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Sachsen

Die neue Spenden-Lust in Corona-Zeiten

Auf Online-Spendenplattformen und bei der Stiftung Lichtblick zeigt sich in Krisenzeiten eine neue Solidarität – vor allem mit Betroffenen vor Ort.

Mehr als 140.000 Euro haben SZ-Leser schon für Menschen gespendet, die durch die Pandemie in Not geraten sind.
Mehr als 140.000 Euro haben SZ-Leser schon für Menschen gespendet, die durch die Pandemie in Not geraten sind. © Screenshot

Von Sven Heitkamp

Friseurin Denise aus Dresden-Löbtau hat für ihre Schutzvorkehrungen gegen das Corona-Virus 451 Euro Spenden bekommen. Mirko Kunert hat für die Miete zur Einlagerung seines Crêpes-Standes 429 Euro gesammelt. Und auch „Wir gestalten Dresden“ als Branchenverband der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft hat schon knapp 20.000 Euro für Künstler und Selbstständige im Kulturbetrieb aufgetrieben. Auf „Betterplace“, dem größten gemeinnützigen Internetmarktplatz für Spenden in Deutschland, tummeln sich derzeit regionale Hilfsaktionen für Kleinbetriebe und soziale oder kulturelle Projekte wie noch nie. „Auf unseren Plattformen wurden bereits mehr als 800 Projekte und Kampagnen mit Bezug zu Corona gestartet“, erzählt Betterplace-Vorstand Björn Lampe auf SZ-Anfrage. Mehr als acht Millionen Euro seien dafür bereits gespendet worden. „Das sind Zuwächse des Spendenvolumens um das Doppelte im Vergleich zu anderen Zeiten.“

Auf der Plattform betterplace.me, die sich an private Akteure richtet, geht ein Großteil der Geldgeschenke an Cafés, Clubs, Restaurants, lokale Händler und Kleingewerbe. Bei betterplace.org finden sich zudem gemeinnützige Initiativen für Obdachlose und Wohnungslose in Großstädten oder zum Herstellen von Schutzmaterialen gegen das Corona-Virus aus dem 3-D-Drucker. „Das Hauptaugenmerk liegt klar auf regionalen Projekten“, sagt Lampe. „In dieser Größenordnung haben wir diese Solidarität bisher noch nicht erlebt.“ 

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Dabei liege es vielen Spendern offenkundig am Herzen, ihre Lieblingsadressen vor Ort zu unterstützen. „Den Menschen ist es wichtig, zu erhalten, was sie in ihrem Alltag schätzen.“ Seit dem Beginn der Pandemie und dem zwischenzeitlichen Lockdown habe die Spendenbereitschaft Größenordnungen ähnlich wie bei Naturkatastrophen erreicht.

Wenige Spenden für Not- und Katastrophenhilfe

Dabei hatte der Deutsche Spendenrat zuletzt einen neuen Tiefpunkt in Deutschland beklagt: Die Zahl der Spender war 2019 erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2005 unter die Marke von 20 Millionen gefallen. Derzeit aber gehe die Bereitschaft zum Spenden quer durch die Bevölkerung wieder nach oben, sagt Lampe. Gerade weil Spenden vor Ort durch viele Schließungen von Lokalen oft schwerer möglich waren und sind, komme Betterplace eine besondere Bedeutung zu. „Wir haben deutlich mehr Betrieb auf den Plattformen“, sagt Lampe.

Auch die Stiftung Lichtblick der Sächsischen Zeitung erlebt derzeit eine ungewöhnlich große Spendenbereitschaft. Nachdem die Stiftung in einem Fonds für Corona-Betroffene Freiberufler, Künstler und Selbstständige zunächst aus Rücklagen 100.000 Euro bereitgestellt hat, seien durch Spenden in den ersten vier Wochen weitere 140.000 Euro für den Fonds zusammengekommen, erzählt Vorstandsvorsitzende Katerina Lohse. „Wir bekommen die große Solidarität der Menschen durch sehr viele Spendenwillige deutlich zu spüren.“

Katerina Lohse ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung Lichtblick.
Katerina Lohse ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung Lichtblick. © Tobias Ritz

Die Stiftung Lichtblick bewilligt pro Hilfsantrag in der Regel 500 Euro für Menschen, die durch wirtschaftliche Verluste in soziale Not geraten sind und dies nachweisen können. Um dem großen Ansturm möglichst schnell Herr werden zu können, beschäftige die Stiftung inzwischen zwei zusätzliche Aushilfskräfte. Die Aktion soll mindestens bis Ende Juni weiterlaufen. Die Stiftung Lichtblick war als Spendenaktion 1996 von der SZ ins Leben gerufen worden und hilft in Not geratenen Menschen im Verbreitungsgebiet der Zeitung.

Bei Hilfsorganisationen, die im Ausland und in der Nothilfe aktiv sind, sieht die Spendenbereitschaft derzeit allerdings ganz anders aus. Der Deutsche Spendenrat rechnet bei internationalen Hilfen mit einem drastischen Einbruch der Spenden. Dessen Geschäftsführer Max Mälzer sagte im April, nach seinen Informationen kalkulierten einige Organisationen der Not- und Katastrophenhilfe nur noch mit einem Spendenzufluss von etwa zehn Prozent der üblichen Summen. 

Auch Organisationen, die Benefizveranstaltungen wie Konzerte, Spendenläufe und Galas absagen müssten, erleben deutliche Rückgänge, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, kürzlich der evangelischen Nachrichtenagentur Idea. Viele große Unternehmen haben unterdessen reagiert – und in der Corona-Krise Millionensummen für unterschiedlichste Zwecke bereitgestellt.

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