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Neues Gesicht für Scheune-Vorplatz

Ab September wird die Fläche umgebaut. Aber es gibt kontroverse Meinungen, ob Händler Gebühren zahlen sollen.

© Christian Juppe

Von Ulrike Kirsten

Kaum ein anderer Ort in der Neustadt sagt mehr über das Viertel aus als der Platz vor dem Kulturzentrum Scheune an der Alaunstraße. Hier versteht man, wie die bunte Neustadt funktioniert. Ob Punker oder Student, Künstler oder Hipster, zwischen Litfaßsäule und Photobox trifft sich die halbe Neustadt zum Plauschen und Entspannen. Er ist ein Stück Identität und deshalb besonders schützenswert. „Dieses Mäuerchen, auf dem wir hier gerade sitzen, das ist schon Kult“, sagt Magnus Hecht, Vorsitzender des Scheune-Vereins.

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Die Neustädter wüssten, dass sie immer jemand vor der Scheune treffen, mit dem man sich gut unterhalten könne. Verabreden sei da nicht immer zwingend notwendig, sagt Hecht. „Der Platz mit seiner Sandsteinmauer macht ein Stück des neustädtischen Zaubers aus.“ Nun muss sie gemeinem Beton weichen. Zwar hatte die Stadt Vereine, darunter auch die Scheune und andere Initiativen wie die Schwafelrunde, in die Vorplanungen einbezogen. Doch viele Neustädter fürchten, dass aus dem Ort ein zweiter Postplatz werden könnte, ungenutzt, ein Ort, an dem jeder schnell vorbeihuscht, sich ungern länger aufhält.

An der Gestaltung ist aber nichts mehr zu rütteln. Die Linke hatte das zwar bis zuletzt versucht, war aber im Neustädter Ortsbeirat mit ihrem Antrag gescheitert. Doch auf ihre Initiative hin beschloss der Stadtrat, dass die Verwaltung gemeinsam mit Scheune, Katys Garage und anderen Initiativen ein Nutzungskonzept erarbeitet. Am 1. September gibt es dazu ein erstes Treffen, bis Ende September soll das Konzept dem Gremium vorgelegt werden. „Der Platz ist für die Neustadt wichtig. Wenn er zu öffentlichem Raum wird, verändert das seine Nutzung“. sagt Magnus Hecht. Bisher gehörte er zum Scheune-Areal.

Denn geht es nach der Stadt, soll die Fläche vor der Scheune, wo derzeit ein Gemüsestand von Elbefrucht und ein Imbisswagen stehen, nach seiner Umgestaltung öffentlich gewidmet werden. Das hieße, dass die Händler künftig Anträge auf Sondernutzung bei der Stadt stellen müssten, um ihre Stände aufbauen zu dürfen. „Die Fläche war mal geplant, dass die Tourbusse der Bands direkt vorm Haus parken können. Andere Clubs haben das auch mit genutzt“, sagt Magnus Hecht. Für die Scheune wäre es ein herber Verlust, wenn der Raum öffentlich wird. „Wir nutzen den Platz bei Veranstaltungen wie Schaubudensommer, Weihnachtsmarkt oder BRN. Uns wird die Fläche fehlen.“

Wird sie öffentlich, könnte jeder ansässige Gastronom Anträge auf Sondernutzung des Platzes stellen, die Stadt somit zusätzlich Gebühren einnehmen. Mit der öffentlichen Widmung werde gesichert, dass die neu geschaffene Platzfläche von allen Bewohnern und Besuchern zu jeder Zeit genutzt werden könne, teilt hingegen das Stadtplanungsamt mit. Die Absicht, einen neuen öffentlichen Platz zu bauen, sei ohne Umwidmung nicht umzusetzen. „Hier ist dann Platz für 80 Stühle. Für uns würde das Einnahmeverluste und zusätzliche Ausgaben bedeuten“, sagt Magnus Hecht. „Wir hoffen, dass die Gespräche mit der Stadt Klarheit bringen, wie der Platz künftig genutzt werden kann, ob es weiter kleine Märkte gibt, ob Kunst eine Rolle spielen könnte.“ Die Umwidmung betrachtet die Scheune jedoch als unnötig.

Zwar hat Hecht generell Verständnis, dass die Stadt den Platz umgestalten will. Seit Mitte der 1990er-Jahre verfolgt die Stadt diese Idee. Bewohner hatten in der Vergangenheit den Wunsch geäußert, dass mehr öffentliche Plätze in der Neustadt entstehen, weil es davon zu wenige gebe. „Früher war das aber notwendiger als heute. Der Ort hat sich quasi selbst zu dem entwickelt, was er heute ist: ein Treffpunkt für die Neustädter und ihre Gäste.“

Magnus Hecht ist froh, dass die Fläche heute ein so schöner Platz ist. „Als wir 2007 hier angefangen haben, war das noch ganz anders. Damals krachte es regelmäßig auf der Alaunstraße und es gab sehr unschöne Szenen“, sagt der Vorsitzende des Scheune-Vereins. „Die Neustädter haben dann lieber die Straßenseite gewechselt, um schnell am Pulk vorbeizukommen. Heute halten sich die Leute gern hier auf, ohne neumodische Betonbänke.“