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Neue Suchtstation nimmt Formen an

Im Neubau auf dem Gelände des Fachkrankenhauses in Großschweidnitz bekommen künftig unter anderem Suchtkranke Hilfe. Der Bedarf ist groß, sagt die Klinikleiterin.

© Matthias Weber

Von Romy Altmann-Kühr

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Großschweidnitz. Von außen sieht der Neubau mit der hellen, angedeuteten Klinkerfassade schon fertig aus. Innen bietet sich noch ein Baustellenbild: Handwerker arbeiten auf allen Etagen, die meisten Räume sind im Rohbau, es riecht nach frischer Farbe. Man merkt: der Bau des neuen Gebäudes für die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Fachkrankenhaus Großschweidnitz geht dem Ende entgegen. Das wird auch Zeit, sagt Loretta Farhat, die Ärztliche Direktorin des Fachkrankenhauses. Schon zum zweiten Mal muss sie Verzug beim Bau melden. Denn jetzt zum Jahresbeginn 2018 sollte das Gebäude eigentlich fertig sein. Nun steht als Fertigstellungstermin Ende Juni. Im Neubau wird dann die Abteilung für Gerontopsychiatrie einziehen. Ein Teil des Gebäudes ist aber auch für den Bereich Sucht vorgesehen. Eine Sucht-Station – insgesamt gibt es in Großschweidnitz drei Stationen, auf denen Suchtkranke behandelt und betreut werden – wird umziehen. Sie soll damit bessere Bedingungen bekommen, für Personal und Patienten. Die Suchtstationen sind bisher in den kleinen Altbauten auf dem Klinikgelände untergebracht. Der Pavillon-Stil hat Charme und auch Vorteile, wie Klinikleiterin Loretta Farhat sagt. So könnten die einzelnen Stationen getrennt untergebracht werden und hätten ihre jeweils eigenen Bereiche, anders als in einem großen Gebäude mit mehreren Abteilungen. Allerdings fehlen in einigen Altbauten Fahrstühle. „Wir haben ja auch Patienten mit körperlichen Einschränkungen“, sagt Frau Farhat über die Suchtstation. Im Neubau kann die Station auf einer Ebene untergebracht werden.

Bessere Bedingungen und etwas mehr Platz sind auch dringend nötig, denn Suchterkrankungen nehmen zu. Neben Alkohol sind es vor allem auch Drogen und Medikamente, mit denen Süchtige zunehmend Probleme haben. „Steigende Zahlen haben wir vor allem bei Crystal“, sagt Sven Richter, Oberarzt des Bereichs Sucht am Fachkrankenhaus. Vor zehn Jahren, so berichtet er, wurden jährlich etwa 20 Crystal-Abhängige in Großschweidnitz behandelt, jetzt sind es zirka 200. Auf den Suchtstationen aufgenommen werden können pro Jahr rund 1 000 Patienten. Bedarf gebe es viel mehr, vermutet Klinikleiterin Loretta Farhat. „Nur zehn Prozent der Suchtkranken begeben sich überhaupt in Behandlung.“ Bei anderen psychischen Erkrankungen sei dieser Prozentsatz viel höher. Sie vermutet, das liege auch daran, dass über die Suchttherapie noch zu wenig bekannt ist.

Eine Entgiftung, also einen Entzug, könne man natürlich auch in einem herkömmlichen Krankenhaus vornehmen, so Frau Farhat. Das Fachkrankenhaus in Großschweidnitz sei aber darauf spezialisiert, sich auch nach dem Entzug um die Patienten zu kümmern und sie in Therapie zu nehmen. Diese dauert in der Regel rund vier Wochen. Am Anfang steht aber die Entgiftung. Je nach Droge dauert das einige Tage. Der Oberarzt erklärt: „Bei Alkohol geht es etwas schneller, bis es den Betroffenen besser geht und die Entzugssymptome nachlassen, bei Drogen dauert es länger.“ Beim Entzug wird die Droge komplett weggelassen – sozusagen von 100 auf 0, sagt Oberarzt Richter. Bei Medikamentenabhängigen funktioniert das allerdings nicht, das würde der Körper nicht mitmachen. Hier muss die Dosis des Medikaments nach und nach zurückgesetzt werden. Auch die Zahl Medikamentenabhängiger steigt, stellen Frau Farhat und Oberarzt Richter fest. Sogenannte Benzodiazepine, also Beruhigungsmittel, werden häufig genommen. „Sie beruhigen und wirken angstlösend, machen aber abhängig“, erklärt Frau Farhat. Auch Schlaf- und Schmerzmittel werden von Abhängigen eingenommen.

An die Entgiftung schließt sich eine Therapie an. Sie umfasst zum Beispiel Psychotherapie, Beschäftigung, Sport. Auch Sozialarbeiter kümmern sich um die Betroffenen. Denn oft, so weiß Loretta Farhat, sind es unbewältigte Probleme, die Menschen in die Sucht treiben. Ihnen soll geholfen werden, ihr Leben wieder sinnvoll zu gestalten. Wer sich in Großschweidnitz wegen einer Sucht behandeln lassen will, benötigt eine Einweisung vom Haus- oder einem anderen Arzt. Allerdings gibt es auch Notfälle, die dann auf der Akutstation aufgenommen werden. Sie werden zum Beispiel von der Polizei oder dem Notarzt gebracht. Für solche Akutfälle wird es im Neubau künftig mehr Plätze geben. Auch deshalb hoffen Loretta Farhat und Sven Richter, dass der Neubau in den kommenden vier Monaten tatsächlich fertiggestellt wird und Suchtkranke ab dem Sommer hier behandelt werden können.