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Neue Lehrerausbildung für Seiteneinsteiger

Schulen sind auf Bewerber, die keine pädagogische Ausbildung haben, angewiesen. Sie sollen besser auf den Unterricht vorbereitet werden.

© dpa

Dresden. Sachsen muss im kommenden Schuljahr 1 950 Lehrerstellen besetzen, um den Bedarf zu decken. Etwa 800 neue Lehrer will das sächsische Kultusministerium schon zum 1. Februar einstellen. Die meisten werden an Grund- und Oberschulen gebraucht. Das Einstellungsverfahren zum Februar 2017 laufe zwar noch, aber mit knapp 670 Lehrerstellen sei ein Großteil der verfügbaren Stellen bereits besetzt, teilt das Kultusministerium mit. Unter den neuen Lehrern werden auch in diesem Jahr Seiteneinsteiger sein: Mehr als die Hälfte der 2 176 Bewerber könne keine einschlägige pädagogische Ausbildung nachweisen, teilt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der Partei Die Linke mit. Nur 817 Bewerber sind ausgebildete Lehrer.

Die Seiteneinsteiger werden seit Anfang Januar mit einer dreimonatigen Fortbildung auf den Unterricht vorbereitet. Das hatte die Regierung mit dem Maßnahmenpaket zur Lehrerversorgung Ende Oktober beschlossen. Bisher wurden die Seiteneinsteiger kaum auf den Unterricht vorbereitet, meist hatten sie nur eine Woche. „Wir mussten sie ins kalte Wasser werfen“, sagt die Kultusministerin. Eltern und Bildungsexperten hatten wegen der Qualität des Unterrichts Bedenken.

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Derzeit lehren nach Angaben des Kultusministeriums insgesamt 1 134 Quereinsteiger an öffentlichen Schulen. Im aktuellen Schuljahr wurden etwa 45 Prozent der freien Stellen mit Seiteneinsteigern besetzt.

Nun werden sie drei Monate lang in Theorie und Praxis von erfahrenen Lehrern geschult. Dabei geht es neben den Grundlagen im Recht und zum Schulsystem auch um eine theoretische Einführung in das Unterrichten – etwa dazu, welche Rolle Lehrpläne spielen oder wie der Unterrichtsstoff verteilt wird. Erst danach folge die Praxis, so Dirk Reelfs, der Sprecher des Kultusministeriums. „Dabei müssen Seiteneinsteiger nicht gleich unterrichten, sondern sie hospitieren an einer Schule.“ In den drei Monaten lernen die Seiteneinsteiger zunächst unter Anleitung, später selbstständig, Unterricht zu planen, zu erproben und zu reflektieren.

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Nach der Einstiegsqualifizierung müssen sich die Seiteneinsteiger berufsbegleitend an einer Universität weiterbilden – mit einem Lehramtsstudium, für das sie sich allerdings bewerben müssen. Art und Umfang des Studiums variieren auch danach, ob sie an der Universität oder der Fachhochschule studiert haben, ob das studierte Fach zu den Schulfächern passt, sie Pädagogen sind, und an einer Grund- oder Oberschule unterrichten werden. (SZ/sca)