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Neuer Name, alte Sprüche

Mit einer Umbenennung des Front National versucht Frankreichs Rechtspopulistin Marine Le Pen den Befreiungsschlag.

© Getty Images

Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin, zzt. Lille

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Sie kann es noch, genauso lautstark und selbstbewusst wie vor einem Jahr, als sie im französischen Präsidentschaftswahlkampf steckte. Über die „unaufhörlichen Ungerechtigkeiten“ gegen den Front National (FN) klagen, ja, den „Psycho-Krieg“, dem ihre Partei ausgeliefert sei. Marine Le Pen warnt immer noch so wortgewaltig vor der „ungezügelten Globalisierung“, vor der „Plage des Islamismus“ und der „Überschwemmung unseres Kontinents und unseres Landes“ durch Migranten.

Die FN-Chefin hat wenig an ihrer Rhetorik geändert und noch weniger an ihrer Kampfeslust. „Es darf keine Gesellschaft ohne Grenzen geben“, ruft sie mit ihrer rauen, durchdringenden Stimme ins Publikum. Mehrere Hundert Parteimitglieder applaudieren eifrig und setzen zum Refrain an: „On est chez nous“ („Wir sind hier bei uns“). Frankreich-Fahnen werden geschwenkt. Es herrscht fast dieselbe Euphorie wie bei Le Pens Wahlkampfauftritten vor einem Jahr. Die große Ankündigung hebt sie sich bis zum Schluss ihrer Rede auf: Den militärisch klingenden Namen Front National will sie ersetzen. „Rassemblement national“, lautet ihr Vorschlag, also „Nationaler Zusammenschluss“.

Mit 100 Prozent im Amt bestätigt

Zuvor war Le Pen am Sonntagvormittag zum dritten Mal in Folge als Präsidentin der rechtspopulistischen Partei bestätigt worden – mit 100 Prozent der gültigen Stimmen. Eine Gegenkandidatur gab es nicht. Als Kongress der „Neugründung“ sollte der 16. Parteitag im nordfranzösischen Lille, einer traditionellen FN-Hochburg, dienen. „Für mich steht der Front National für Nähe zu den Menschen“, sagt der 26-jährige Jérémy Gautier, der hier in einem Regionalbüro mitarbeitet. „Die Innenstädte sterben aus, weil Großkonzerne die kleinen Läden verdrängen. Gleichzeitig steigen die Steuern, die dann für die Aufnahme von Migranten ausgegeben werden. Marine Le Pen ist die Einzige, die gegensteuern will.“ Ja, sie habe in der entscheidenden TV-Debatte vor der zweiten Wahlrunde gegen Emmanuel Macron enttäuscht, war schlecht vorbereitet und höhnisch. „Uns hat man eingetrichtert, das Programm auswendig zu lernen“, sagt der junge Mann. „Wir hatten das Gefühl, sie hat unsere ganzen Bemühungen mit einem Schlag kaputt gemacht.“ Trotzdem stehe er weiter zu „Marine“. An der Abstimmung über die neuen Parteistatute habe er sich beteiligt, sie wurden mit 79,7 Prozent angenommen.

Demnach ist Marine Le Pens Vater, der Parteigründer und langjährige Vorsitzende Jean-Marie Le Pen, nicht mehr Ehrenpräsident. Mit dem 89-Jährigen hatte sie sich endgültig überworfen, als dieser ihre Strategie der „Entteufelung“ bewusst mit antisemitischen Provokationen störte. Der bisherige „Zentralrat“ wird in „Nationalrat“ umbenannt und mit neuen, auch jüngeren Mitgliedern besetzt. Vor allem will Le Pen aber mit der Namensänderung, über die die Mitglieder noch brieflich abstimmen, einen Neuanfang schaffen. Seitdem sie Macron bei der Präsidentschaftswahl mit 34 Prozent unterlag, gilt sie als geschwächt, in Umfragen ist die Rechtspopulistin stark abgefallen. Der langjährige Vize Florian Philippot ging im Streit und gründete seine eigene Partei „Die Patrioten“, die klar für den EU- und Euro-Austritt eintritt. Bedrängt wird der Front National zudem von den bürgerlichen Republikanern, deren neuer Parteichef Laurent Wauquiez einen stramm rechtskonservativen Kurs fährt.

Prominente Schützenhilfe

Le Pen braucht neuen Schwung – und erhielt Unterstützung von ungewohnter Seite: Am Samstag holte Steve Bannon, Ex-Berater von US-Präsident Donald Trump, zu einer harschen Kritik an den Medien und den Eliten aus. „Sollen sie euch doch als Ausländerfeinde, als Rassisten, als Homophobe beschimpfen“, rief er. „Tragt diese Beschimpfungen als Zeichen des Stolzes.“ Ob solche Töne den Kurs der „Entteufelung“ stützen?