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Neues Gebäude für die Gurtfabrik

Über eine Million Euro investiert die Firma SHZ aus Großröhrsdorf und erweitert. Der Anbau ist fast fertig.

© René Plaul

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Der Anbau steht. Kräftig Grün hebt sich das neue Gebäude der Sächsischen Hebe- und Zurrtechnik GmbH (SHZ) vom weißen Altbau ab. Weiß und Grün sind die Firmenfarben der Großröhrsdorfer. Das Grün hat nun etwas mehr Gewicht bekommen. Wichtiger ist natürlich, was drin passiert. Weil es schon wieder zu eng in der Produktion geworden ist, hat die SHZ nun schon zum dritten Mal erweitert. Nach zwei Hallen nun ein Anbau: „Auf jeden Fall unser größtes Projekt“, schätzen die beiden Geschäftsführer Günter und Matthias Böhme ein. Mit neuer Produktionstechnik eine Investition von rund 1,5 Millionen Euro. Dazu kommen noch Umbauten im Altbau. Auch sämtliche Elektrokabel, die noch aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammten, sind nun auf dem neusten Stand.

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Daniel Kretschmer vom Malerbetrieb Kulcsár tapeziert die Wände. Noch stehen im künftigen Speise- und Pausenraum die Maler auf dem Gerüst. © René Plaul

Der Innenausbau läuft derzeit noch. Ein Schmuckstück wird der neue Speise- und Pausenraum mit Küchenzeile. Dafür holten sich Günter und Matthias Böhme, sogar einen Innenarchitekten ins Haus. Der gestaltete zum Beispiel gemütliche Sitzabteile mit Schallschutz, um den Lärmpegel im Saal zu dämpfen. Erstmals über einer Sitzgruppe zum Test. Auch hier spielt die Firmenfarbe Grün eine Rolle. Das mündet in einem Wandbild als Blickfang, das den Eindruck eines Waldes an der Stirnseite entstehen lässt. Mitten durch den „Forst“ geht es in einen Beratungsraum. Den gab es bisher nicht. „Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, abschalten können.“ Der bisherige war klein und auch nicht so attraktiv. So packte mancher Mitarbeiter die Schnitten lieber an der Maschine aus. An den Pausenraum schließt sich noch eine Dachterrasse, von der der Blick über die Stadt gleiten kann. Für die Frauen entstehen außerdem größere Umkleideräume. Die Brandmeldeanlage wird derzeit noch installiert, mit immensem Aufwand. So mussten wegen des Anbaus auch sämtliche Türen zum Altbau gewechselt und durch wuchtige Brandschutztüren ersetzt werden. Außerdem sind die Heizungsbauer noch im Haus.

Heißer Start Anfang Mai

Anfang Mai ist der heiße Start für die Produktion in den neuen Räumen geplant. Ungefähr so, war das auch vor einem Jahr anvisiert worden. Ein paar Abnahmen fehlen noch, bis es so richtig losgehen kann. Die Produktionsfläche steigt um 600 Quadratmeter und verdoppelt sich damit fast. Dann muss auch der neue Vollautomat laufen. Die Mitarbeiter haben jetzt den Probebetrieb begonnen. Der hakt noch ein bisschen. Das sei normal bei so einer komplexen Maschine. Ein Facharbeiter überwacht die Produktion, während sich das Rohmaterial wie von Geisterhand bewegt durch die Maschine schiebt. Am Ende fällt eine fertig verpackte Schlinge heraus. 2 000 Schlingen pro Tag schafft der Automat in zwei Schichten, das Zweifache als mit herkömmlicher Technik. Sieben Millionen Meter Bandmaterial verarbeiten die Großröhrsdorfer mittlerweile im Jahr. Vor 10 Jahren waren es noch reichlich zwei Millionen weniger. Aber nicht nur die Produktion steigt. Auch in der Mitarbeiterzahl geht die Tendenz nach oben. Seit dem Start vor 16 Jahren mit drei Leuten auf 59 mit Zeitarbeitern. Dazu zwei Lehrlinge. Hochwertige Produkte sind das Ausschlaggebende, um gegen die Billigkonkurrenz aus China bestehen zu können. Deshalb investierte die Firma auch in eine eigene Prüfmaschine, um die wichtigen Qualitätssiegel vorweisen zu können. Ehrlichkeit und Zufriedenheit den Kunden gegenüber sind ein weiteres Kriterium für den Erfolg. Aber das Wichtigste seien gute Mitarbeiter, sagt der Seniorchef. Um sie in den Betrieb zu holen und zu halten hat die SHZ mit dem Anbau eben auch kräftig in die Arbeitsbedingungen investiert - siehe Pausenraum. Weniger hilfreich sei allerdings die deutsche Bürokratie. Die mache den Unternehmern zu schaffen und ist im Wettbewerb mit ausländischer Konkurrenz nicht von Vorteil. Schlimm sei der Wust an Statistiken, die ständig abgefordert werden, auch Datenschutzvorgaben und völlig überzogene Bauvorschriften, die Initiativen hemmen. Ein Beispiel: Im Treppenhaus des 120-jährigen Altbaus ließen die Chefs jetzt die Fenster kurzerhand zumauern. Die geforderten Brandschutzfenster hätten wohl ein kleines Vermögen gekostet.

Zum Glück brummt die Wirtschaft trotzdem, und es werden auch mehr Großröhrsdorfer Schlingen und Zurrgurte gebraucht. Aufträge seien genug da, vor allem auch aus der Stahl- und Fertighausindustrie. An Gurten und Schlingen aus Großröhrsdorf Schweben zum Beispiel die Elemente der Häuser über die Baustelle. Auf anderen Gebieten ersetzen Schlingen und Gurte das bisher gebräuchliche Stahlseil bei Verpackung und Transport. Denn Gurte sind viel einfacher zu handhaben.

Export nach Osteuropa wächst

So rechnet SHZ in diesem Jahr, die Umsatzmarke von 8 Millionen Euro zu knacken. Allerdings machen steigende Rohstoffpreise zu schaffen. Dafür wächst auch der Export, nach Spanien und Frankreich, aber besonders nach Osteuropa. Der Exportanteil sei im Januar auf 40 Prozent gestiegen, ein Rekord. Gerade in osteuropäischen Ländern seien die Kunden bereit, auch einen höheren Preis für Qualität aus Deutschland zu zahlen. Und auf die achten die Großröhrsdorfer: Auf Verlässlichkeit, Lebensdauer und ein Höchstmaß an Sicherheit: „Denn wenn so ein Gurt reißt, sind Menschenleben in Gefahr.“ Und der Fall soll natürlich nicht eintreten.