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Neuer Name, alter Inhalt

Die Stadt Görlitz hat eine Lösung, wie die Boxsportler wieder in die Hirschwinkelhalle dürfen. Eine Unterschrift fehlt aber noch.

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© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Görlitz. Der Mittwoch war ein guter Tag für Peter Freudenberg. Einstimmig haben die Stadträte im Technischen Ausschuss die Teilsanierung der Turnhalle am Hirschwinkel beschlossen. Ziel ist, dass die Boxer ab November wieder in der Halle trainieren dürfen, die seit dem Hochwasser 2010 gesperrt ist. Und Freudenberg ist Abteilungsleiter der Boxsportler beim NSV Gelb-Weiß Görlitz: „Wir freuen uns sehr, dass wir endlich wieder in die Halle können.“

Lange war das vollkommen unklar – vor allem, weil die Stadt mit Hochwassermitteln neben der Jägerkaserne einen Ersatzneubau für die Hirschwinkelhalle plant. Die Sächsische Aufbaubank (SAB) als Fördermittelgeber lehnte deshalb stets ab, dass die Hirschwinkelhalle wieder als Sporthalle genutzt wird. Allerdings darf das Gebäude auch nicht abgerissen werden: Es steht unter Denkmalschutz.

Jetzt hat die Stadt eine neue Idee: Die Hirschwinkelhalle soll künftig ein „Kultur- und Freizeitzentrum“ sein. So steht es im Baubeschluss des Technischen Ausschusses. Also keine Sporthalle mehr, damit es keinen Ärger gibt. Boxen aber ist Sport. Der Görlitzer Baubürgermeister Michael Wieler sieht das entspannt: „Die Boxer kehren in ihre alten Räume im Dachgeschoss zurück, das nicht vom Hochwasser betroffen war.“ Das sei eine Sondernutzung, die mit der SAB abgesprochen ist. In der eigentlichen Halle im Erdgeschoss dagegen soll es keine sportliche Nutzung mehr geben.

SAB-Sprecherin Beate Bartsch bestätigt Wielers Aussagen nur teilweise. „Ja, der Gedanke, das Dachgeschoss für die Boxer zu nutzen, ist uns bekannt.“ Das sei Gesprächsthema gewesen und auch nicht sofort abgelehnt worden. Allerdings gebe es dazu noch keine endgültige Entscheidung. Mitte November fand eine Beratung statt, sagt Beate Bartsch. Daran habe auch das Kultusministerium (SMK) teilgenommen. Alle drei Seiten hätten sich darauf verständigt, dass eine Nutzungsänderung nötig ist. „Wir und das SMK haben die Stadt gebeten, einen Vorschlag für einen künftigen Nutzungsrahmen zu schreiben“, sagt Beate Bartsch. Gegenwärtig liege aber noch kein Konzept der Stadt vor. Insofern könne sie momentan noch nicht sagen, ob die SAB den Beschluss des Technischen Ausschusses mittragen kann. Susann Meerheim vom SMK bestätigt die Schilderung: „Seit November gab es kein weiteres Treffen und auch keinen neuen Ergebnisstand.“

Nichtsdestotrotz hat die Stadt mit dem Baubeschluss vom Mittwoch klare Pläne, wie es weitergehen soll. Von Ende Juli bis Mitte November soll die Hirschwinkelhalle für 240 000 Euro teilsaniert werden. Dabei nutzt die Stadt nach Aussage von Wieler 45 000 Euro aus dem Fünf-Millionen-Euro-Förderpaket, das sie vom Bund erhält. Der Rest sind Eigenmittel. In der Bausumme ist der Saal im Parterre nicht enthalten. Stattdessen will die Stadt das Treppenhaus brandschutztechnisch auf den heute geforderten Stand bringen und einen zweiten Flucht- und Rettungsweg aus dem Dachgeschoss bauen. Zudem soll die Geschossdecke über der Sporthalle statisch ertüchtigt werden. Technische Anlagen wie Heizung, Abwasser-Hebeanlage sowie Elektro- und Sanitärinstallation werden ausschließlich in den genutzten Räumen instand gesetzt, etwa im Dachgeschoss sowie in allen Umkleide-, Wasch- und Toilettenräumen.

Was genau sich hinter dem Namen „Kultur- und Freizeitzentrum“ verbirgt, kann Wieler derzeit auch noch nicht sagen. Die Boxer sind zunächst die einzigen Mieter. Die Stadt würde sich wünschen, dass auch die anderen Räume genutzt werden, hat dafür aber kein eigenes Konzept. „Wenn sich ein Interessent bei uns meldet, der die Halle dauerhaft für Freizeitaktivitäten nutzen möchte, dann sind wir offen“, sagt Wieler. Er schließt auch nicht aus, dass die Stadt dann weiteres Geld aufbringt, um den Saal im Parterre nutzbar zu machen. Dort gibt es bisher keinen Fußboden. „Eine sportliche Nutzung des Saales ist aber ausgeschlossen“, stellt Wieler klar.

Damit haben die Kletterer vom Alpenverein das Nachsehen. Sie wollten eigentlich in die Halle. „Wir wissen noch nicht, wie es bei uns weitergeht“, sagt Steffen Leder vom Verein. Durch den Brand im Tivoli sei auch die andere Hallen-Klettermöglichkeit weggefallen. Wahrscheinlich werde der Verein jetzt in kleinerer Form weitermachen: „Vielleicht beziehen wir erst einmal alte Ladenräume zum Bouldern.“ Letzteres ist eine Sportart, bei der nicht in die Höhe geklettert wird, sondern zur Seite hin. Das braucht keinen hohen Raum, sondern nur eine lange Wand.