Merken

Neue Ideen für leeres Haus

In nur drei Monaten wollen Volkssolidarität und Gemeinde einen Plan für die alte Schule vorlegen. Platz soll dort nicht nur für den Hort sein.

Teilen
Folgen
© A. Müller

Von Sven Görner

Moritzburg. Den ganzen Tag in einem Zimmer, das macht keinem Schüler Spaß. Früh Unterricht, nachmittags Hort. Diese Zeiten sollten eigentlich vorbei sein. In Moritzburg noch nicht. Aber bald.

Am Montagabend hat der Gemeinderat einstimmig grünes Licht gegeben, dass die Verwaltung und der Verein gemeinsam ein inhaltlich und wirtschaftlich belastbares Konzept für die Entwicklung des Areals der alten Mittelschule aufstellen. Und zwar bis spätestens Ende März nächsten Jahres. Das klingt rekordverdächtig. Erst recht, wenn man die Vorgeschichte betrachtet.

Volker John, CDU-Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter, hatte in der Ratssitzung Ende September die Verwaltung aufgefordert, zu prüfen, wie die Hort-Situation in Moritzburg verbessert werden könnte. Ganz konkret sprach er dabei den Umbau des seit Jahren leerstehenden früheren Schulhauses an. Nachdem Volker John in den Haushaltdiskussionen der vergangenen Jahre immer wieder gemahnt hatte, Ausgaben sorgfältig abzuwägen, um nicht wieder neue Schulen anzuhäufen, lieferte er nun auch eine Begründung für seinen überraschenden Vorstoß: „Mit dem Abwasserbau sind wir bis auf einen Rest fertig. Mit dem geplanten Kita-Neubau in Boxdorf wird sich die Hort-Situation in Reichenberg entspannen. Damit ist es Zeit, sich auch um Moritzburg zu kümmern“, sagte er.

Den Hort verbessern

Denn dort gibt es seit Jahren aus den Reihen des Elternrats der Moritzburger Grundschule den Wunsch, etwas zur Verbesserung der Hort-Situation zu tun. Die Schule platzt ebenso aus den Nähten wie das benachbarte Volkssolidaritäts-Kinderhaus Kleiner Moritz. Die über 140 Hortkinder müssen sich daher am Nachmittag in den Räumen aufhalten, in denen sie vormittags schon lernen. Das ist alles andere als optimal, zumal auch die Musikschule unter der Platzknappheit leidet. Volker John spannte den Bogen aber auch gleich noch generationsübergreifend weiter. Möglicherweise, so seine Idee, könnte bei einem Umbau des Hauses auch Platz für Senioren und junge Leute geschaffen werden.

Nachdem die SZ über den Vorschlag berichtet hatte, meldete sich umgehend Frank Stritzke, der Geschäftsführer der Volkssolidarität, im Rathaus. Bereits im Oktober präsentierte er dem Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil der Sitzung erste Überlegungen für die künftige Nutzung. „Nach Auskunft des Architekturbüros ist das Gebäude für den Umbau geeignet. Für uns ist der Standort in Nachbarschaft der Grundschule und unseres Kinderhauses natürlich optimal“, sagt Frank Stritzke.

Auch für die Musikschule

Nach den ersten Überlegungen sollen in den beiden oberen Etagen Räume für acht Hortgruppen mit rund 160 Kindern entstehen. Dazu kämen noch Angebotsräume, die derzeit ganz fehlen. „Die wären dann auch für die Musikschule nutzbar“, ergänzt der Geschäftsführer.

In der ersten Etage soll ein Multifunktionsraum mit einer kleinen Kaffeeküche gebaut werden. „Tagsüber wäre er Speiseraum für die Hortkinder, am Nachmittag könnten sich dort die Senioren treffen und abends der Gemeinderat tagen. Auch eine Vermietung wäre denkbar.“ Im Erdgeschoss will Frank Stritzke gern eine große Küche unterbringen, in der nicht nur für die Kinder der Moritzburger Einrichtung gekocht werden soll. Denn die Kapazität der bestehenden Vereins-Küche in Radebeul reicht nicht, so dass Essen fremd eingekauft werden muss. „Selber kochen ist aber immer besser.“ Für den vor drei Wochen neu gegründeten Jugendverein kann sich Frank Stritzke separate Räume in einem Anbau vorstellen.

Der Geschäftsführer hofft, für den Hort Fördermittel zu bekommen. „Auf Grundlage eines Erbpachtvertrages wäre eine Finanzierung über die Volkssolidarität möglich.“ Da die Hortbetreuung eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist, könnte diese sich dann über einen Kapitaldienst-Zuschuss an der Finanzierung beteiligen. Solch ein Modell gibt es bereits in Radebeul. „Wir haben das Ziel, das Projekt so schnell wie möglich zu realisieren.“