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Neuer Mord-Vorwurf gegen Tschetschenen

Polizisten verhaften einen Angeklagten im Gerichtssaal. Das Problem: Der Mann sitzt schon seit 15 Monaten in Untersuchungshaft.

© Fabian Schröder

Von Alexander Schneider

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Spektakuläre Szene im Landgericht Dresden. Als der Prozesstag gegen fünf mutmaßliche Schutzgelderpresser endet, geht plötzlich die Tür des Schwurgerichtssaals auf und vermummte Polizisten stürmen hinein. Sie nehmen einen der Angeklagten fest – obwohl der schon seit November 2016 bestens bewacht in Untersuchungshaft sitzt. Sollen die Uniformierten ihren Gefangenen, seine Mitangeklagten oder manchen Zuschauer beeindrucken? Über diese Frage zu der Aktion, deren Sinn sich nicht gleich erschließt, lässt sich nur spekulieren.

Die schwarzuniformierten Beamten führen des gefesselten Isa S., einen 31-jährigen Tschetschenen, sofort zum Haftrichter im selben Gebäude. Dort wird dem Angeklagten ein neuer Haftbefehl eröffnet: Verabredung zum Mord. Das hat Oberstaatsanwalt Lorenz Haase, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden am frühen Abend bestätigt. Weitere Einzelheiten nannte er jedoch mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen der Abteilung für Organisierte Kriminalität (OK) der Dresdner Ermittlungsbehörde nicht. Ganz zufällig war die Festnahme jedoch nicht, denn der OK-Abteilungsleiter, Oberstaatsanwalt Matthias Allmang, hat die Aktion persönlich beobachtet.

Vier Prozesse gegen Schutzgeldmafia

Isa S. ist einer von fünf Angeklagten, die sich seit Oktober vor der Schwurgerichtskammer unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Wegen einer Schießerei in der Mügelner Straße mit einem Deutsch-Iraker Ende September 2015 müssen sich einige dieser Angeklagten auch wegen versuchten Mordes verantworten. Isa S. soll damals einen BMW gefahren haben, mit dem er versucht habe, den Deutsch-Iraker Ammar R. (24) anzufahren. Der Prozess ist einer von derzeit vier laufenden Hauptverhandlungen gegen insgesamt 15 Angeklagte, die mehrheitlich aus Tschetschenien beziehungsweise Russland stammen. Sie sollen seit Anfang 2015 in Dresden und Umgebung Landsmänner mit Gewalt gezwungen haben, Schutzgeld zu zahlen.

Erst vergangene Woche soll Isa S. versucht haben, sich im Gefängnis selbst mit einer Einweg-Klinge zu verletzen. Anlass dafür ist angeblich, dass auch seine Frau verhaftet worden war. S. hatte eigens begutachtet werden müssen, um seine Verhandlungsfähigkeit sicherzustellen. Sein Verteidiger Ulf Weinhold kritisierte, dass der Prozess nicht ausgesetzt wurde.