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Neuer Startpunkt für den Citybus

Der Bus fährt ab 1. Juni direkt vom Bahnhofsvorplatz in Pirna ab, nicht mehr vom Busbahnhof. Die Kritik an der Route aber bleibt.

© Daniel Förster

Von Thomas Möckel

Pirna. Bahnreisende, die vom Pirnaer Bahnhof direkt weiter in die Altstadt wollten, hatten nie viel Auswahl. Entweder sie gingen den Kilometer bis zum Marktplatz zu Fuß oder nahmen ein Taxi. Der öffentliche Nahverkehr fuhr Altstadt und Schifftorvorstadt nicht an. Vor knapp einem Jahr gesellte sich der Citybus zu dem Angebot, der seither regelmäßig durch die Altstadt pendelt. Aber auch die gemütliche Schunkel-Karosse ließ sich bisher nur über einen Fußweg vom Bahnhof zum Busbahnhof erreichen. Das ändert sich jetzt.

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Die Stadt Pirna und die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) lassen den Citybus ab 1. Juni direkt vom Bahnhofsvorplatz starten, eine Haltestelle ist eingerichtet. Die Betreiber versprechen sich vom geänderten Routenbeginn einen Aufschwung bei den Fahrgastzahlen, hervorgerufen hauptsächlich durch Bahnreisende, die aus dem Zug dann direkt in den Bus umsteigen und in die Altstadt fahren können. Das bereits für den Zug gelöste VVO-Ticket gilt auch für den Bus, es muss nichts extra gezahlt werden. Aber auch sonst ist der Fahrpreis für die motorisierte City-Kutsche nicht allzu üppig: Das Tagesticket kostet 1,50 Euro.

Der mobile Innenstadt-Umkreiser muss vor allem bei den Fahrgastzahlen zulegen, soll das Projekt die zweijährige Testphase auch über den Sommer 2019 hinaus überleben. Seit Juli vergangenen Jahres steuert der neuerdings mit Pirna-Motiven beklebte Bus werktags im Halbstundentakt acht Haltestellen zwischen Busbahnhof, Marktplatz und Nicolaistraße an. Das Problem allerdings: Der Busfahrer ist häufig auch zugleich der einzige Fahrgast. Selbst Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) räumt inzwischen ein, dass die Nutzerzahlen noch viel Platz nach oben bieten. Und die Daten sprechen eine deutliche Sprache: Nach Auskunft des Rathauses zählte der Citybus von Juli bis einschließlich Dezember letzten Jahres 4 729 Fahrgäste – das sind im Schnitt 788 Fahrgäste monatlich, etwa 30 pro Tag, macht bei 20 Runden 1,5 Fahrgäste je Runde.

Weitaus dramatischer sieht es für dieses Jahr aus. Von Januar bis einschließlich Mai fuhren 2 076 Fahrgäste mit dem Citybus – das wäre statistisch im Schnitt nicht einmal ein Fahrgast pro Runde. Laut Stadt sind diese Zahlen jedoch nicht belastbar und spiegeln nicht den tatsächlichen Stand wider. So wurden im Februar die Zahlen wegen eines technischen Problems nicht wirklich erfasst. Aber das generelle Problem der geringen Auslastung bleibt.

Muntere Haltestellen-Ansage

Um das Geschäft anzukurbeln, ließ Pirna den Citybus schon 2017 massiv bewerben. So wurden bei städtischen Feiern Faltblätter verteilt, im Fahrgastfernsehen der S-Bahn liefen Reklamefilmchen. Doch der Erfolg blieb bislang aus.

Möglicherweise liegt das auch daran, dass ein Großteil der geäußerten Kritik bisher nicht Eingang in das Projekt fand. So wünschen sich viele Pirnaer, darunter die Seniorenvertretung, dass der Stadtschleicher auch am Ärztehaus am Felsenkeller, an einem der innerstädtischen Supermärkte und ebenso am Seniorenheim an der Einsteinstraße hält. Sogar ein Abstecher nach Copitz steht auf der Wunschliste.

Pirna und OVPS argumentierten bislang, dass es nicht einfach sei, die Route zu verändern und zu erweitern – weil dann der Halbstunden-Takt nicht mehr funktioniere. Pirna will nun die erste Halbzeit der Testphase auswerten, die Ergebnisse sollen in die zweite Hälfte einfließen. Die Stadt rechnet damit, dass es einen langen Atem braucht, um die Linie zu etablieren.

Derweil bietet Pirna zumindest noch einen akustischen Anreiz, den Citybus zu besteigen, denn bald wird ein bekannter Sachse die Fahrgäste begleiten. Die Stimme von Schauspieler Tom Pauls löst die bisher schnöde Haltestellenansage ab. Auf der Tour durch die Innenstadt wird Pauls dann in seiner ganz eigenen munteren Art auch Wissenswertes über die Altstadt per Lautsprecher berichten.