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Neue Klimavorgaben für Autobranche

Die Autobauer müssen den Ausstoß des Treibhausgases CO2 ab 2020 weiter drücken. Sie bekommen aber mehr Zeit. Der Branchenverband VDA spricht von „gewaltigen Herausforderungen“.

© dpa

Brüssel. Die Autobranche muss in der EU ab 2020 schärfere Klimaauflagen für Neuwagen einhalten - sie bekommt nach Druck aus Deutschland aber mehr Zeit bei der Umsetzung. Die Botschafter der EU-Staaten bestätigten am Freitag in Brüssel einhellig einen entsprechenden Kompromiss mit dem Europaparlament. Die Volksvertreter müssen noch offiziell zustimmen, ein Ja gilt jedoch als sehr wahrscheinlich.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sprach von „gewaltigen Herausforderungen“, während Umweltschützer die Abschwächung der ursprünglichen Pläne verurteilten. Insgesamt sah der VDA aber einen „Schritt in die richtige Richtung“. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: „Zu viel Verwässerung vermieden. (...) Besser spät als nie.“

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Die Einigung sieht eine Obergrenze für den zulässigen CO2-Ausstoß von Neuwagen vor. Ab 2021 gilt ein Durchschnittswert von 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer für alle europäischen Neu-Pkw. 2020 müssen bereits 95 Prozent der neuen Autos den Wert im Schnitt halten. Für jeden Hersteller gelten dabei eigene Vorgaben. Bereits heute gibt es solche Zielwerte, sie werden aber nach und nach verschärft.

Erleichterungen sind für Hersteller von Elektroautos und anderen schadstoffarmen Fahrzeugen vorgesehen. Solche Wagen können sich die Autobauer zwischen 2020 und 2022 gleich mehrfach für ihre Klimabilanz anrechnen lassen - allerdings nur begrenzt. Dies soll Investitionen in klimafreundliche Antriebe beflügeln.

Mit der jetzt erzielten Einigung mildert die EU einen schon im Sommer ausgehandelten Kompromiss ab. Deutschland hatte den damaligen Vorschlag nicht absegnen wollen. Die Autobauer bekommen nun mehr Zeit, die neuen Klimavorgaben einzuhalten. So greift das ursprünglich für 2020 angepeilte CO2-Ziel erst 2021 in vollem Umfang.

Und auch beim Einsatz der Boni für schadstoffarme Wagen hat die Wirtschaft mehr Freiheit im Zeitraum 2020 bis 2022. Wenn sie also die strengeren Vorgaben erst später erfüllt, kann sie dies zum Teil durch mehr Elektroautos ausgleichen. Dem VDA ist die Förderung alternativer Antriebe aber weiterhin zu zögerlich: „Hier hätten mehr Impulse gesetzt werden können.“

Die Regelung sei zwar durchaus ehrgeizig, meint der Verband. „Dennoch verlangt die europäische CO2-Regulierung den Herstellern und Zulieferern in den kommenden Jahren enorme Anstrengungen ab, um den weltweit schärfsten CO2-Grenzwert zu erreichen.“ Ein Ziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer entspreche einem Spritverbrauch von weniger als vier Litern auf 100 Kilometern.

Umweltschützer hielten dagegen. Die Änderungen der ursprünglichen Pläne bekämen die Autofahrer immer noch an der Zapfsäule zu spüren, erklärte die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E). Über die Lebensspanne eines Wagens werde der Kompromiss Sprit-Mehrkosten von 775 Euro nach sich ziehen, rechnete die Organisation vor.

Von „theatralischem Jammern der deutschen Autolobby“ sprach Greenpeace. „Dabei wissen wir seit Jahren, wie unbegründet ihr Wehklagen ist. Die verschärften Grenzwerte aus dem Jahr 2007 haben die deutschen Edelhersteller prächtig überstanden. Ob BMW oder Daimler, Audi oder Porsche: Alle haben sie in den vergangenen Jahren Rekordgewinne eingefahren.“

Der SPD-Europaparlamentarier Matthias Groote, einer der Verhandlungsführer des Parlaments, verteidigte das Ergebnis hingegen: „Wir haben nicht um 180 Grad gewendet, sondern wir sind vielleicht um fünf Grad vom Kurs abgekommen.“ (dpa)