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Obi enttäuscht Ex-Bahr-Angestellte

Der Baumarkt-Betreiber hatte die früheren Angestellten des Seidnitzer Marktes ermutigt, sich zu bewerben. Aber eingestellt werden sie wohl nicht.

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© Sven Ellger

Von Tobias Wolf

Der neue Baumarkt auf der Bodenbacher Straße ist kaum zu übersehen. Leuchtend orange präsentiert sich die frühere Filiale von Max Bahr in den Unternehmensfarben der Obi-Kette. Ende Februar hatte Max Bahr dort geschlossen. Wenig später verkündete der Konkurrent aus dem nordrhein-westfälischen Wermelskirchen die Übernahme der Filiale. Kommenden Montag soll der umgestaltete Baumarkt wieder seine Pforten öffnen. Für viele Anwohner von Seidnitz und Gruna dürfte dies eine gute Nachricht sein.

Ob die Kunden aus den umliegenden Wohngebieten dabei auch auf vertraute Gesichter in der Belegschaft stoßen, ist derzeit mehr als unsicher. Zwar hat Obi angekündigt, 70 neue Arbeitsplätze in Seidnitz zu schaffen und auch frühere Bahr-Mitarbeiter offensiv ermutigt, sich um die Jobs zu bewerben, unter anderem in verschiedenen Dresdner Tageszeitungen wie der SZ. Doch was in den Ohren der Angestellten des geschlossenen Baumarktes zunächst gut klang, entpuppt sich nun als unrealistische Hoffnung. Nach SZ-Informationen wird kaum jemand aus der früheren rund 30-köpfigen Belegschaft auch zum neuen Team gehören. Obwohl die Frauen und Männer Geschäft, Umgebung und Kunden sehr gut kennen, weil sie zum großen Teil über 20 Jahre für Max Bahr und seit 2006 an der Bodenbacher Straße gearbeitet haben.

Ex-Bahr-Angestellte Susanne Sommer* versteht nicht, warum sie und ihre Kollegen nun keine Chance auf die Jobs haben. „Einige hatten die Absage schon in der Hand, als Obi verkündet hat, wir sollen uns bewerben“, sagt die Mittfünfzigerin. „Wir fühlen uns richtig verarscht.“ Sommer hat sich mit ihren früheren Kollegen verbündet und ist so etwas wie die Sprecherin der Gruppe. Alle hätten sehr gute Arbeitszeugnisse von Max Bahr erhalten. An der Qualifikation könne es also eigentlich nicht liegen, sagt Sommer.

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Immer wieder würden sie auch von ehemaligen Kunden angesprochen. „Die freuen sich für uns, weil sie nach den Ankündigungen auch geglaubt haben, dass wir bald wieder dort arbeiten“, sagt Julia Reischl*. „Das ist wirklich bitter für uns.“ Zwar haben einige der 30 Ex-Bahr-Mitarbeiter inzwischen andere Jobs gefunden. 18 von ihnen hätten sich jedoch nach SZ-Informationen bei Obi beworben, nachdem der Konzern den Eindruck erweckt hatte, an ihnen interessiert zu sein. „Wir sind realistisch und hätten auch über Geld geredet“, sagt Susanne Sommer. „Uns ist ja klar, dass es nicht mehr so sozial sein würde wie bei Bahr.“ Offenbar die wenigsten erhielten überhaupt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. „Und dann gab es trotzdem eine Absage“, sagt Julia Reischl. „Ich bin mir sicher, dass wir schon vorher abgeschrieben waren.“ Inzwischen machen sich die früheren Bahr-Mitarbeiter keine Hoffnung mehr auf einen Job im Seidnitzer Baumarkt.

Obi war für die SZ weder schriftlich noch telefonisch zu erreichen, um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der ehemaligen Bahr-Mitarbeiter abzugeben. Dabei gibt es genügend positive Beispiele, wie frühere Märkte der Max-Bahr-Kette unter neuer Flagge weiterarbeiten können. Im vergangenen Sommer musste die Edelsparte des Praktiker-Konzerns im Gefolge der Pleite des Mutterkonzerns Insolvenz anmelden. Konkurrent Toom hat daraufhin in Gompitz nicht nur die Filiale, sondern auch gleich alle Mitarbeiter übernommen. Die Bauhaus-Kette hat bundesweit sogar 20 Märkte übernommen und auf diese Weise 1.300 Arbeitsplätze gesichert, unter anderem in Gera.

Warum dieses Übernahme-Modell in Seidnitz nicht funktionieren soll, ist zumindest für die Ex-Bahr-Mitarbeiter nicht zu verstehen. Obi dagegen stärkt mit der Neuansiedlung an der Bodenbacher Straße seine Marktposition in Dresden, denn bislang gibt es nur einen der orangefarbenen Märkte in der Landeshauptstadt.

*Namen auf Wunsch von der Redaktion geändert.