merken

Neues Wolfsrudel bestätigt

Tierhalter zwischen Stolpen und Hohnstein sollten ihre Herden schützen. Für einige Tiere kommt das zu spät.

© dpa

Von Anja Weber

Anzeige
Der Winter naht mit Eis und auf Kufen

Das Schlittschuhlaufen im FEZ “Hains“ ist ein herrlicher Spaß – egal ob als Eisprinzessin oder -prinz, mit Pirouetten drehen oder als blutiger Anfänger.

Vor fast genau einem Jahr, im März 2017, war die Aufregung im Hohnsteiner Ortsteil Ehrenberg groß. Ein oder gar mehrere Wölfe waren offenbar tagelang in den Wäldern rings um den Ort unterwegs. Einige tote Mufflons wurden auf einem Feld gefunden. Dass die von einem oder mehreren Wölfen zu Tode gebissen und zum Teil gefressen wurden, konnten Experten da schon bestätigen.

Keine Erkenntnisse gab es zum damaligen Zeitpunkt darüber, ob sich ein neues Rudel angesiedelt hat. Der Ehrenberger Landwirt Gunter Kranz, der ganz in der Nähe seine Kälber auf der Wiese stehen hat, war außer sich. Schon damals vermutete er, dass es sich nicht um durchziehende Wölfe handeln konnte. „Im Wald wurden massenweise Knochen gefunden. Also mussten die schon länger hier sein“, sagt er. Allerdings ist selbst für Experten der Nachweis auf eine neue Rudelbildung nicht einfach und nimmt auch einige Zeit in Anspruch. Die Wolfsexperten vom Kontaktbüro Wölfe in Sachsen haben weiter geforscht und recherchiert. Seit Freitag steht nun fest: In der Region Stolpen/Hohnstein konnte aktuell ein neues Wolfsrudel bestätigt werden. Ob das mit den Vorfällen in Ehrenberg im Zusammenhang steht, ist offen.

Die neuen Erkenntnisse sind möglich, weil ganz aktuell das Ergebnis der genetischen Untersuchung des am 7. November 2017 bei einem Unfall getöteten männlichen Wolfswelpen vorliegt. Passiert ist der Unfall zwischen Stolpen und Dobra, am Abzweig Helmsdorf. Eine Wildtierkamera konnte dort zweimal Wölfe aufnehmen. Doch erst die genetische Untersuchung gibt letztlich Aufschluss darüber, ob es sich um ein neues Rudel handelt oder nicht. Der getötete Wolfswelpe gehörte einem im Monitoring bisher nicht erfassten Rudel an, das im Sommer 2017 im Raum Stolpen/Hohnstein Welpen aufgezogen hat, informiert das Kontaktbüro.

Diese Feststellung hat nun konkrete Auswirkungen auf die Halter von Schafen und Ziegen in dieser Region. Das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen empfiehlt, Vorkehrungen für den Schutz ihrer Tiere treffen. Es wird empfohlen, Nutztiere mit einem geeigneten 100 bis 120 Zentimeter hohen Elektrozaun zu schützen. Kleinere Tierbestände können auch über Nacht eingestallt werden. Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material werden seitens des Wolfsmanagements nicht empfohlen, da sie über keine abschreckende Wirkung verfügen und eine rein physische Barriere darstellen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben, übersprungen oder überklettert werden. Tierhalter, die Fragen zum Herdenschutz beziehungsweise zur Förderung von Schutzmaßnahmen haben, können sich an den Herdenschutzbeauftragten wenden.

Allerdings ist weder das Problem der Rinderzüchter noch der Jäger gelöst. Bauer Kranz hat seine Tiere ständig draußen auf einer großen Wiesenfläche stehen. „Ich kann doch nicht die ganze Wiese einzäunen. Das geht überhaupt nicht“, sagt er. Zwar haben die Wölfe seine Kälber in Ruhe gelassen. Doch es gibt unter anderem, auch in Niedersachsen, Beispiele, wo Kälber von Wölfen gerissen wurden. Und auch die Jäger stehen vor einem Problem. Im Revier Ehrenberg soll es zum Beispiel kaum noch Rehe und Mufflons geben. Ob diese nun alle durch die Wölfe aufgefressen wurden, kann wohl nicht bewiesen werden. Zumindest kommen aber eben diese Tierarten nur noch wenig vor die Flinte.

Konkrete Aussagen über die Situation in Stolpen oder im Hegering Oberes Sebnitztal stehen noch aus. Allerdings sollen auch hier Fotofallen bereits Nachweise von Wölfen erbracht haben. Weitere Sichtungen, allerdings noch unbestätigte, soll es aus den Wäldern rund um Ottendorf bei Sebnitz geben.

Um weitere Erkenntnisse aufzuarbeiten, sind Hinweise aus der Bevölkerung wichtig. Ansprechpartner ist das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen sowie auch das Lupus-Institut für Wolfsforschung.

Ansprechpartner zu Herdenschutzfragen: Andre Klingenberger, Biosphärenreservatsverwaltung „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ Malschwitz, 0172 3757602, E-Mail: [email protected].sachsen.de.

Wolfshinweise bitte an das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen, 035772 46762oder E-Mail: [email protected]