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Neues Leben für das Eventwerk

Im Inneren des Industriebaus wird umgebaut. Anfang Oktober eröffnet dort nicht nur ein Klub.

© Christian Juppe

VonSarah Grundmann

Das Klubleben ist tot. Das zumindest behauptete der einstige Dresdner Party-König Christian von Canal vor Kurzem. Er widmet sich nun lieber der Systemgastronomie, hat eine Filiale der mexikanischen Franchise-Kette Enchilada auf der Wilsdruffer Straße eröffnet. Aus den Geschicken der Party-Location Eventwerk auf der Hermann-Mende-Straße im Industriegelände hat er sich hingegen zurückgezogen. Dort sind jetzt zwei junge Männer am Drücker, die es ganz anders sehen als von Canal. Für Oliver Tschentscher und Philip Grundmann ist das Klubleben alles andere als tot. Sie wollen dem Eventwerk neues Leben einhauchen.

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Ein völlig neues Lebensgefühl
Ein völlig neues Lebensgefühl

Das Frühjahr wird oft zum Abspecken und für Diäten genutzt. Doch wer nachhaltig fit und gesund bleiben möchte, sollte auf eine andere Strategie setzen.

Von außen weist nur wenig darauf hin: Ein paar Baken stehen auf dem Gelände, hin und wieder rollen Baufahrzeuge an. Doch im Inneren der einstigen Industriehalle wird seit Wochen gewerkelt. Als sich von Canal zurückgezogen hat, kam der Eigentümer der Veranstaltungsstätte, die Berliner Firma Golden Door, auf Tschentscher und Grundmann zu. Sie sollten frischen Wind in das bislang verstaubte Konzept bringen. Der Plan: Die große Konzerthalle soll weiter für Events wie die Tattoo-Convention oder Konzerte mit viel Andrang genutzt werden. Rund 2 300 Leute finden in dem loftartigen Raum Platz. Doch daneben soll noch etwas anderes entstehen: Gleich drei neue Klubs soll die totgesagte Klublandschaft in Dresden erhalten.

Grundrisse müssen nicht verändert werden. Denn schon vor dem Wandel gab es im Eventwerk verschiedene Floors. „Jetzt bekommen diese aber erstmals eine richtige Struktur: Eine eigene Seele, eigene Veranstalter und Internet-Auftritte“, so Tschentscher. Aus dem einstigen „Washroom“, dem „Golden Room“ und der „Lounge“ werden somit eigenständige Klubs mit separaten Eingängen und Konzepten. Verschiedene Musikrichtungen sollen unterschiedliches Publikum anlocken.

Das künftige Konk wird von Tschentscher geleitet. Und der ist in der Dresdner Party-Szene kein Unbekannter. Bereits in den 1990er-Jahren hat er als DJ Thrill mit dem Auflegen angefangen. „Ich bin damals durch ganz Deutschland gereist, habe bei After-Show-Partys von großen Bands vor bis zu 3 000 Leuten aufgelegt“, erinnert er sich an eine turbulente und aufregende Zeit. 2007 öffnete er schließlich seinen ersten eigenen Klub in Dresden – das Metronom auf der Louisenstraße. Doch schon nach fünf Jahren war damit wieder Schluss. „Mit 35 habe ich mich einfach zu alt für eine Bar gefühlt, die Arbeit hat geschlaucht und ich wollte Kinder“, erklärt er. Doch so einfach hat der Vermieter ihn aus seinem Vertrag nicht herausgelassen. „Das war so ein Gemauschel, ich habe viel Geld und Kraft verloren“, sagt Tschentscher. Deswegen zog er sich aus der Veranstaltungsbranche zurück, machte seinen Traum wahr und wurde Vater. Seine kleine Tochter ist heute zwei Jahre alt. Die Elternzeit nutzte der 40-Jährige zum Nachdenken und fand schnell heraus: Es muss zurück zu den Wurzeln gehen.

Das will er in seinem Klub nun auch musikalisch für die bis zu 250 Gäste umsetzen. Schon zu seinen Anfängen als DJ hat Tschentscher meist Alternatives und Rockiges gespielt – das eben, was er selber gerne hört. Und das, was es auch im Konk zu hören geben wird. Neben Studentenpartys und Feierabenden mit DJs sind vor allem Live-Auftritte geplant. Beim Aussuchen der Bands fühlt er sich in seine Jugend zurückversetzt: „Das ist wie ein Jungbrunnen“, sagt der Veranstalter und lacht.

Und seine Kontakte von damals helfen jetzt. So stehen bereits einige Bands auf der Liste, die zumindest in der Szene keine Unbekannten sind. So wie die amerikanische Hardcore-Band Ignite oder die Dresdner Rocker von Paisley. „Hier werden Bands herkommen, die sonst nur in der Reithalle oder vielleicht in der Chemiefabrik spielen“, sagt der Veranstalter.

Doch die neue Location soll mit mehr Charme, Authentizität und kuschligem Charakter überzeugen. Gerade sucht Tschentscher nach Dresdner Sprayern. Denn die Wände im Konk sind noch ziemlich weiß. „Ich will aber kein Graffiti-Wandbild, das ist nicht authentisch“, sagt er. Stattdessen sollen haufenweise unterschiedliche Tags – so werden Schriftzüge in der Szene genannt – die Wände überziehen. „Ich kann mir vorstellen, dass das regelmäßig erneuert wird.“ Zumindest die erste Variante sollte bis zum 8. Oktober fertig sein. Denn dann öffnet das generalüberholte Eventwerk offiziell seine Türen.

Neben dem Konk wird den Partywütigen dann noch in zwei weiteren Klubs eingeheizt. In den Locations, die unter der Regie von Philip Grundmann stehen, wird es vor allem Elektronisches zu hören geben – von kommerziellem House bis zu szenerelevanten Techno-Beats. Größen wie Paul van Dyk haben sich bereits angekündigt. Das Klubleben ist tot? Von wegen.