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Neue Pläne für alten Mühlentrakt

Ein Gebäudeteil der Obermühle ist noch fast leer. Jörg Daubner und Rosalind Masson wollen Tänzer einziehen lassen.

Platz zum Tanzen und für Zuschauer wäre hier. Aber vorher steht viel Arbeit an für Jörg Daubner und Rosalind Masson.
Platz zum Tanzen und für Zuschauer wäre hier. Aber vorher steht viel Arbeit an für Jörg Daubner und Rosalind Masson. © Nikolai Schmidt

Schön vorsichtig die Schritte setzen. Der Boden im fünften Geschoss der Obermühle hat zahlreiche Löcher. Das sind keine Verfallserscheinungen, hier waren früher Maschinen wie Mahlwerke montiert. Mitte der 90er Jahre wurde der Mühlbetrieb eingestellt, die Maschinen verkauft. Was blieb, war sehr viel Platz. Eine ganze Menge davon ist längst wieder gefüllt. 1999 machte die Familie Daubner die Obermühle zur Gastronomie, heute ist in dem riesigen Komplex ein Restaurant, die Brauerei, Hotel und Kita-Küche. Aber ein Gebäudeteil, der einstige Produktionstrakt, ist noch leer. Fast. „In der ersten Etage ist unser Veranstaltungsraum“, erzählt Jörg Daubner. Bleiben aber immer noch drei Etagen zu je 130 Quadratmetern. Aus den beiden obersten soll ein Tanzstudio werden.

Die Idee dafür kommt von Rosalind Masson, Profitänzerin und Jörg Daubners Frau. Sie stammt aus Glasgow. Die beiden lernten sich vor einigen Jahren in Berlin kennen, wo Jörg Daubner eine Ausbildung zum Koch gemacht und Philosophie und BWL studiert hat. Rosalind Masson war und ist bis heute bei einer Berliner Tanz-Company. Seit Daubner vor über zwei Jahren zurückkam nach Görlitz, um die Obermühle weiterzuführen, steht für Rosalind Masson viel Pendeln an. Das Berufsleben findet für sie noch immer in Berlin statt, das Familienleben in Görlitz.

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Das Tanzstudio soll keine Tanzschule sein. Auch kein Tanztheater oder reiner Trainingsraum. Es wird eine Mischung. Geplant ist zum Beispiel ein Residenzprogramm: Tänzer können sich in der Obermühle einmieten und im Tanzstudio an ihren Projekten arbeiten. Nicht geplant ist dagegen, dass die Künstler nur im stillen Kämmerlein – in diesem Fall auf einer Riesenetage – für sich alleine arbeiten. Sie sollen ihre Türen öffnen. Zum Beispiel durch Workshops, bei denen die Künstler den Görlitzern zeigen, woran sie arbeiten. Und es soll öffentliche Tanzaufführungen geben. Dass es seitens der Künstler Interesse gibt, wissen Rosalind Masson und Jörg Daubner bereits. Es komme immer wieder vor, dass beispielsweise Tänzer, die am Gerhart-Hauptmann-Theater engagiert waren, gerne in Görlitz bleiben würden, um von hier aus als freie Künstler an neuen Projekten zu arbeiten. „Aber es gibt hier kaum Möglichkeiten für Tänzer“, erklärt Jörg Daubner. Görlitz sei durchaus eine Stadt, die sich für Kultur engagiert, „aber zeitgenössischer Tanz hat hier keine starke Lobby“, erklärt er. „Es wird in Görlitz viel diskutiert, wie man die Stadt attraktiver und interessanter machen kann.“ Eine freie Kunstszene könne viel dazu beitragen. Auch deshalb soll das Tanzstudio keine abgeschottete Sache nur für Tänzer sein, sondern offen nach außen. „Die Vermittlung zeitgenössischer Kunst ist uns ganz wichtig.“ Interesse hat derweil schon Tanzart angemeldet, das Tanz-Atelier in Kirschau. Angedacht ist auch ein Gastprogramm mit Tänzern in Polen und Tschechien. Rosalind Masson hat zum Beispiel Kontakte zu Tänzern und Companys in Prag und Breslau.

Erst dieses Jahr hatte ein neues kulturelles Projekt an der Obermühle Premiere, das Watermill-Festival auf der Neißeinsel. Das Tanzstudio jetzt ist trotzdem Neuland für Jörg Daubner, inhaltlich wie finanziell. „Ich bin es eigentlich gewohnt, dass die Vorhaben für die Obermühle sehr in meiner Hand liegen.“ Aber diesmal kennt sich fachlich seine Frau besser aus. Und auch bei der Finanzierung sei er viel auf andere angewiesen, zum Beispiel auf Fördermittel. Eine Ruine ist der Gebäudeteil der Obermühle nicht. Er hat eine neue Treppe, unten ist der Veranstaltungsraum ausgebaut, es liegt schon seit einiger Zeit eine Genehmigung für einen Aufzug vor. Um das Tanzstudio umzusetzen, steht aber neben viel Eigenleistung jetzt auch noch die Suche an nach tatkräftiger wie auch finanzieller Unterstützung. Ein Görlitzer Architekt, der jetzt in Potsdam lebt, hat erste Pläne für das Tanzstudio erstellt. Im vierten Geschoss wird ein Atelier mit viel offenem Raum und Platz für Zuschauerreihen entstehen. Die dritte Etage wird auch mit einbezogen, dort sind Umkleideräume, Aufenthalts- und Begegnungsräume geplant.