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Neuer Oberland-Chic – jetzt auch für „Ihn“

Anja Wünsche führt das Modehaus Thomas in Neugersdorf in die vierte Generation. Sie bringt Top-Mode-Erfahrung mit.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

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Wir sind Meister. Wir können das. 

33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Neugersdorf. Anja Wünsche ist schon gespannt auf den nächsten Donnerstag. Dann eröffnet sie punkt 9 Uhr mit Sekt und Häppchen ihr neues, umgebautes Geschäft: das Modehaus Thomas in der August-Bebel-Straße in Neugersdorf. Die 40-Jährige führt das Modehaus in vierter Generation fort. Gegründet hatte es die Uroma in der Breitscheid-Straße. „Aber dort war das Geschäft nicht lange“, weiß Sieglinde Wünsche. Sie hat das Modehaus bis zum Jahresende 2017 geführt. Jetzt, mit 73 Jahren, ist die Geschäftsfrau im Ruhestand, steht aber als Aushilfe hin und wieder zur Verfügung, sagt sie und betont, dass sie sehr erfreut darüber ist, dass Tochter Anja nach mehr als zwei Jahrzehnten in die Heimat zurückgekehrt ist und die Modehaus-Tradition fortführt.

Mit dem neuen, umgebauten Geschäft erfüllt sich Anja Wünsche auch einen Traum: Sie kann selbst gestalten und im Modehaus Pläne verwirklichen. Zwar hat sie derzeit noch alle Hände voll zu tun und die Handwerker ebenfalls, aber sie ist sicher, dass am Donnerstag alles blitzeblank und fein dekoriert ist. Die Waren sind dann akkurat an dem Platz, wo sie hinsollen. Anja Wünsche bietet mit einer Mitarbeiterin in Teilzeit hauptsächlich Damenmode aus der mittleren Preisschiene an. Von sportlich eleganten Jeans bis zur klassischen Bluse reicht das Angebot. „Wenn du was Gutes brauchst, dann geh ins Modehaus Thomas“ habe es früher immer geheißen. Dem will Anja Wünsche treu bleiben. Aber es gibt auch ganz Neues: Erstmals in der knapp 90-jährigen Geschichte des Modehauses Thomas gibt es jetzt Bekleidung für Herren. Auch hier reicht das Angebot von sportlicher Eleganz bis zum klassischen Hemd mit Krawatte. Der früher sogenannte „kleine Laden“ ist dafür ausgebaut worden. Hier wie im ganzen Geschäft wurde kräftig umgebaut: Neuer Fußboden wurde verlegt, die Möbel wurden aufgefrischt, die Lichtanlage erneuert. „Die Kunden sollen sich bei uns wohlfühlen, auch mal auf einen Braasch oder einen Kaffee reinkommen“, erläutert die Geschäftsinhaberin. Dass sie für den Umbau ausschließlich Firmen aus Neugersdorf und Umgebung verpflichtet hat, sieht sie als selbstverständlich an. „Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Denn es tut sich was in Gierschdurf“, freut sich die Geschäftsinhaberin.

Wenn Anja Wünsche am Donnerstag mit den Kunden im Geschäft ins Gespräch kommt, wird sie bestimmt viele bekannte Gesichter wiedersehen. Sie ging zwar gleich nach dem Abitur nach München und absolvierte dort in einem angesehenen Modehaus eine Lehre, die Verbindung zur Heimat Neugersdorf hat sie aber nie abreißen lassen. Ihre Wohnung über dem Modegeschäft im elterlichen Haus hat sie behalten. Das heißt, sie hat jetzt kurze Wege zur Arbeit. Für Anja Wünsche ist dieser Weg aber kein neuer. Schon als Baby stand ihr Laufgitter im Büro des Ladens, wenn die Mutter Damenmode an die Frau brachte. „Ich hatte den größten Kaufmannsladen, den sich ein Kind wünschen kann“, erzählt Anja Wünsche. Später, als Schulkind, führte der Nachhauseweg immer zuerst durch den Laden und erst dann in die Wohnung. Mit zwölf Jahren hat sie das erste Mal selbstständig Bekleidung verkauft, weil durch die Wende plötzlich keine Angestellten mehr da waren und die Mutter allein im Laden stand. Später, als Mutter Sieglinde sich einen komplizierten und langwierigen Beinbruch zugezogen hatte, half die Tochter viel im Geschäft aus, trotz der Abiturzeit. Sie meint, dass für sie schon lange klar war, dass sie ihre berufliche Karriere irgendwo in der Textilbranche starten wird. So ist es gekommen.

Nach der Lehre studierte sie Textilbetriebswirtschaft und arbeitete in verantwortlichen Positionen unter anderem bei der Textilmarke Marc O’Polo. Ihre beruflichen Aufgaben führten sie dabei unter anderem nach Lübeck, Bremen und Rosenheim. All dem den Rücken zu kehren und fortan wieder in Neugersdorf zu leben, fiel der 40-Jährigen nicht schwer. „Ich habe hier meinen Freundeskreis aufrechterhalten, meine Wohnung, habe geschäftliche Besorgungen so weit wie möglich hier erledigt“, erklärt sie. Das Geschehen in Neugersdorf habe sie immer rege verfolgt und sich über jede positive Veränderung gefreut, betont sie. Jetzt will sie mit dem Geschäft selbst dazu beitragen, dass es Neues gibt und dennoch Traditionen fortgesetzt werden.