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Neuhaus’ neuer, alter Plan

© Robert Michael

Dynamos Trainer möchte die Mannschaft taktisch flexibler spielen lassen. An seinem Grundsystem aber hält er fest.

Von Sven Geisler und Cornelius de Haas

Wenn er will, kann Uwe Neuhaus sehr spitzfindig werden. Dann grinst er in sich hinein, um scheinbar ernsthaft zu antworten. „Ich spiele lieber mit drei Stürmer anstatt mit zwei“, sagt Dynamos Trainer. Was er damit meint: Er hält an seiner taktischen Ausrichtung fest. Wie man die symbolisiert, ist Auslegungssache. Er selber spricht gern von einem 4:3:3-System, auf dem Platz aber agieren die Dresdner meist in einem 4:1:4:1. Der Unterschied liegt in der Offensive.

Neuhaus ist zum Ende der vorigen Saison auch deshalb in die Kritik geraten, weil er nur eine Spitze aufgeboten hatte, die beiden offensiven Außenspieler wurden nicht als Angreifer wahrgenommen, was auch an ihrer mangelhaften Torquote gelegen haben dürfte. Anders als beispielsweise Justin Eilers 2015/16 mit 23 Treffern und Akaki Gogia im Jahr darauf mit zehn, hatten Erich Berko, Haris Duljevic, Sascha Horvath und Patrick Möschl zusammen nur siebenmal getroffen. Das weiß natürlich auch Neuhaus, der hat jedoch auch gute Gründe, an seiner Linie festzuhalten.

Mit zwei Stürmern, sagt er, bleibe etwas auf der Strecke. „Wir hatten vorige Saison umgestellt. Vier Spiele, zwei Siege. Das ist nicht so schlecht“, sagt er – und nennt die Kehrseite: „Wir haben aber auch zehn Gegentreffer kassiert. Ich glaube, wenn man das fortsetzt, wird man seltener gewinnen.“ Die Stabilität der Defensive gehörte sicher zu den Gründen für das enttäuschende Abschneiden. Während Dynamo mit 42 erzielten Toren im Mittelfeld der zweiten Liga lag, waren 52 Gegentreffer das fünftschlechteste Ergebnis.

Deshalb plant Neuhaus eine flexiblere Abwehrarbeit, was wiederum eine kleine Zahlenspielerei mit sich bringt. Er plant nämlich, mit einer Dreierkette zu arbeiten und sagt gleich dazu, dass man die auch als Fünferkette bezeichnen könne. In der praktischen Umsetzung bedeutet es, dass die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz offensiver als agieren, aber bei gegnerischen Angriffen die letzte Reihe schließen.

„Wir wollen der Mannschaft vom Kopf her eine Stütze geben, während des Spieles etwas verändern zu können“, erklärt der Chefcoach seinen Plan. Das verlangt von den Spielern eine höhere Flexibilität. Allerdings wurde von den Außenverteidigern auch bisher verlangt, dass sie sich nach vorn einschalten – wofür Niklas Kreuzer und Philipp Heise mit ihrer Schnelligkeit geeignet sind. Neuzugang Brian Hamalainen fiel bereits in den ersten Testspielen mit guten Flanken und Fernschüssen auf.

Zudem probierte Neuhaus zwei Offensivkräfte in der letzten Reihe: Berko auf links, Möschl auf rechts. Allerdings wurden sie in Riesa und Gera „defensiv nicht wirklich gefordert“, wie er danach einschätzte. Trotzdem kann er sich Möschl in der anderen Rolle vorstellen, plant aber nicht ernsthaft mit ihm als Alternative für Kreuzer. Für die Position will Dynamo noch einen Spieler verpflichten.

Für Berko wird die Versetzung in die letzte Reihe wohl eine Ausnahme bleiben. Nach seiner Erfahrung hat er sich quasi bei Heise entschuldigt, wie er erzählt: „Jetzt weiß ich, warum er so sauer ist, wenn er mit vor geht und den Ball nicht bekommt. Es ist schon sehr anstrengend, wenn man dann wieder zurücklaufen muss.“ Sollte Neuhaus das beabsichtigt haben, hat seine Erziehungsmaßnahme gewirkt.

Im Sturmzentrum scheint bisher Pascal Testroet erste Wahl zu sein, Moussa Koné und Lucas Röser machen aber Druck. „Wir haben den Kader – auch was die Stürmertypen betrifft – so zusammengestellt, dass es auf das System passt“, sagt Neuhaus. Er meint das mit einer Spitze. Oder – nach seiner Lesart – mit drei Stürmern.