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Neue Nachbarn für Dynamo

Am Lennéplatz entsteht ein neuer Wohnkomplex. Der Standort liegt zentral, hat aber auch Nachteile.

© Archivbild/André Wirsig

Von Annechristin Bonß

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Mangel macht erfinderisch

DDR-Mode war nicht nur grau: Zur "Ostwestparty" im Parkhotel am 9. November kann das jeder selbst beweisen.

Wer hier wohnt, ist der Innenstadt sehr nah. Die Wiener Straße hat sich in den vergangenen Jahren zu einem interessanten Wohnstandort entwickelt. Von hier sind es nur wenige Minuten bis ins Zentrum. Zugleich lockt der Große Garten zum Sportmachen und Spazierengehen. Das haben auch die Investoren für sich entdeckt. Die Nachfrage nach modernen Wohnungen ist groß. Und so soll schon bald schräg gegenüber von der Tankstelle ein neuer Wohnkomplex mit 262 sogenannten Micro-Appartements fertig werden.

Die Ideen für den Bebauungsplan stammen vom Büro Team 51.5° Architekten in Wuppertal. Wie der Komplex am Ende wirklich aussehen wird, ist aber noch unklar.
Die Ideen für den Bebauungsplan stammen vom Büro Team 51.5° Architekten in Wuppertal. Wie der Komplex am Ende wirklich aussehen wird, ist aber noch unklar. © Visualisierung: Team 51,5° Archi
Die Prime Power Systems Holding baut derzeit an der Wiener Straße 38-42 einen Wohnkomplex mit 262 Micro-Appartements.
Die Prime Power Systems Holding baut derzeit an der Wiener Straße 38-42 einen Wohnkomplex mit 262 Micro-Appartements. © Prime Power Systems Holding

Und schon plant die Stadt für eine neue Fläche ganz in der Nähe. Die bietet nicht nur das Potenzial für Hunderte Wohnungen. Das Areal ist vor allem derzeit ein Problem. Denn hinter den Zäunen, die das Grundstück zwischen Gellertstraße, Lennéplatz, Gerhart-Hauptmann-Straße und Wiener Straße begrenzen, hat sich Gestrüpp breit gemacht. Alte Garagen verfallen, ruinöse Überreste der früheren Bebauung sind längst überwuchert, über ein Hektar der Fläche ist inzwischen zum Wald geworden. Dazwischen sammelt sich Müll. Dieser Zustand soll sich nun ändern.

Die Stadtverwaltung hat einen Bebauungsplan erstellt. Demnach ist der Bau von sechs Gebäuden mit bis zu sieben Geschossen möglich. Dazu soll ein 15-geschossiges Haus an der Kreuzung Lennéplatz/Gellertstraße entstehen, das dem neuen Wohnquartier einen markanten Blickpunkt geben soll. An dieser Stelle halten die Straßenbahnen an den beiden Haltestellen Lennéplatz, schräg gegenüber ist das DDV-Stadion. In dem neuen Quartier soll vor allem gewohnt werden. 400 Wohnungen könnten in den Neubauten entstehen. Zudem wäre auch nicht störendes Arbeiten möglich, heißt es in dem Plan. Die Stadtplaner wissen, wie attraktiv der Standort ist. Sie loben die „sehr gute Verkehrsanbindung, die innerstädtische Lage und die Nähe zum Großen Garten“.

Doch für das neue Wohnen muss viel Grün verschwinden. Derzeit sind 85 Prozent der Fläche mit Vegetation bedeckt. Die restlichen 15 Prozent sind Garagen und Ruinen. Alte Bäume und dichte Vegetation, aber auch junge Gewächse und Sträucher prägen das Bild. Ein Umweltbericht zum Vorhaben hat ergeben, dass diese grüne Fläche durchaus positive Auswirkungen für das Klima und die Luft hat. Doch trotz dieser Vorteile wird davon kaum etwas bleiben. Bestehende Bäume müssen fast vollständig gefällt werden. Nur im Nordosten des Areals in Richtung Gerhart-Hauptmann-Straße bleibt eine zusammenhängende Gehölzfläche bestehen.

Als Ausgleich für die anderen Bäume empfehlen die Planer eine Aufforstung am Stadtrand. Im Gebiet selbst sollen Bäume, Sträucher und Hecken an den neuen Wegen und im Innenhof gepflanzt werden. Die Dächer der Neubauten sind ebenfalls zu begrünen. Im Innenhof werden kaum Parkplätze entstehen. Auch hier sind grüne Freiflächen geplant, die durchaus auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Dafür haben die neuen Häuser Tiefgaragen, um die vorgeschriebene Anzahl an Parkplätzen zu garantieren.

Die Ideen für den Bebauungsplan stammen vom Büro Team 51.5° Architekten in Wuppertal. 2013 hatte die Stadt sieben Büros in ganz Deutschland beauftragt, ein Konzept für die Brache zu entwickeln. Davor war ein erster Bebauungsplan gescheitert. Darin war unter anderem ein 90 Meter hoher Wohnturm auf dem Areal vorgesehen. Das Areal ist in 14 Grundstücke gegliedert. Die gehören drei Eigentümergemeinschaften. Insgesamt gibt es sechs Baufelder. Mit den Eigentümern haben die Stadtplaner Kontakt. Die Grundstückseigentümer sind noch mit Investoren für den Bau im Gespräch, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht mit. Wann der Bau beginnt, steht deshalb nicht fest. Zunächst soll der Plan in den Gremien der Stadt diskutiert werden. Erstmals öffentlich für interessierte Anwohner steht der Plan im Ortsbeirat Altstadt am 7. Dezember auf dem Programm. Ende Dezember entscheidet der Stadtrat über das neue Wohnquartier. (mit SZ/hoe)