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Neue Tagesmutter für Weinböhla

Anke Hauswald verlässt die Wissenschaft und fängt noch einmal neu an. Dabei hatte sie ursprünglich anderes vor.

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© Arvid Müller

Von Peggy Zill

Weinböhla. Die Hälfte des Wohnzimmers nimmt das Spielzeug in Beschlag, den Weg in die offene Küche versperrt ein Gitter, die Ecken der Schränke sind mit Kantenschutz versehen. Noch steht nur ein Kinderstuhl am Tisch. Demnächst wird Anke Hauswald weitere kaufen müssen. Die 34-Jährige ist die neue Tagesmutter in Weinböhla. Drei Kinder wird sie in ihrer Wohnung am Rathausplatz betreuen. Nummer 4 ist ihr eigener Sohn. Das erste Kind wird gerade eingewöhnt und versteht sich gut mit dem 15 Monate alten Flinn. Weitere Interessenten gibt es, Anke Hauswald will sich jedoch Zeit nehmen mit der Belegung der Plätze, damit nicht alle Kinder im gleichen Alter sind. Und sie ist noch neu im Tagesmutter-Geschäft. Erst im Frühjahr hat sie sich entschlossen, umzuschulen.

Nach dem Abi in Coswig studierte die 34-Jährige in Dresden. An der Uni arbeitete sie eine Weile als wissenschaftliche Mitarbeiterin. 2015 kam Flinn zur Welt und die Familie zog nach Weinböhla. „Während der Elternzeit habe ich mich entschlossen, mich neu zu orientieren“, erzählt Anke Hauswald. Ursprünglich wollte sie über das Programm für Quereinsteiger Lehrerin werden. Mit dem Master von der Fachhochschule sei sie jedoch nicht qualifiziert genug, sagte man ihr. „Dabei hätte ich die MINT-Fächer, also Physik und Chemie, abdecken können“, so die Naturwissenschaftlerin.

Dringend gebraucht

Stattdessen kümmert sie sich jetzt um die ganz Kleinen. Im Familienzentrum in Radebeul belegte Anke Hauswald das Grundlagenseminar für Tagesmütter und beim Jugendamt gab sie ihre Bewerbung ab. Dass in Weinböhla dringend eine neue Tagesmutter gebraucht wird, wusste sie anfangs gar nicht. Die Gemeinderäte haben zwar 2013 entschieden, dass zwei Tagespflegestellen in den Kita-Bedarfsplan kommen, zuletzt war aber keine besetzt. Eine Frau kündigte den Vertrag mit der Gemeinde, die andere Tagesmutter befindet sich noch in Elternzeit.

Das Jugendamt entschied, dass die etwa 100 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung von Anke Hauswald ausreicht, um bis zu vier weitere Kinder zu betreuen. Weinböhla finanziert aber vorerst nur drei Plätze. Hinzu kommt Flinn, der nun nicht mehr die alleinige Aufmerksamkeit genießt.

Einen Garten gibt es am Haus direkt im Zentrum von Weinböhla zwar nicht, aber der nächste Spielplatz ist nicht weit weg. Auch die Nassau will Anke Hauswald mit den Kindern erkunden und sie wird einen Schlüssel für die „Wiese Luise“ bekommen. Dort gehen auch die Kitas der Gemeinde regelmäßig hin. Zu denen will Hauswald Kontakt aufbauen, um ihren Kindern den späteren Wechsel zu erleichtern.

Gekocht wird jeden Tag frisch. Ein spezielles Konzept hat die Weinböhlaerin für ihre Tagespflege nicht. „Ich orientiere mich aber natürlich am sächsischen Bildungsplan“, sagt die 34-Jährige. Nach dem Seminar und einer Hospitanz bei einer Dresdner Tagesmutter fühlt sie sich gut vorbereitet für den neuen Job.

Von 7.30 bis 16.30 Uhr können die Kinder bei ihr abgegeben werden. Allerdings gibt es noch keine Lösung für den Fall, sollte Anke Hauswald oder Flinn mal krank sein. Da sie die einzige Tagesmutter im Ort ist, kann sie niemand vertreten. Allerdings laufen laut Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU) Gespräche mit der Stadt Coswig. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wollen eine verlässliche Betreuung.“ Deshalb soll eine Zweckvereinbarung mit Coswig geschlossen werden.

Kontakt zu Anke Hauswald stellt die Beratungs- und Vermittlungsstelle für Kindertagespflege in Radebeul her.

Sie ist unter Tel. 0351 8397323 erreichbar.