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Neugierig im Tharandter Wald

Für fünf Forstwirte in spe startet die Lehre. Erst zum zweiten Mal ist eine junge Frau dabei.

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© Andreas Weihs

Von Stephan Klingbeil

Tharandt. Der Handy-Empfang ist miserabel. Via Smartphone online surfen und Nachrichten verschicken klappt so richtig nicht. Doch das interessiert die fünf Jugendlichen, die am Donnerstag ihre Ausbildung zum Forstwirt im Tharandter Wald begonnen haben, herzlich wenig. „Das lenkt doch nur ab. Und wir sind hier, um an der Natur teilzuhaben, es wird viel Abwechslung geboten“, sagt Jonas Jentzsch. Die vier anderen Lehrlinge pflichten ihm bei.

Wie der 19-jährige Dresdner, wollen auch die anderen neuen Azubis im Forstbezirk Bärenfels in den kommenden drei Jahren viel Neues lernen, um dann ihren Abschluss als Forstwirte zu packen. Artenkenntnis, Waldökologie und Naturschutz, der sichere Umgang mit der Motorsäge, die Waldverjüngung oder Sortierung und Verwendung von Holz werden nun behandelt.

Am Donnerstag begann für Jentzsch, Maximilian Wittig aus Heidenau-Großsedlitz, für den Klipphausener Kurt Pätzig, für Niclas Schröter aus Plohn im Vogtland und für Anna-Maria Kühn aus dem nicht weit entfernten Niederbobritzsch im Versuchs- und Lehrobjekt Hetzdorf (VLO) die Lehre.

Sie hatten sich im Bewerbungsverfahren gegen 25 weitere Kandidaten durchgesetzt. Insgesamt starten 42 junge Männer und sechs junge Frauen ihre Ausbildung beim Staatsbetrieb Sachsenforst. „Das genaue Hinschauen bei der Bewerberauswahl lohnt sich – der diesjährige Absolventenjahrgang, der im Juli seine Ausbildung beendet hat, war der beste seit 13 Jahren“, sagt Staatsforstsprecher Klaus Kühling.

Nun geht es aber in eine neue Runde: Ausbilder Helmut Herzog führte die fünf Forstwirte in spe, die jetzt ihre Lehre im Forstbezirk Bärenfels beginnen, am Donnerstag erst mal über das Gelände der VLO. Das Areal im Tharandter Wald war einst eine Baumschule. Es erstreckt sich über mehrere Hektar. Auch Mitarbeiter der TU Dresden arbeiten dort. Wenn Ausbilder oder Lehrlinge spezielle Fragen haben, stehen die Wissenschaftler mit Rat zur Seite.

Förster im Bekanntenkreis

Die fünf Neulinge sind neugierig. Sie eint das Interesse für Natur, Umwelt und nachhaltige Entwicklung. Das Gros von ihnen hat zudem einen Förster oder Forstwirt in Familie oder Bekanntenkreis.

Der Dresdner Jentzsch sagt, er sei „eigentlich nicht der typische Stadtmensch“, er ist viel mit der Familie gewandert, treibt oft Sport in der Natur und wohnt in einem grünen Stadtteil an der Elbe. Der 19-Jährige hatte bereits eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann angefangen. „Ich habe aber gemerkt, der Beruf ist nichts für mich“, sagt er. „Das hier liegt mir mehr.“

In den vergangenen sechs Jahren gab es Herzog zufolge auch im hiesigen Forstbezirk den Trend, dass angehende Forstwirte die Lehre vorzeitig beenden. Einer von fünf Azubis pro Jahrgang würde abbrechen.

Der 61-Jährige aus Oberfrauendorf kann auf eine drei Jahrzehnte lange Berufserfahrung zurückblicken. Seit 1991 ist er als Ausbilder im Forstbezirk Bärenfels, der sich von Freital bis zur tschechischen Grenze erstreckt, tätig. Mit Anna-Maria Kühn habe nun erst zum zweiten Mal im Forstbezirk eine junge Frau die Lehre begonnen. „Ich möchte nach der Ausbildung an der Abendschule mein Fachabitur machen und dann Forstwissenschaften studieren“, begründet die 16-Jährige ihre Bewerbung.

Ähnliches hat auch der vier Jahre ältere Maximilian Wittig vor, der sein Abitur bereits in der Tasche hat. „Eine praktische Ausbildung vor dem Studium zu machen, kann von Vorteil sein“, erklärt der Hobbyruderer. Vielleicht gehört er 2019 auch zu den Absolventen, die ein forstliches Universitäts- oder Fachhochschulstudium beginnen. Laut Staatsforst gingen 15 Prozent der Absolventen diesen Weg.

Die beruflichen Aussichten für den neuen Jahrgang seien zudem gut. Der Staatsbetrieb übernimmt zwar generell keine der Lehrlinge wegen eines Einstellungstopps, heißt es. Das wissen auch die Bärenfelser Azubis. Sie sind dennoch motiviert. Spätere mögliche Arbeitgeber sind unter anderem staatliche, kommunale und private Waldeigentümer, private Forstunternehmen, aber auch Dienstleister in der Baum- und Landschaftspflege. „Die Lehre hier ist Grundlage für viele Tätigkeiten“, erklärt Herzog.

Dann führt er die Neulinge über das VLO-Gelände. Ab kommender Woche steht Theorie auf dem Plan – in der Berufsschule in Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland. Danach kommen die Azubis Ende September zurück. Und dann ist Praxis angesagt.