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Wirtschaft

Neuer Tiefstwert bei Arbeitslosenzahl

Seit Jahren kennen die Arbeitslosenzahlen in Sachsen nur einen Weg: Abwärts. Der Bedarf an Fachkräften ist nach wie vor hoch.

© Jens Kalaene/dpa

Chemnitz. Sachsen hat immer weniger Arbeitslose. Im Oktober waren im Freistaat 109.100 Männer und Frauen erwerbslos gemeldet. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz am Mittwoch mitteilte, betrug die Arbeitslosenquote 5,1 Prozent. Dies sei der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen ab 1991.

Gegenüber dem bisherigen Rekordtief im Vormonat sank die Arbeitslosenquote noch einmal um 0,1 Prozentpunkte. Im September waren rund 111.000 Menschen im Freistaat ohne Arbeit. Vor Jahresfrist betrug die Quote 5,5 Prozent. 117.000 Menschen waren im Oktober 2018 in Sachsen arbeitslos.

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Als Grund für die positive Entwicklung nannte die Regionaldirektion die fortgesetzte Herbstbelebung. Zwar sei laut Arbeitsagentur der Rückgang weniger stark ausgefallen als zum gleichen Zeitpunkt 2018, dies gebe aber keinen Anlass zur Sorge. "Der Arbeitsmarkt zeigt sich insgesamt weiterhin robust und stabil", sagte Klaus-Peter Hansen, Leiter der sächsischen Regionaldirektion.

Nach seiner Einschätzung könnte der Trend anhalten. Der Bedarf an Fachkräften in den Unternehmen sei nach wie vor hoch, sagte Hansen. "Das belegt auch das weiterhin hohe Niveau von 38.300 freien Arbeitsstellen", sagte er. Erneut wies Hansen darauf hin, dass Unternehmen bis zu 100 Prozent Förderung für Lehrgangskosten durch die Arbeitsagenturen und Jobcenter erhalten können, wenn sie ihre ungelernten Mitarbeiter zu Fachkräften entwickelten. "Wir sind Teil der Lösung und helfen", betonte er.

Den größten Bedarf an Arbeitskräften hat nach wie vor der Bereich der Zeitarbeit mit mehr als 11.400 freien Stellen. Dahinter folgen Betriebe aus dem Verarbeitenden Gewerbe (4.600), aus dem Bereich Handel/Instandhaltung sowie Reparatur von Kraftfahrzeugen (3.600) sowie Unternehmen aus der Branche Gesundheits- und Sozialwesen (3.500).

Ungewöhnlich für die Jahreszeit

In ganz Deutschland sank die Zahl der Arbeitslosen im Oktober auf rund 2,204 Millionen. Das waren 30.000 Arbeitslose weniger als im September und nahezu genauso viel wie vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent.

Vor einem Jahr war die Arbeitslosenquote erstmals seit der Wiedervereinigung unter die 5-Prozent-Marke gesunken. Die Bundesagentur sprach damals von einem Beschäftigungsrekord dank des jahrelangen Wachstums. Im vergangenen Monat hatte die Herbstbelebung die Zahl der Arbeitslosen mit 2,234 Millionen auf den niedrigsten September-Stand seit der Wiedervereinigung sinken lassen.

Doch inzwischen gehen Experten von einem Ende des Aufwärtstrends aus. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen in den nächsten Monaten. Die exportorientierte Industrie leidet unter ausbleibenden Bestellungen. Aber auch in der Zeitarbeit sowie der Verkehrs- und Logistikbranche macht sich der Abschwung bemerkbar. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist in diesen Branchen im Oktober deutlich gesunken.

Führende Volkswirte befürchten, dass die Flaute in der Industrie auch auf andere Wirtschaftszweige übergreift und der private Konsum zunehmend ins Wanken gerät. So hatte das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK für November den niedrigsten Wert beim Konsumklima seit Herbst 2016 ermittelt. (dpa)