merken

Neuer Anlauf fürs Internet

2019 soll in Dorfhain moderne Breitbandtechnik anliegen. Eigentlich wollte die Gemeinde schon weiter sein.

© Andreas Weihs

Von Verena Schulenburg

Anzeige
Badespaß und Erholung zugleich

Das Freizeitzentrum "Hains" ist für erholsame Stunden und schweißtreibende Sportangebote bekannt.

Dorfhain. Er ist beschwerlich, der Weg zum schnellen Internet. Damit die Dorfhainer sich endlich zügig durch die virtuelle Welt klicken können, haben die Gemeinderäte auf ihrer jüngsten Sitzung einen wichtigen Schritt unternommen. Alle waren sich darin einig, dass die Rathausspitze die Leistungen für den künftigen Betreiber der zügigen Datenverbindung ausschreiben darf. Eine Entscheidung, die eigentlich schon im Sommer hätte fallen sollen. Doch dann kam für die Dorfhainer alles anders als gedacht.

Warum verzögert sich der Breitbandausbau?


Zunächst schien alles nach Plan zu laufen, bis im Juli vorigen Jahres bei der Dorfhainer Gemeindespitze das Telefon klingelte. Das Bundesfinanzministerium wies die Gemeinde darauf hin, dass aufgrund einer Gesetzesänderung nur noch die Nettokosten für das digitale Betreibermodell gefördert werden, nicht mehr der Bruttobetrag. Der kleinen Gemeinde am Tharandter Wald fehlten mit einem Schlag 138 000 Euro zum Breitband-Glück. Um die fehlenden Kosten für die Mehrwertsteuer zu stemmen, muss Dorfhain einen Kredit aufnehmen. Der Gemeinderat gab dafür im September sein Okay. Damit nicht genug: Auch die einst vorbereiteten Unterlagen mussten rechtlich geändert und den geltenden Bestimmungen angepasst werden. Hinzu kam weiteres „Hickhack in den Richtlinien“, erklärt Heike Linné von der Gemeindeverwaltung. Damit das Projekt auf sicheren Füßen steht, werde der Weg zum Breitbandausbau deshalb von einem Fachanwalt und Planer unterstützt.

Haben die Dorfhainer umsonst Geld fürs schnelle Internet dazugegeben?


Um die moderne Datenverbindung mit Glasfaserkabel in der Gemeinde aufzurüsten, haben sich die Dorfhainer etwas Besonderes einfallen lassen. Fast 3,3 Millionen Euro soll das Projekt insgesamt kosten. Knapp zwei Millionen Euro kommen vom Bund, 977 000 Euro vom Freistaat Sachsen. Zehn Prozent der Kosten muss Dorfhain selbst stemmen. Um die Gemeinde dabei zu unterstützen, das verbleibende Geld aufbringen zu können, haben ein Großteil der Dorfhainer Einwohner und Gewerbetreibende zusammengelegt. 1 220 Euro pro Firma und 280 Euro pro Einwohner. Das macht in Summe 132 000 Euro. Ein einzigartiger und genialer Plan, der so bisher nirgendwo anders verfolgt wurde. Umsonst bezahlt sei das Geld aber nicht, versichert der Dorfhainer Bürgermeister Olaf Schwalbe (CDU). „Ohne das Geld der Dorfhainer wären wir noch lange nicht so weit wie wir jetzt sind“, erklärte er. Zum Glück habe auch noch niemand sein Geld zurückgefordert. „Hoffentlich bleibt es dabei“, sagte er.

Wann liegt endlich moderne Internettechnik in Dorfhain an?


Nachdem der Gemeinderat am Montag damit einverstanden war, die Leistung für den Internetbetreiber auszuschreiben, will die Rathausspitze nun alle dafür notwendigen Unterlagen fertigmachen. Ziel ist es, im März einen Betreiber zu haben. „Das ist die größte Hürde“, sagt Heike Linné. Wenn der Betreiber feststeht, sei der Weg für alles Weitere geebnet. Anschließend könne die Bauleistung ausgeschrieben werden und voraussichtlich im Sommer der Ausbau des Netzes starten. „Wir dürfen jetzt keine Zeit mehr verlieren“, sagt sie.

Bis 2019 soll Dorfhain über schnelleres Internet verfügen. Bandbreiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde werden erwartet – und von einigen dringend gebraucht. Für die Firma Jähnig für Felssicherung und Zaunbau beispielsweise, die ihren Sitz in Dorfhain hat, ist eine schnellere Datenverbindung existenziell. Andernfalls wird es das Unternehmen auf Dauer schwer in der Gemeinde haben. Mechaniker wie Bürokräfte sind auf die Datenverbindung angewiesen. Aber nicht nur viele Firmen, auch die Einwohner hoffen auf eine zügige Anbindung ins World Wide Web. In Zeiten der Digitalisierung könne Dorfhain nicht auf den Breitbandausbau verzichten, erklärte der Bürgermeister. Sonst avanciere die Gemeinde irgendwann zum Schlafdorf. Denn an einer besseren Digitalisierung arbeiten derzeit viele Kommunen in der Region. Auch Dorfhains Verwaltungspartner, die Stadt Tharandt, arbeitet derzeit an dem Projekt. Moderne Breitbandtechnik verschaffe künftig auch Dorfhain einen Standortvorteil, nicht nur, um Einwohner und Gewerbetreibende in der Gemeinde zu halten, sondern auch um Zuzüge zu verzeichnen.