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Neue Wolfsfamilie

Es ist das fünfte Rudel in der Region. Wie groß es genau ist, untersuchen die Experten noch.

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© Archiv/ Sebastian Körner

Von Antje Steglich und Sven Görner

Landkreis Meißen. Westlich der Königsbrücker Heide hat sich ein neues Wolfsrudel niedergelassen. Die genaue Ausbreitung des Territoriums soll vorerst jedoch geheim bleiben, um den Nachwuchs zu schützen, erklärte Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ gegenüber der SZ. Ende Juni sei dem Wolfsmanagement Wolfsnachwuchs gemeldet worden. „Auf dem Foto sind deutlich drei Welpen zu sehen“, sagt Helene Möslinger vom Kontaktbüro. Somit stehe fest, dass sich dort eine neue Wolfsfamilie gegründet hat.

Noch nicht klar ist dagegen, wie groß diese tatsächlich ist. „Bei den Rudeln in der Lausitz gab es in der Vergangenheit oft erste Fotonachweise mit zwei oder drei Welpen, wobei es dann am Ende sogar vier und fünf Jungtiere waren“, sagt Helene Möslinger.

Noch lägen keine genetischen Proben aus dem Gebiet vor, die mehr Aufschluss geben könnten. Das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“, das die offizielle Ansprechstelle zum Thema Wolf für Bevölkerung und Medien in Sachsen ist, kündigt daher an, dass als nächster Schritt nun das Wolfsmonitoring in dem möglichen Gebiet des neuen Rudels verstärkt werde. Konkret bedeute dies, so Helene Möslinger, dass die Partner und Helfer vor Ort die Suche nach genetisch auswertbaren Spuren der Wölfe intensivieren werden. Vor allem gehe es dabei um die sogenannte Losung, also den Kot der Tiere. „Haarproben sind beim Wolf eher Zufallsfunde. An die kommt man vielleicht mal im Winter an einer Liegefläche oder wenn ein Nutztier-Riss untersucht wird“, sagt Helene Möslinger.

Wolfslosung unterscheide sich übrigens sehr deutlich von Hunde- und Fuchskot. Beim Vergleich mit dem Hund sei die Ursache dafür die unterschiedliche Ernährung. „Im Wolfskot sind viele Haare und auch Knochen enthalten“, weiß die Biologin. „Fuchslosung ist dagegen deutlich kleiner.“ Helene Möslinger weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass das Wolfsbüro sehr dankbar über Hinweise und die Mitarbeit von interessierten Privatleuten und Jägern ist.

Parallel zur Suche nach von dem neuen Rudel zurückgelassenen Spuren sollen möglichst weitere Bildnachweise Auskunft über die Tiere geben. „Dafür werden in dem infrage kommenden Gebiet zusätzliche Wildkameras installiert.“ Damit soll auch geklärt werden, inwieweit sich das Territorium des neuen Rudels ins Land Brandenburg beziehungsweise auch nach Süden in Richtung Radeburg erstreckt.

Erste Hinweise auf das Rudel hat es laut Vanessa Ludwig bereits Ende 2015 gegeben, zuletzt gab es Anfang März dieses Jahres eine Sichtung bei Großenhain. In der Region in und um den Landkreis Meißen leben damit jetzt fünf Wolfsfamilien. Schon länger bekannt sind die Rudel in der Königsbrücker sowie in der Laußnitzer Heide. Erst in den vergangenen Monaten wurden Rudel in der Gohrischheide sowie im brandenburgischen Schradenland bestätigt.

Dass sich nun das neue Rudel in einem Gebiet mit vermeintlich wenig großen Waldflächen etablieren konnte, ist für die Experten nicht ungewöhnlich. Ein Wolfsrudel bewohnt zwar in der Regel ein Territorium mit einer Größe von 150 bis 350  Quadratkilometern, so Vanessa Ludwig. Wichtig sei dabei jedoch vor allem, dass es genügend Beutetiere und Rückzugsräume gebe. „Wölfe sind sehr flexibel. Sie leben auch in einer Kulturlandschaft.“

Das Wolfsmanagement rät allen Tierhaltern, die Schutzvorkehrungen zu prüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Vor allem stromführende Zäune hätten sich bewährt. Entsprechende Maßnahmen würden mit bis zu 80 Prozent gefördert.