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Neue Töne in der Kirche

Maria-Theresia Rentzing ist Possendorfs neue Pfarrerin.

© Oberthür

Von Verena Schulenburg

Possendorf. Dass der Taufstein in der Mitte der Kirche steht, damit muss sie sich noch arrangieren. „Bisher war ich ihn vorn am Altar gewohnt“, sagt Maria-Theresia Rentzing und lacht. „Aber das ist mal etwas anderes.“ Sie ist die neue Pfarrerin im Possendorfer Gotteshaus. Erst vor einigen Wochen wurde die 54-Jährige offiziell in ihr Amt eingeführt. Dabei ist ihr die Arbeit in dem Bannewitzer Ortsteil gar nicht so fremd. Schon seit Februar vorigen Jahres hielt Rentzing Gottesdienste oder Trauerreden in Possendorf, allerdings bisher nur in Vertretung.

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Die Possendorfer Pfarrstelle schien in den vergangenen Jahren durch Schicksalsschläge gezeichnet zu sein. Der damalige Pfarrer Andreas Kreß konnte wegen Krankheit sein Amt lange kaum noch ausüben. Nach ihm fanden die Kirchgänger Anfang 2013 in Christfried Luckner einen neuen Seelsorger. Aber auch sein Einsatz für das Gotteshaus war nicht von Dauer. Nach Krankheit verstarb Luckner unerwartet mit 61 Jahren im August vorigen Jahres. Die Possendorfer trauerten.

Das Auf und Ab von Freude und Trauer im örtlichen Pfarrhaus soll nun endlich wieder eine Konstante erhalten, mit dem Engagement von Maria-Theresia Rentzing. Bevor die Frau des Dresdner Landesbischofes Carsten Rentzing Anfang 2017 in das evangelisch-lutherische Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf wechselte, war sie bis Ende des Sommers 2016 Pfarrerin in Markneukirchen und Landwüst, ein kleines Dorf im äußersten Zipfel von Sachsen, gerade einmal drei Kilometer von Tschechien und wenige Kilometer von Bayern entfernt. Dort teilte sie sich mit ihrem Mann eine Pfarrei, bis dieser Landesbischof wurde. Zuvor arbeitete Maria-Theresia Rentzing elf Jahre in Annaberg-Buchholz, nachdem sie dort ordiniert wurde.

Pfarrerin zu sein, bedeutet der gebürtigen Werdauerin enorm viel. Christin sei sie schon immer gewesen, erzählt Rentzing. „Ich liebe Kirchen und habe mich darin auch schon als Kind gern aufgehalten.“ Den Glauben zum Beruf zu machen, sei ihr aber zu DDR-Zeiten nicht möglich gewesen. Das Abitur blieb ihr damals verwehrt. Daher lernte die junge Maria-Theresia zunächst den Schneiderberuf und arbeitete anschließend zehn Jahre als Herrenmaßschneiderin. „Dann kam die Wende, und ich musste weg von der Nähmaschine“, erinnert sie sich heute.

Der halben Pfarrstelle, die Rentzing nun in Possendorf inne hat, will sie nun bestmöglich gerecht werden und die Arbeit ihres Vorgängers weiterführen. Der Tod Luckners traf auch Maria-Theresia Rentzing, die damals noch vorrangig im Rabenauer Ortsteil Oelsa tätig war. „Ich hatte ihn noch zu seinem 61. Geburtstag besucht“, erzählt sie.

Erreichtes voranbringen, aber auch neue Impulse in der Kirchgemeinde setzen, das ist Rentzings Ziel. Dabei hat die Mutter von vier Mädchen im Alter zwischen 13 und 21 Jahren ein besonderes Augenmerk auf die jüngste Generation. „Vielleicht gelingt es, hier in Possendorf eine Krabbelgruppe aufzubauen“, sagt Maria-Theresia Rentzing. In ihren bisherigen Pfarrstellen sei diese Idee super angekommen.

Und was wäre ihr größter Traum für Possendorf? Rentzing muss nicht lange überlegen. „Eine Band“, sagt sie. Früher habe sie selbst in einer Jugendband gespielt. Musiker zu gewinnen, die hin und wieder zu Veranstaltungen in der Possendorfer Kirche spielen, wäre toll, schwärmt Rentzing, die seit Sommer 2016 mit ihrem Mann in Dresden-Coschütz wohnt. Die Band aber ist bisher nur ein Traum. Maria-Theresia Rentzing will sich realistische Ziele setzen. „Ich möchte hier einfach eine gute Arbeit machen und hoffe, dass es den Leuten gefällt, was ich mache“, sagt sie. Ihr Wunsch wäre es, wenn noch mehr Menschen in die Gottesdienste kämen. „Aber ich kann die Leute nicht in die Kirche holen“, sagt sie. „Das kann nur Gott.“