merken

Neues aus der Wolfszone

CDU und SPD wollen Weidetiere besser schützen. Eine Idee: Wölfe sollen nur in bestimmten Gebieten leben.

© dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Von Thilo Alexe

Sachsens Regierungskoalition strebt einen restriktiven Umgang mit dem Wolf an. CDU und SPD im Landtag fordern das von ihr gestellte Kabinett zu umfassenden Prüfmaßnahmen auf. So soll die Landesregierung klären, ob mehr Möglichkeiten gefunden werden können, um Wölfe zu schießen. Bislang ist die sogenannte Entnahme nur in streng geregelten Ausnahmefällen möglich.

Anzeige
Wirtschaftsnewsletter im neuen Gewand
Wirtschaftsnewsletter im neuen Gewand

Ab sofort erscheint unser Newsletter "Wirtschaft in Sachsen" mit noch mehr Inhalten sowie einem übersichtlicheren und frischeren Aussehen.

Weiteres Thema des Antrages, der im Frühjahr im Landtag behandelt wird, ist der Lebensraum des Wolfes. CDU und SPD fragen, ob dieser langfristig „auf Schutzzonen konzentriert werden kann“. Diese sollten „vorrangig in bereits bestehenden Naturschutzgebieten und Nationalparks liegen“, heißt es in dem von den Fraktionschefs Frank Kupfer (CDU) und Dirk Panter (SPD) unterzeichneten Papier.

Es ist Teil einer politischen Kehrtwende, die sich angesichts der Ausbreitung des Raubtieres abzeichnet. „Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, wo angesichts der stetig steigenden Zahl an Wölfen eine intensive bundesweite Diskussion stattfindet“, schreiben die Koalitionspartner. In der Tat: Ende des vergangenen Jahres lebten in sieben Bundesländern 60 Rudel, 13 Wolfspaare und drei Einzeltiere, in Sachsen sind es 14 Rudel und fünf Paare.

Bundesweit geht es um geschätzt 170 ausgewachsene Wölfe, dazu kommen noch Jungtiere und Welpen. Das klingt nicht nach viel, dennoch zeugen die Zahlen von Dynamik. In den 1990er-Jahren wanderten die geschützten Tiere von Polen nach Sachsen ein, 2000 zog erstmals wieder ein Wolfspaar Welpen groß. Seither breiten sich die Tiere von Ostsachsen aus. Mehr als 2 000 Nutztiere haben sie zwischen 2002 und 2015 deutschlandweit nach Angaben einer Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes gerissen.

CDU und SPD stellen zwar fest, dass die „rasante natürliche Wiederansiedlung und Ausbreitung“ der Wölfe unterschiedliche Reaktionen auslöst, darunter auch „Freude und Faszination“. Allerdings betonen sie: „In der Bevölkerung kursieren Befürchtungen; die Tierhalter in den Wolfsregionen haben große Sorgen.“ Nach wie vor steht der Wolf unter strengem, nach EU-Recht geregeltem Schutz. Der macht das Zurückdrängen der Tiere nahezu unmöglich. In ländlichen Regionen wächst der Unmut, den bereits vor zwei Jahren die AfD aufgegriffen hat. Sie forderte damals eine Obergrenze für Wölfe.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schrieb Anfang März mit Blick auf Sachsen: „Wenn die Politik Bürger und Bauern nicht vor den Wölfen schützt, dann gibt’s eben ‘Triple S’: schießen, schaufeln, schweigen.“ Das mag übertrieben klingen, illustriert aber die Stimmung in Teilen des Landes. Möglicherweise auch deshalb wollen die Koalitionsfraktionen den Kern des Wolfsschutzes verändern. In dem Antrag ist, wenn auch leicht verklausuliert, die Rede davon, dass der Wolf „aus dem sehr strengen Schutz“ einer europäischen Richtlinie „herausgelöst werden kann“. Wie viel von all dem umgesetzt wird, ist noch unklar. Doch zumindest haben CDU und SPD im Landtag eine Mehrheit, die Strategie dürfte mit der Regierung abgestimmt sein.

Aus dem Antrag könnten Bundesratsinitiativen entstehen. Womöglich macht Sachsen auch mithilfe von Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) in Brüssel Druck. Der Antrag jedenfalls ist weit gefasst: Wölfe nur in bestimmten Zonen, erleichterte „Entnahme“ und die Herabsetzung des Schutzgrades bedeuteten einen tiefgreifenden Wandel im Umgang mit dem Tier.

Auch die Grünen im Landtag befassen sich mit dem Wolf. Sie fordern eine Wolfsverordnung nach dem Vorbild Brandenburgs. In ihr soll noch klarer als bislang geregelt werden, wann ein Tier geschossen werden darf. Nach Grünenvorstellung kann das vereinfacht formuliert nur geschehen, wenn der Wolf gegenüber Menschen ein „konkret aggressives Verhalten“ zeigt oder mehrfach in gesicherte Bestände von Weidetieren eingedrungen ist. Allerdings dürfe das Schießen nur letztes Mittel sein. Zuvor müsse versucht werden, Wölfe zu verscheuchen und mit Gummigeschossen zu vergrämen.

Auch die Grünen stellen fest, dass es „zunehmende Konflikte“ von Mensch und Wolf gibt. Das betreffe nicht nur Halter von Nutz- und Weidetieren: „Auch beim Kontakt mit Menschen kann in Einzelfällen Konfliktpotenzial bestehen.“ Als Beispiel nennen die Grünen die Annäherung von Wölfen an Ortschaften „ohne Scheu“. Auch dafür müsse die Wolfsverordnung Handlungsmöglichkeiten finden.