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Neuer Standort für die Kelterei?

Nach zwei Hochwassern sind an Neugreußnig hohe Auflagen geknüpft. Die Obstland AG hat schon Land erworben.

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© DA-Archiv

Von Tina Soltysiak

Dürrweitzschen. Weg vom Wasser hoch auf den Berg – das ist die grobe Marschrichtung, die die Obstland Dürrweitzschen AG für die Kelterei Sachsenobst mit Sitz in Neugreußnig vorgibt. So zumindest drückte es kürzlich der Vorstandsvorsitzende Gerd Kalbitz aus. Es bestehe die Option für einen Umzug nach Dürrweitzschen. „Wir haben bereits Land gekauft“, sagte Kalbitz. Die Firma stehe mit der Stadt Grimma im Gespräch. Denn um das Gewerbegebiet zu erweitern, müsste der Bebauungsplan geändert werden. „Wir sind aber noch in den Anfängen“, so Gerd Kalbitz.

Es ist ein Gedanke, mit dem sich der Mutterkonzern schon seit mehreren Jahren trägt. Denn die Kelterei in Neugreußnig steht im Überschwemmungsgebiet der Freiberger Mulde. Zweimal sind die Wassermassen bis ins Innere vorgedrungen: 2002 und zuletzt 2013. Das habe zu strengen Auflagen vonseiten der Versicherung geführt, so Kalbitz. So dürften beispielsweise am Uferstreifen keine Flaschen gelagert werden. Das sei eine Auflage der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes gewesen, so Kalbitz. Deshalb musste das Unternehmen nach der Flut 2013 sein Lager nach Geringswalde verlegen. Seitdem erfolgt von da aus die Auslieferung.

Die Sicherung des Produktionsstandortes habe für die Obstland Dürrweitzschen AG oberste Priorität, sagte Gerd Kalbitz. Die Abfüll- und Verpackungstechnik sei modern. Nach beiden Hochwassern seien Millionen in den Standort Neugreußnig investiert worden. „2013 lag die Schadenssumme bei 5,6 Millionen Euro. Sie wurde weitgehend von der Versicherung und dem Freistaat abgedeckt. Trotzdem ist das Unternehmen auf beträchtlichen Kosten sitzengeblieben“, so Kalbitz.

Die Voraussetzungen seien geschaffen, damit die Tochtergesellschaft Kelterei Sachsenobst weiter wachsen kann. „Wenn es die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zulässt, denken wir über einen Umzug von Neugreußnig an den Stammsitz in Dürrweitzschen nach“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Das heißt: Sollte der vorhandene Platz aufgrund der Kapazitätssteigerung irgendwann nicht mehr ausreichen, werde ein Neubau in Dürrweitzschen – und damit weit weg von einem Überschwemmungsgebiet – errichtet. Bis eine endgültige Entscheidung getroffen wird, werde die Geschäftsentwicklung des Unternehmens beobachtet, so Kalbitz.

Umsatzplus von knapp einer Million

Dass die Kelterei Sachsenobst GmbH zulegt, geht aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2015 hervor, der im August des vergangenen Jahres vorgestellt worden war: Es wurden 7 077 Tonnen Obst gepresst und zu Rohsäften sowie zu Fruchtsäften, -nektaren, -glühweinen und Obstweinen verarbeitet. 2014 seien es 6 821 Tonnen gewesen. „Die verarbeitete Obstmenge war einer der größten der vergangenen zehn Jahre und ermöglichte damit eine gute Auslastung der technisch gegebenen Verarbeitungskapazität“, heißt es im Konzernbericht. Die Annahme von Obst der Klein- und Kleinsterzeuger im Rahmen des Lohnmostgeschäfts aus Kleingärten und von Streuobstwiesen sei nach wie vor ein wichtiger Eckpfeiler der Geschäftstätigkeit der Kelterei Sachsenobst. 2015 gab es 17 Sammelstellen – und damit eine mehr als im Jahr zuvor. Es wurden 2 114 Tonnen Obst angenommen beziehungsweise aufgekauft. 2014 waren es 2 889 Tonnen.

Im Geschäftsfeld Obsterverarbeitung, sprich der Kelterei, habe der Umsetzerlös bei reichlich acht Millionen Euro gelegen. Gegenüber 2014 machte das ein Umsatzplus von rund 930 000 Euro aus. Die Kelterei wies 2015 einen deutlichen Gewinn aus. „Die flutbedingten Einschränkungen sind größtenteils beseitigt, jedoch ist ein optimaler Produktionsablauf noch nicht vollständig wiederhergestellt. Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnis in diesem und der letzten Jahre besonders zu würdigen“, so Gerd Kalbitz.

Im Bereich der Früchteverarbeitung wurde zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit 2015 unter anderem in eine neue Abfülllinie und Maischeerhitzung für die Presserei mit einem Volumen von rund 1,2 Millionen Euro investiert. Eine weitere halbe Million sei in die Anzahlungen für einen neuen Füller, ein Reinigungssystem (Cip-Anlage) sowie in eine thermische Produktionsbehandlung geflossen.