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Neuer Anlauf für ein Schul-Denkmal

Die Erinnerungsstätte für Kriegsgefallene in Bischofswerda gibt es nicht mehr. Schüler suchen nun nach Wegen, sie wieder zu errichten.

© Repro: SZ

Von Ingolf Reinsch

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Bischofswerda. Das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer des damaligen Königlich-Sächsischen Lehrerseminars in Bischofswerda soll an seinem ursprünglichen Platz wieder errichtet werden. 60 Jahre lang, von 1922 bis 1982, stand es am Haupteingang der jetzigen Goetheschule. Auf ihm waren die Namen von 49 Schülern und drei Lehrern verzeichnet. 1982 wurde das Denkmal abgerissen. Auch zur damaligen Zeit habe die Entscheidung gegen geltendes Recht verstoßen, sagen Historiker.

Schüler der zwölften Klassen des Goethe-Gymnasiums suchen nun nach Wegen, das Denkmal wieder zu errichten. Die Namen der 52 Gefallenen sind dokumentiert. Es gibt Fotos von dem Denkmal und noch einige erhaltene Granitsteine, die in einem Fachbetrieb in der Stadt eingelagert sind. Auf dieser Grundlage erarbeiteten Schülergruppen drei Vorschläge und stellten sie jetzt Vertretern der Denkmalschutzbehörde, des Landratsamtes als Schulträger und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge vor. Ziel war es vor allem auszuloten, was verwirklicht werden kann.

Variante 1 sieht den originalgetreuen Wiederaufbau des Denkmales vor. Fehlende Steine sollen durch Nachbildungen ersetzt werden. Eine Informationstafel soll über die Geschichte des Denkmals informieren. Variante 2 schlägt vor, die bestehenden Steine zu verwenden und die fehlenden durch rostig aussehende Metallstäbe zu ersetzen. Eine Informationstafel mit den Namen der Gefallenen sollte neben das Denkmal gestellt werden. Variante 3 kombiniert die vorhandenen Steine mit neuen Elementen. Vorgeschlagen wird eine Tafel zur Geschichte des Denkmals, mit den Namen der Gefallenen und einem Goethe-Zitat, welches das ursprüngliche Fichte-Zitat am Denkmal „Wer sterben kann, wer will ihn zwingen?“ kontern könnte. Alle drei Entwürfe, so betonten Schüler, haben ein gemeinsames Anliegen: Es gehe nicht darum, die Kriegsvergangenheit zu glorifizieren, sondern sich kritisch mit der Geschichte auseinanderzusetzen und das Denkmal als Mahnmal zu begreifen. Das im Rahmen eines fächerverbindenden Wahlgrundkurses laufende Projekt trägt den Titel „Denkmalnach“.

Denkmal inhaltlich in den Unterricht einbeziehen

Berit Moschke von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises ermutigte die Schüler in ihrem Vorgehen. „Mein Favorit ist die erste Variante, da ja noch alte Steine da sind“, sagte sie. Aber auch die Kombination von Altem und Neuem wurde von den Gästen als sehr kreativ gelobt. Letztendlich ist es aber nicht Aufgabe der Denkmalschutzbehörde, die Vorzugsvariante auszuwählen. „Unsere Aufgabe besteht darin zu prüfen, ist es mit dem Denkmal verträglich“, sagte Berit Moschke.

Für Schulleiter Bodo Lehnig ist es nicht damit getan, das Denkmal wieder aufzustellen. Wichtig ist, es inhaltlich in den Unterricht einzubinden, sagte er. Da könne es für die Schüler auch eine lohnenswerte Aufgabe sein, Materialien zu entwickeln, auf deren Grundlage künftige Schüler mit diesem Denkmal arbeiten können. Zudem solle man auch darüber nachdenken, wie an der Schule der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht werden kann.

Pläne für ein Schuldenkmal werden seit Jahren am Gymnasium diskutiert. Vor vier Jahren stellten die damaligen Zwölfer drei Entwürfe vor, die das 1982 geschleifte Denkmal und eine in der DDR geschaffene Bronzeplatte für den Maler und Antifaschisten Fritz Schulze berücksichtigten. Damals plante man mit einem Denkmal im Haus, was bei den Behörden keine Zustimmung fand, da es nicht der ursprüngliche Platz ist. Jetzt steht wieder vieles auf Anfang. Die Schüler wollen nun Kostenangebote einholen und Partner suchen. Finanzielle Unterstützung könnte vom Volksbund kommen, sagte Jugendreferent Carsten Riedel. Die Chancen stünden gut, wenn man Einzelbiografien erforscht. Da steht den Gymnasiasten viel Arbeit bevor.