf führten 752 Treppenstufen und zwei Aufzüge. © Ullrich Hässler

Sicher ist: Die Deutsche Telekom als Eigentümer hat nichts gegen eine touristische Nutzung des 1969 eröffneten Turmes, wie es sie einst gegeben hat. Deren Tochterunternehmen, die Deutsche Funkturm GmbH, betreibt den Turm. „Aber wir beteiligen uns nicht an Investitionen für eine Wiedereröffnung der Besucherplattform“, erklärt Telekomsprecher Georg von Wagner. Die Kosten sind der Knackpunkt: Um Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen einzuhalten, sind Investitionen von mindestens acht Millionen Euro nötig. „Wir sind für Gespräche mit Investoren offen, aber es muss ein tragfähiges Konzept vorliegen. Das ist bislang nicht der Fall gewesen“, begründet von Wagner. Solange das so bleibt, wird der Turm weiterhin nur als Funkmast für Fernsehen und Radio genutzt. „Derzeit stehen keine Gespräche mit der Stadt zu dem Thema an.“

Vom „Ländle“ lernen

Zwar hat auch das Rathaus ein Interesse daran, dass wieder Besucher die 752 Stufen der Turmtreppe erklimmen können. Doch wie die Telekom will es dafür kein Geld lockermachen: „Die Stadt selbst kann für die Sanierung keine finanziellen Mittel bereitstellen“, erklärt Stadtsprecher Kai Schulz. Allerdings würde das Rathaus einem Investor „beratend zur Seite stehen“, wenn es etwa um Baugenehmigungen geht. Als Vermittler hat sich die Stadt in der Vergangenheit bereits versucht. Mehrfach haben sich Vertreter des Rathauses mit der Telekom und der Deutschen Funkturm GmbH getroffen – letztmals 2011. Ohne nennenswertes Ergebnis. Für die öffentliche Nutzung sind erhebliche Investitionen in Baulichkeiten, Brandschutz und Ausstattungen nötig, erklärt Schulz. Doch weder Steuer- noch Fördermittel stehen bereit. „Daher ist es unumgänglich, private Geldgeber für das Projekt zu interessieren.

Eberhard Mittag vom Förderverein Fernsehturm glaubt jedoch, dass sich die Stadt nur halbherzig engagiert. „Wenn die Debatte nicht immer wieder jemand anstößt, tut sich doch nichts.“ Als Positivbeispiel führt er den Stuttgarter Fernsehturm an. Seit März 2013 ist die dortige Besucherplattform geschlossen – auch wegen Brandschutzmängeln. Hier ziehen Stadt und Eigentümer aber an einem Strang: Das Rathaus und der Südwestrundfunk als Betreiber teilen sich die Kosten. 2015 soll der Turm wieder öffnen. Doch mit etwa 1,2 Millionen Euro ist der Investitionsbedarf wesentlich geringer als bei der Dresdner Anlage.

275.000 Besucher jährlich zu DDR-Zeiten

Dass in Dresden angeblich kein Geld eingesetzt werden kann, ärgert Mittag: „Bei der Sanierung des Rathauses oder dem Bau der Waldschlößchenbrücke werden Millionen in den Sand gesetzt.“

Unklar ist, wie ein wirtschaftlicher Betrieb des Turmes aussehen könnte. Von einer halben Million Besucher sprach die Telekom einst, die jährlich nötig wären. Inzwischen geht sie von 300.000 aus. „Alles andere wäre auch illusorisch“, sagt Mittag. Vor allem die Lage des Turmes am Stadtrand kommt erschwerend hinzu. Bis zu 275.000 Besucher hätten zu DDR-Zeiten dennoch den Weg nach oben gefunden.

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Damit das auch künftig wieder möglich ist, kämpfen Mittag und Vereinsmitstreiter seit 2004 für den Turm. Der Vorsitzende ist 1972 fürs Studium an die Elbe gezogen, war Dutzende Male auf der Aussichtsplattform. Die Petition sei ein gutes Signal, um den Turm wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Weil die Initiatorin von dem Erfolg überrascht und ihr der Medienrummel zu viel war, gab sie die Verantwortung dafür an den Förderverein weiter. Dessen Mitglieder planen nun, die Petition demnächst der Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zu überreichen. „Wir müssen die Leute im Rathaus bei ihrer politischen Verantwortung packen.“