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Leipzig

Neue Runde in der Schweinefleisch-Debatte

Der Fall aus Leipzig schlägt solche hohen Wellen, dass der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime zur Mäßigung der Debatte mahnen. 

In zwei benachbarten Kitas in Leipzig sollte eigentlich kein Schweinefleisch mehr serviert werden. Doch die Debatte kochte so hoch, dass der Betreiber zurückruderte.
In zwei benachbarten Kitas in Leipzig sollte eigentlich kein Schweinefleisch mehr serviert werden. Doch die Debatte kochte so hoch, dass der Betreiber zurückruderte. © Sebastian Willnow/dpa

Leipzig. In der Debatte um den Verzicht auf Schweinefleisch in Kitas aus Rücksicht auf muslimische Kinder haben die jeweiligen Zentralräte der Juden und der Muslime vor Überreaktionen gewarnt. "Das Letzte, was wir brauchen, ist Hetze gegen Minderheiten, nur weil in einer Einrichtung über den Speiseplan nachgedacht wird", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. 

Grundsätzlich halte er es für positiv, dass mit höherer Sensibilität als früher darüber nachgedacht werde, religiöse Gepflogenheiten oder Bedürfnisse von Minderheiten zu berücksichtigen: "Ich denke allerdings, dass ein Verbot von Schweinefleisch übers Ziel hinaus geschossen wäre."

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Zwei Kitas in Leipzig hatten angekündigt, fortan mit Rücksicht auf muslimische Kinder kein Schweinefleisch mehr auf den Speiseplan zu setzen und etwa auf Gelatine in Süßigkeiten bei Feiern zu verzichten. Nach einer massiven öffentlichen Debatte nahmen die Einrichtungen am Dienstag davon aber wieder Abstand.

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Der Zentralrat der Muslime thematisierte am Mittwoch vor allem die dadurch ausgelöste Empörung. "Erstaunlich welch angebliche Rücksichtnahmen erfolgen, obgleich sie nicht mal von Muslimen ausgehen. Und wie die Empörungswelle um ein Vielfaches höher ist als bei den derzeitigen, schrecklichen täglichen Schändungen und Bombendrohungen gegen deutsche Moscheen von mutmaßlich Rechtsradikalen", erklärte Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland.

Josef Schuster sprach von einer "aufgeregten Debatte" und riet zu mehr Gelassenheit: "Es reicht meines Erachtens, wenn Kindern, die aus verschiedenen Gründen ein bestimmtes Essen nicht zu sich nehmen können, eine Alternative angeboten wird. Das gilt ja zum Beispiel auch für Allergiker. Jüdische Kinder, die sich koscher ernähren, wissen, dass sie normale Gummibärchen nicht essen können oder nicht mit ihren Freunden beim Fast-Food-Restaurant einkehren. Das gehört zu ihrem Alltag. Sie empfinden das aber nicht als Diskriminierung."

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden (l) und Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden (l) und Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland. © dpa/Peter Kneffel/Matthias Balk

Nach Bekanntwerden der Pläne der Kitas folgte am Dienstag bundesweit eine Debatte. Besonders heftig reagierte die AfD. Aber auch die CDU sprach von einer inakzeptablen Entscheidung. Die Polizei postierte aus Sorge einen Streifenwagen vor den beiden benachbarten Einrichtungen. Am Abend ruderte der Leiter der Kitas, Wolfgang Schäfer, angesichts der massiven Kritik zurück - und setzte den Verzicht auf das Schweinefleisch zumindest vorerst aus. Zugleich äußerte er sein Unverständnis über die Aufregung. Denn die Mehrheit der Eltern habe diese Entscheidung begrüßt. (dpa)

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