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Neue Vorwürfe gegen früheren BER-Technikchef

Staatsanwälte ermitteln gegen den Dresdner Spitzen-Ingenieur Jochen Großmann nun auch wegen Preisabsprachen.

© dpa

Von Lars Radau

Berlin/Dresden. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hat ein zweites Ermittlungsverfahren gegen den entlassenen Technikchef des Berliner Großflughafens BER eingeleitet. Jochen Großmann, Gründer und Inhaber der Dresdner Gicon-Firmengruppe, soll mit seinem Wissen mehreren Firmen die Preisabsprache für ihre Angebote von Planungsleistungen für die Entrauchungsanlage im Terminal ermöglicht haben.

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Aus einer anonymen Anzeige, die bereits Ende März in Cottbus eingegangen sei, habe sich ein „hinreichender Anfangsverdacht“ ergeben, sagte der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer der SZ. Die Behörde ist für alle Korruptionsfälle in Brandenburg zuständig. Sie ermittelt bereits seit Mai wegen des „Verdachts der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“ gegen Großmann.

Im aktuellen Fall soll Großmann als Verantwortlicher für die Entrauchungsanlage zwei Unternehmen ermöglicht haben, ihre Planungs-Kalkulationen abzusprechen. Das, so Schiermeyer, wäre ein Fall „wettbewerbsbeschränkender Absprachen.“ Sie können nach dem Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Zum genauen Stand des Ermittlungsverfahrens wollte sich Schiermeyer nicht äußern.

Unabhängig davon nimmt am Berliner Großflughafen seit Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe eine Arbeitsgruppe alle Vergabeverfahren unter die Lupe, mit denen Großmann befasst war. Der 56-jährige Ingenieur soll versucht haben, für die Vergabe eines Planungsauftrags mindestens 350.000 Euro abzuzweigen. Um diese Summe sollte eine niederländische Planungsfirma ihr Gebot für einen Millionenauftrag erhöhen – und den Aufpreis dann an eine der Gicon-Firmen für Beratungsleistungen weiterreichen. Laut Jürgen Schiermeyer hätten Durchsuchungen in Privat- und Firmenräumen Großmanns in Dresden und Berlin diesen Verdacht erhärtet. Geflossen sei das Geld indes offenbar nicht – doch schon der Versuch ist strafbar.

Jochen Großmann war im April von Flughafenchef Hartmut Mehdorn persönlich als Technik-Chef fest eingestellt worden, um die Brandschutzanlage im Terminal des BER in Gang zu bringen und damit das Haupthindernis für die Inbetriebnahme des Flughafens zu überwinden.

Großmann hatte bereits ein Konzept vorgestellt, nach dem die intern „Monster“ genannte Entrauchungs-Anlage in drei kleinere Teile zerlegt werden soll, um besser beherrschbar zu sein. Dieses Engagement als „Mehdorns Feuerwehrmann“ war auch ein Argument für die Jury gewesen, ihn beim von der Sächsischen Zeitung und der Freien Presse ausgerichteten Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ in diesem Frühjahr auf Platz zwei zu wählen.

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Zu den neuen Anschuldigungen bezog Gicon am gestrigen Abend nur knapp Stellung: Das Unternehmen und sein Chef hätten erst auf Nachfrage von dem neuen Ermittlungsverfahren erfahren, sagte ein Sprecher. „Die konkreten Vorwürfe sind ihm jedoch nicht bekannt gemacht worden.“ Daher wolle sich Großmann nicht zum aktuellen Verfahren äußern. Nach wie vor arbeite Gicon aber mit der Staatsanwaltschaft zusammen und sei überzeugt, „alle Vorwürfe“ entkräften zu können.