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Kamenz

Neues Bad fürs Lange Gässchen

Das Kinderhaus Langes Gässchen in Kamenz wird 150 Jahre alt. Das größte Geschenk macht es sich gerade selbst.

© Matthias Schumann

Kamenz. Schau mal, wie schön das plätschert. Funktioniert der Wasserhahn auch richtig? Der zweijährige Finn darf an diesem Montagvormittag alles abchecken. Und er tut es mit größtem Gefallen. Das Wasser rinnt zwischen seinen kleinen Fingern ins nigelnagelneue Waschbecken. Durch seine Brille beobachtet er alles ganz genau. Installateur Sebastian Ruprecht von der HSKG hilft dabei. Die Kamenzer Firma baut zusammen mit der Firma Elster-Bau Wittichenau seit einigen Monaten an den neuen Sanitäranlagen im Kinderhaus Langes Gässchen. Nun steht man kurz vor der Übergabe. Zur Freude aller.

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Denn die Überbrückungszeit war schon lang. Zusammenrücken hieß es da. Doch das sind die Erzieherinnen, Kinder und Eltern durchaus gewöhnt. Einiges läuft hier anders. Das Haus wird von einem Verein betrieben – der Elterninitiative Kinderhaus Langes Gässchen e. V. Das ist eher ungewöhnlich in den hiesigen Breitengraden, aber ein sichtlich erfolgreiches Konzept. Dass die Einrichtung mittlerweile 150 Jahre auf dem Buckel hat und in Sachen Beliebtheitsgrad noch immer ganz oben mitmischt, kommt nicht von ungefähr. Man leistet sich seit vielen Jahren eine eigene Küche samt Köchin. Das Konzept ist grün und gesund. Man setzt auf viel Bewegung an der frischen Luft, tägliche Körper- und Bewegungserfahrungen. Die Eltern bringen sich ein, leisten fleißig Arbeitsstunden, dürfen aber auch mitreden.

Mehr Plätze im Angebot

„Demnächst haben wir 84 Plätze zu bieten im Krippen- und Kindergartenbereich“, sagt Leiterin Ulrike Kadenbach. Vier Stück mehr sind das als bisher. Sie werden möglich, da man eben jene neuen Sanitäranlagen im Erdgeschoss gebaut hat. Dadurch kann der komplette Krippenbereich aus der ersten Etage hinunterziehen. Lange hat man daraufhin gearbeitet. Die alten WC waren verwinkelt und dunkel. Ungünstig strukturiert und erfüllten auch einfach die modernen Ansprüche nicht mehr.

Betritt man nun das künftige Areal, wirkt alles weit und hell. Die bereits vorhandenen Fenster fallen erstmals überhaupt auf. Es gibt vier WC-Einheiten mit unterschiedlichen Höhen und Größen der Sitze – gemacht für die allerkleinsten Popos. „Sauberkeitserziehung wird hier noch leichter fallen“, meint Ulrike Kadenbach. Auch für die Erzieherinnen selbst vereinfachen sich viele Abläufe. Das Händewaschen wird am Becken-Terminal in der Mitte des Raumes mit großen Spiegeln und verschiedenen Abflüssen sicherlich Spaß machen. Dazu gibt es neuerdings eine geräumige Dusche. Und genügend Platz für den Wickeltisch. „Der Plan, die Anlagen zu erneuern, ist bereits viele Jahre alt und wurde immer wieder verschoben. Seit 2009 haben wir das auf dem Schirm. Nun kommt es endlich zum Abschluss“, so die Chefin. Ganze 70 000 Euro kostet die Sanierung, 38 500 Euro davon trägt die Stadt. Der Rest musste allein gestemmt werden. Als großes Geschenk zum 150. Jubiläum kommt das neue Bad also gerade recht.

Überraschungen beim Kindergartenfest

Gefeiert wird der Geburtstag mit einem Kindergartenfest am 28. September. Dann wird man auch in die Historie schweifen. Viele Überraschungen stehen an. Man darf gespannt sein. Der größte Wunsch wäre übrigens noch eine neue Schaukel. Diese kostet etwa 5 000 Euro. „Wir gehen bald ans Spendensammeln“, so Ulrike Kadenbach. Jeder Euro ist willkommen.

Die älteste Kindereinrichtung der Stadt Kamenz

Februar 1864:  Pastor Schwabe initiiert die Gründung der Kleinkinderbewahranstalt. 59 Mitglieder wählen ein Komitee, die Stadt unterstützt es. Ein Anstaltslokal an der Klosterkirche wird gemietet.

15. Februar 1869:  Die Kleinkinderbewahranstalt wird eröffnet. Sie hat Platz für 20 Kinder.

4. November 1873: Ein neues Anstaltsgebäude mit 45 Kindern am Langen Gässchen wird eingeweiht.

1904:  Der Bedarf steigt auf 60, ein Seitenflügel zum Nachbargrundstück Behnisch wird angebaut.

1920 bis 1925: Auf Ersuchen des Rates wird der städtische Kinderhort 1920 der Anstalt angegliedert. Wegen geringer Kinderzahl bleibt die Anstalt aber 1921 - 1925 zu.

Am 1. Januar 1925 verpachtet der Vorstand die Anstalt an den Sächsischen Gemeinschaftsverein, der diese sofort eröffnet.

1922 bis 1945: Es werden Freistellen für Kinder aus bedürftigen Familien eingerichtet. Während des Krieges bemüht sich die Stadt um

1945: Die „Rote Hilfe“ übernimmt das Haus.

1946: Die Stadt übernimmt die Einrichtung.

1973: Der Kindergarten wird durch neu geschaffene Einrichtungen entlastet, die Gruppenanzahl sinkt auf 4.

1980: Eine Gruppe behinderter Kinder wird für zwei Jahre im Kiga eingegliedert.

1989/90:  Die Bausubstanz ist schlecht. Dem Haus droht die Schließung. Außerdem wirkt der Geburtenrückgang langsam.

29. April 1991:  Die Elterninitiative „Hilfe den Kindern der Lessingstadt“ gründet sich.

1994:  Das Haus wird grundsaniert.

Heute heißt der Verein Elterninitiative Kinderhaus Langes Gässchen und ist der einzige Gesellschafter der gGmbH, des Trägers des integrativen Kinderhauses. Aktuell gibt es 84 Plätze.

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