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Neuer Putzplan für Kosel

Das Rathaus will die Hauptstraße im Ortsteil häufiger reinigen lassen. In Niesky bleiben indes Straßen länger dreckig.

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© André Schulze

Von Alexander Kempf

Vor Wolfgang Rückerts Haustür in Kosel könnte bald öfter gekehrt werden. Bisher fährt die Kehrmaschine zweimal pro Jahr durch die Hauptstraße im Ort. Hat ein Vorschlag der Stadtverwaltung Erfolg, könnte das Fahrzeug schon bald fünfmal jährlich den Asphalt putzen. Warum die Taktfrequenz erhöht werden soll, ist dem ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Niesky noch nicht ganz klar. Im Sommer, erzählt er, gebe es punktuell mal mehr Schmutz. Allgemein seien die Anwohner aber zufrieden. „Im Ort ist die Straßenreinigung kein Thema“, sagt Wolfgang Rückert.

Aber es könnte ein Thema werden. Denn wenn nun öfter geputzt werden sollte, entstehen mehr Kosten. An denen werden die Nieskyer traditionell beteiligt. Kommt die Kehrmaschine fünfmal im Jahr fallen pro Meter 62 Cent an. Fährt sie nur zweimal vor, sind es 45 Cent. Bei 50 Meter Grundstücksgrenze bedeutet das jedes Jahr acht Euro Aufschlag. Immerhin kommt die Kehrmaschine dafür doppelt so oft. Doch braucht es das überhaupt? Warum will die Stadt den bisherigen Takt auf der Krebaer Straße verändern?

Barbara Giesel stellt den Plan am Montagabend im Technischen Ausschuss vor. Die Leiterin Technische Dienste verweist auf eine Einschätzung des Bauhofes. „Das sind Erfahrungen, die der Kehrmaschinenfahrer gesammelt hat“, erklärt Hubertus Noll den Vorschlag aus seinem Haus. Der Leiter des Nieskyer Bauhofs hat auch gleich noch drei weitere Vorschläge auf den Tisch gebracht. So sollen in Niesky Teile des Badewegs und der August-Bebel-Straße künftig nur noch zweimal statt bisher fünfmal pro Jahr geputzt werden.

Im Ortsteil See könnte die Reinigung der Feldstraße sogar ganz eingestellt werden. Dort fehle es an einer Wendemöglichkeit für die Kehrmaschine, erklärt Barbara Giesel bereits im Technischen Ausschuss. Hubertus Noll bestätigt das. „Wenn dort ein Auto auf einem Privatgrundstück steht, kann die Kehrmaschine nicht wenden“, sagt er. Der Bauhof sei also abhängig vom guten Willen anderer. Das will der Leiter künftig vermeiden.

Ob die Kehrmaschine in den drei Straßen künftig vermisst wird? Immerhin sinkt im Gegenzug die finanzielle Belastung für die Anwohner. Das sieht in Kosel anders aus. Die Frage nach der Notwendigkeit dürfte hier also umso lauter gestellt werden. „Die Krebaer Straße ist in einem Zustand, der eine Reinigung mehr als zweimal im Jahr rechtfertigt“, sagt Hubertus Noll. Ortsvorsteher und Stadtrat Sandro Simmank aus Kosel vermutet, dass der Pflegeaufwand für die Straße nach deren Sanierung gestiegen ist. Dass sie nun öfter gereinigt wird, begrüßt er. Trotz Kostensteigerungen für die Anwohner. „Ich denke, das ist verträglich“, sagt er. Kosten und Nutzen stehen seiner Meinung nach in einem vernünftigen Verhältnis.

Zugleich wünscht sich der Ortsvorsteher, dass sich Bauhof und Landwirtschaft künftig besser abstimmen. Eine Straßenreinigung kurz vor der Ernte sei sinnfrei. „Wenn wir wegen der Agrargenossenschaft raus müssen“, stellt dazu Barbara Giesel klar, „dann kriegt die auch eine Rechnung.“ Die Betonung liegt auf dem Wörtchen wenn. Landwirt Reinhard Keller von der Agrargenossenschaft See, die in Kosel einen Standort unterhält, ist nicht der Meinung, dass sein Betrieb viel Schmutz macht. Es habe dazu zwar „oberflächliche Gespräche“ gegeben, aber keinen Streit.

Dabei sieht Reinhard Keller in Kosel durchaus Redebedarf. Doch nicht wegen einer vermeintlich schmutzigen Hauptstraße, sondern der Nebenstraße zu seinem „Kombinat“. Die nicht befestigte Zufahrt zum Standort der Agrargenossenschaft habe nämlich viele Löcher und Pfützen. „Das sind erbärmliche Zustände“, sagt der Landwirt und hofft, dass die Stadt in Zukunft Geld die Hand nimmt, um Abhilfe zu schaffen. Immerhin würden die 200 Meter täglich vom Betrieb genutzt.

Reinhard Keller, der oft durch Kosel fahre, kann nicht nachvollziehen, dass stattdessen nun die Krebaer Straße fünfmal pro Jahr geputzt werden soll. „Wer solche Vorschläge macht“, sagt der Landwirt, „scheint nicht in Kosel zu wohnen.“

Doch ganz unumstritten ist die Sauberkeit der Hauptstraße im Ort dann doch nicht, erklärt Ortsvorsteher Sandro Simmank. Denn als noch keine Kehrmaschine durch den Ort gefahren ist, so der Eindruck mancher, habe es mitunter besser ausgesehen. Da habe sich die Mehrheit der Bürger aber auch noch selbst verantwortlich gefühlt. Nun, da die Stadt für die Reinigung der Straße Geld einfordert, sei das Engagement deutlich gesunken. Bezahlt ist schließlich bezahlt. Lausitzer Sturheit nennt das der Ortsvorsteher.