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Neue Probleme auf der A-4-Baustelle

Weil bei der Deckschicht gepfuscht wurde, wird zwischen Ottendorf-Okrilla und Pulsnitz immer noch gebaut. Jetzt zeigen sich neue Mängel in der Schicht darunter.

© Thorsten Eckert

Von Jana Ulbrich

Dresden/Bautzen. Montagvormittag auf der A 4 zwischen Dresden und Görlitz: Dichter Verkehr in beiden Richtungen. Auf den rechten Fahrspuren Lkw an Lkw. Vor den Baustelleneinfahrten an den Anschlussstellen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla stockender Verkehr. Und immer wieder Stau! Nur auf der reichlich acht Kilometer langen Baustelle selbst tut sich an diesem Montagvormittag – nichts. Kein Bauarbeiter, kein Baufahrzeug weit und breit.

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Es hat sich das nächste Problem aufgetan auf der Problembaustelle. Zur Erinnerung: Seit Anfang Juni wird zwischen Ottendorf-Okrilla und Pulsnitz die Fahrbahn in Richtung Görlitz erneuert. Vier Millionen Euro sollte das kosten. Mitte August sollte alles fertig sein. Es war auch schon mal alles fertig. Doch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) verweigerte in letzter Minute die Baufreigabe. Erst bei der finalen Bauabnahme, so erklärte Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert vor drei Wochen, hätten Messungen in der obersten Asphaltschicht Wellen zutage gefördert, die mit bloßem Auge nicht erkennbar gewesen seien. Als Ursache wurden Qualitätsmängel im verwendeten Mischgut vermutet. In einer eilig anberaumten Krisensitzung war entschieden worden, die nagelneue Deckschicht noch einmal komplett abzufräsen.

Inzwischen ist das auch geschehen. Auf den gesamten 8,3 Baustellen-Kilometern ist der Asphalt wieder runter. Aber das ist leider noch nicht alles. Bei den Fräsarbeiten nämlich sind noch weitere Mängel sichtbar geworden. In der darunterliegenden Binderschicht, so erklärt es die Lasuv-Sprecherin, seien ebenfalls „verdächtige Stellen“ aufgetreten. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass auch die Binderschicht nun stellenweise ausgetauscht werden muss.

Fehler auch im Mischgut?

Elf solcher „verdächtiger Stellen“ – verteilt über die gesamte Baustellen-Strecke – hat das Landesamt mittlerweile ausgemacht. Die mehr oder weniger großen Flächen – insgesamt rund 300 Meter – sind ebenfalls bereits wieder ausgefräst. Auch hier wird der Fehler im Mischgut vermutet.

Am Montagmorgen hat es noch einmal eine Begehung vor Ort gegeben. An diesem Dienstag, so erklärt Isabel Siebert, sollen Bauarbeiter und Baufahrzeuge aber wieder anrücken – zuerst, um die verdächtigen Löcher in der Binderschicht zu stopfen, danach, um die Deckschicht zum zweiten Mal aufzubringen. Das wird, wenn nicht noch etwas dazwischenkommt, nun voraussichtlich bis Ende Oktober dauern.

Parallel dazu werde jetzt an den Ursachen geforscht, erklärt Isabel Siebert. Höchste Priorität habe für die Straßenbauverwaltung allerdings erst einmal die Fertigstellung des Bauvorhabens rechtzeitig vor Beginn der Winterdienstbereitschaft. Das ist jetzt besonders wichtig, weil die Räum- und Streufahrzeuge die vollen Fahrbahnbreiten brauchen. Solange gebaut wird, stehen in beiden Richtungen nur eingeschränkte Fahrbahnen zur Verfügung. Damit der Verkehr auch während der Bauarbeiten zweispurig von und nach Dresden rollen kann, werden die Standstreifen genutzt und eine Fahrspur Richtung Görlitz auf die Gegenseite geführt.

Keine zusätzlichen Kosten für den Steuerzahler

Beim Landesamt sieht man die Bauausführenden in der Pflicht: „Bei den Materialfehlern handelt es sich um einen Baumangel“, erklärt Isabel Siebert. „Deshalb entstehen für den Steuerzahler keine zusätzlichen Kosten.“

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Ulf Kluge, der Geschäftsführer der mit den Sanierungsarbeiten beauftragten Firma Faber Infra-Bau aus Wilsdruff möchte sich gegenüber der SZ nicht zu den Problemen äußern. Er rechnet damit, dass eine juristische Aufarbeitung der Probleme auf der Baustelle zu erwarten ist. Deshalb könne er derzeit keine öffentlichen Aussagen treffen, teilt er der SZ mit.

Die Baustelle auf der A 4 ist nicht das erste Projekt der Faber Infra-Bau im Auftrag des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Bisher, sagt Isabel Siebert, habe es stets eine gute Zusammenarbeit und nichts zu bemängeln gegeben.