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Neues Vereinsgebäude wird zur Millionen-Frage

Die Bauentwürfe überzeugen die Gemeinde noch nicht vollends. Und die Kosten könnten sogar siebenstellig werden.

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© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Wülknitz. Wenn im Sport Pokale und Medaillen vergeben sind, wird an der Platzierung nicht mehr gerüttelt. Anders könnte es beim neuen Vereinsheim am Wülknitzer Sportplatz werden, dem größten Bauvorhaben der Gemeinde. Denn ob das neue Gebäude wirklich vom Sieger des Architektenwettbewerbs geplant wird, ist derzeit völlig offen. „Der Gemeinderat muss die Freiheit haben, jemand anderen als den Erstplatzierten zu beauftragen“, stellte Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) klar.

Eigentlich sehen die Wettbewerbsregeln vor, dass der Erstplatzierte den hoch dotierten Planungsauftrag bekommt. Davon kann aber abgewichen werden, erklärte Konrad Hardt. Dann müsse es aber „gewichtige Gründe“ geben, so der Großenhainer Architekt, der den Planerwettstreit um das Vereinsheim im Auftrag der Gemeinde geleitet hatte. Ein solcher Grund können hohe Baukosten sein. „Niemand kann die Gemeinde zwingen, einen Entwurf zu realisieren, den sie sich nicht leisten kann“, sagte Hardt.

Die Kosten könnten beim neuen Vereinsheim tatsächlich zum Zünglein an der Waage werden: Zum einen ist inzwischen klar, dass die im Haushalt eingeplanten 650 000 Euro für den Neubau keinesfalls reichen werden. Seine laienhafte Schätzung sei zu gering gewesen, so Bürgermeister Clauß. Allein wegen der benötigten Räume sei mit etwa 900 000 Euro zu rechnen, habe ihm einer der Preisrichter beim Wettbewerb gesagt.

Duell um den Planungsauftrag

In dieser Größenordnung liegen auch die geschätzten Kosten für den Bau der Gewinner-Entwürfe. Allerdings gibt es auch da noch jede Menge Fragezeichen. Denn die Planer sollten zu ihren Entwürfen Kosten pro Quadratmeter und pro Kubikmeter angeben. Diese Angaben wiederum seien sehr unterschiedlich gewesen, so Wettbewerbsleiter Konrad Hardt.

Um dennoch einen Vergleich zu bekommen, wurden Durchschnittswerte aus den Kubik- und Quadratmeterkosten aller 14 Wettbewerbsteilnehmer gebildet. Für den Erstplatzierten ergaben sich dadurch Baukosten von rund 1,1Millionen, für den Zweiten knapp 790 000 Euro. Legt man die eigenen Angaben der Planer zugrunde, sieht die Welt anders aus: Der Erstplatzierte nimmt an, sein Entwurf könne für 800 000 Euro realisiert werden, der Zweite hat rund 900 000 Euro angegeben.

Nachdem am Montag entschieden wurde, dass nur noch der Erst- und Zweitplatzierte im Rennen sind, geht es nun in die Details: Die beiden Büros sollen in den nächsten Wochen ihre Entwürfe, Änderungsmöglichkeiten und die Kostenschätzungen noch einmal dem Gemeinderat genau erklären. Dann soll entschieden werden, wer den Planungsauftrag bekommt. Der Zeitplan ist eng: Bis Ende September müssen die Fördermittel beim Land beantragt werden. Und das geht nur mit einer reifen Planung samt Kostenberechnung.