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Neuhaus’ Pokerspiel

Wollte Testroet weg oder Dynamo den Publikumsliebling loswerden? Und kommt jetzt ein Neuer? Der Trainer weicht aus.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Es ist die Woche der Parallelen bei Dynamo Dresden: erst das 1:0 gegen Duisburg, Torschütze damals wie heute Lucas Röser, und dann die Diskussionen um Pascal Testroet, der damals wie heute für unbestimmte Zeit das gelb-schwarze Trikot nicht mehr überstreifen wird. Man könnte jetzt also locker die Sätze des Trainers von vor einem Jahr herauskramen – und keiner würde es merken, womöglich nicht einmal Uwe Neuhaus selbst.

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GeplanterErsatz1: Erich Berko © Robert Michael
Erste Alternative: Moussa Koné © Robert Michael
Vorerst gesetzt: Lucas Röser © Robert Michael
GeplanterErsatz2: Baris Atik © Robert Michael
Jünger und besser: Vasil Kusej © Robert Michael
Jung und gut: Osman Atilgan © Robert Michael

Von Geduld hat er in der ersten August-Woche 2017 gesprochen, von den Schwierigkeiten auf dem Transfermarkt, gerade wenn es um die Position im Angriff geht, sowie Dynamos Anspruch, wenn schon Transfers, dann nur Verstärkungen. Sportchef Ralf Minge garnierte Neuhaus’ Ausführungen schließlich mit dem Hinweis, auf der Suche nach einem neuen Stürmer weder sich zu treiben, noch sich treiben zu lassen. „An der Sorgfalt, mit der wir an die Dinge herangehen, wird sich jetzt nichts ändern. Wir haben ja auch noch ein paar Tage Zeit“, so Minge.

Verpflichtet wurden dann: Eero Markkanen und eine halbe Stunde vor Transferschluss Peniel Mlapa. Beide haben Dynamo inzwischen schon wieder verlassen, Markkanen bereits in der Winterpause, Mlapa in der Sommerpause erst einmal leihweise ins niederländische Venlo.

Man sollte demnach unbedingt hellhörig werden, wenn Neuhaus angesprochen auf einen möglichen Testroet-Ersatz in der zweiten August-Woche 2018 Sätze wie diese sagt: „Das kann ich schwer einschätzen. Der Markt ist kompliziert. Wir müssen geduldig sein und die Nerven bewahren. Vielleicht passiert noch was.“ Zumal sich die Konstellation diesmal sogar ein Stück weit verschärft darstellt. Denn Testroet hat sich ja nicht wie im Vorjahr gegen Duisburg das Kreuzband gerissen, was zumindest die Rückkehr in der Rückrunde möglich machte. Testroet ist vielmehr zum Ligarivalen Erzgebirge Aue gewechselt. Und Transferschluss ist weiterhin Ende des Monats, also genau in drei Wochen.

Zeitdruck verspürt Neuhaus aber offenbar nicht, zumindest aber die Notwendigkeit für einen Ersatz. Schließlich stehen ihm als Mittelstürmer nun lediglich noch Röser und Moussa Koné zur Verfügung, wobei der gegen Duisburg auf der rechten Seite nachhaltig Eindruck machte. „Wenn ich mal den Fall annehme, dass sich jetzt einer von beiden noch verletzt, dann haben wir natürlich schon einen kleinen Engpass“, gesteht Neuhaus, will das jedoch nicht als Transferverpflichtung interpretiert wissen.

Alternativen im eigenen Kader

Er kontert: „Wir haben aber auch Spieler, die über einen überschaubaren Zeitraum die Position vorne besetzen können. Also sind wir nicht ganz so blank, wie es zurzeit scheint.“

Der Trainer nennt Erich Berko, der in seiner Zeit vor Dynamo öfter im Angriff gespielt hat, sowie Neuzugang Baris Atik. Und dann gibt es noch die Talente mit Profivertrag aus dem eigenen Nachwuchs: Vasil Kusej und Osman Atilgan, der gegen Duisburg bereits anstelle von Testroet auf der Auswechselbank saß. Beide werden zu Einsatzzeiten kommen, mit ihnen konkret zu planen, will Neuhaus vorerst jedoch nicht. Seine Grundaussage bleibt ohnehin unverändert: Koné und/oder Röser dürfen sich nicht verletzen. Wenn doch, meint der 58-Jährige, würden die Sorgenfalten sofort ein kleines bisschen größer werden.

Würde er es wirklich darauf ankommen lassen? Eher nicht, das Vorjahr mit den verletzungsbedingten Engpässen in der Innenverteidigung und den Erfahrungen mit den Spätverpflichtungen Markkanen und Mlapa, die sich als wenig hilfreiche Notkäufe erwiesen, dürfte ihm noch in leidiger Erinnerung sein.

Pokert Neuhaus also – und Dynamo hat längst schon einen neuen Stürmer gefunden? Und wenn nicht, wenn kein Wunschtransfer kurz vorm Abschluss steht, warum hat der Trainer dann Testroet den Abgang nahegelegt?

Kampf um die Deutungshoheit

An dieser Stelle widerspricht Neuhaus süffisant lächelnd, aber vehement mit einer Gegenfrage: „Wer sagt denn, dass ich ihm das nahegelegt habe?“ Dem Verweis auf Dynamos Wechsel-Mitteilung, in der Sportchef Kristian Walter mit den Worten zitiert wird, „dass Paco bei uns in Zukunft nicht mehr die gewünschten Einsatzzeiten bekommen wird, die er sich vorstellt“, entgegnet Neuhaus ebenfalls. Er könne eigentlich keinem Spieler größere Einsatzzeiten zusichern, und deshalb „ist die Berichterstattung ein bisschen einseitig“.

Bei den Nachwehen des am Ende doch unerwarteten Abgangs eines Publikumslieblings geht es nun offenbar auch um die Deutungshoheit – für Dynamo also darum, Testroets Darstellung entgegenzuwirken. Die These, Dynamo habe ihn loswerden wollen, hält sich indes hartnäckig und inzwischen auch das Gerücht, dass Aue keine nennenswerte Ablösesumme zahlen musste, sofern überhaupt Geld geflossen ist.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Neuzugang, meint Neuhaus abschließend, lasse sich schwer beziffern. Er sagt aber auch: „Ausgeschlossen ist nichts.“ Heißt erfahrungsgemäß: Ein neuer Stürmer kommt.