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Neue Töne für Neukölln

Die Stadträtin Franziska Giffey ist Favoritin für die Nachfolge von Bürgermeister Buschkowsky. Sie steht für einen anderen Stil.

© dpa

Besonders eilig hatten es die Berliner SPD-Oberen, den verwaisten Chefsessel im Rathaus von Neukölln neu zu besetzen. Kaum verkündete der langjährige Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky überraschend seinen Rücktritt, da begrüßten der Landesparteichef und der Fraktionsvorsitzende bereits Franziska Giffey als Nachfolgerin. Dabei war sie von ihren Neuköllner Parteifreunden noch gar nicht für den Posten nominiert worden. Das allerdings ist reine Formsache: Denn in dem Problembezirk gilt es lange als ausgemacht, dass die 36-Jährige das politische Erbe Buschkowskys antreten soll.

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Auch der scheidende Amtsinhaber hält sie für geeignet. Bei seinem Abgang warf er Giffey noch Vorschusslorbeer nach. Sie sei nicht nur qualifiziert und jung; sie sehe zudem noch besser aus als er, meinte Buschkowsky, der mehr als zwölf Jahre mit seiner potenziellen Nachfolgerin zusammenarbeitete. 2002 hatte er die junge Frau als Europa-Beauftragte ins Neuköllner Rathaus geholt und Schritt für Schritt an höhere Aufgaben herangeführt. Nach sechs Jahren stieg Giffey zur Schul- und Bildungsstadträtin auf – ein schwieriger Posten, auf dem sie sich nicht nur bei Direktoren und Lehrern Respekt verschaffte.

Daneben machte Giffey auch in der SPD schnell Karriere. Erst 2007 der Partei beigetreten, ist sie inzwischen Kreisvorsitzende in Neukölln. Die ehrgeizige Blondine, die aus Frankfurt/Oder stammt und heute mit ihrem Sohn im Bezirk Friedrichshain lebt, studierte Verwaltungswissenschaft. Der Titel ihrer Promotion lautete: „Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft am Beispiel von Berlin-Neukölln“.

Die Kommunalpolitikerin kennt sich in Neukölln bestens aus. Sie weiß, dass der Bezirk auch künftig als ein Gradmesser für Integrationswillen und -fähigkeit der deutschen Gesellschaft gilt. Folgerichtig stehen Bildung und Integration auch auf ihrer Prioritätenliste weit oben.

Doch im Gegensatz zu ihrem bundesweit bekannten Vorgänger steht Giffey für einen anderen Stil. Zwar ist auch sie dafür bekannt, Kritikern in der Partei selbstbewusst Paroli zu bieten. Doch während Buschkowsky als „Genosse Klartext“ mit schonungsloser Offenheit und teilweise drastischem Vokabular die Missstände in der Sozial- und Integrationspolitik beschrieb, bevorzugt sie feinere, verbindliche Töne. (SZ/dpa)

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